Nach blutigen Kämpfen im Tschad: 'Haben Land wieder vollkommen unter Kontrolle'

Regierung: Rebellen wurden erfolgreich besiegt Plus: Rebellen dürften sich jedoch neu gruppieren

Nach blutigen Kämpfen im Tschad: 'Haben Land wieder vollkommen unter Kontrolle' © Bild: Reuters/Taquet/ECPAD/French Defence Ministry

Nach dem Ende der blutigen Kämpfe in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena kehrt wieder Ruhe ein. Die Regierung erklärte unterdessen, sie habe das gesamte afrikanische Land wieder "vollkommen unter Kontrolle". Präsident Deby sagte, seine Truppen hätten die Rebellen erfolgreich geschlagen. Nach französischen Erkenntnissen schienen sich die Rebellen lediglich neu zu gruppieren.

Bei den Kämpfen in N'Djamena waren von Hilfsorganisationen mindestens 100 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verwundeten wurde von "Ärzte ohne Grenzen" mit mindestens 700 angegeben.

Neugruppierung der Rebellen?
Der französische Außenminister Kouchner berichtete von der Neugruppierung der Rebellen. Rund 30 Kilometer vor der Hauptstadt hätten sie 100 bis 200 Fahrzeuge zusammengezogen. Verteidigungsminister Hervé Morin sagte, dass zusätzliche Rebellentruppen von der sudanesischen Grenze in Richtung N'Djamena unterwegs seien.

Rebellensprecher Koulamallah erklärte, die Rebellen hätten ihre Ziele nicht aufgegeben. Er rief Frankreich auf, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. "Frankreich läuft Gefahr, sein Gesicht im Tschad zu verlieren und das Leben aller seiner Bürger in Afrika in Gefahr zu bringen", sagte er dem Sender RFI zufolge.

Nach dem Abflauen der Kämpfe kehrten unterdessen Hunderte von Flüchtlinge aus dem nahen Kamerun nach N'Djamena zurück. Frankreich will zwei Flugzeuge mit 80 Tonnen Hilfsgütern nach Kamerun schicken, wo sich bis zu 30 000 tschadische Flüchtlinge aufhalten sollen.

Gusenbauer mahnt Neutralität ein
Bundeskanzler Gusenbauer hat indes klargestellt, dass Österreich an der Tschad-Mission nur dann weiter teilnimmt, wenn seitens der EU-Truppen absolute Neutralität gegeben sei. Wenn einseitiges militärisches Engagement erfolge, müsse klar sein, dass damit die ganze Mission infrage gestellt sei, meinte Gusenbauer, befragt zu Aussagen von Frankreichs Präsident Nikolas Sarkozy, der dem tschadischen Präsidenten Idriss Deby Itno seine Unterstützung zum Ausdruck gebracht hat. Frankreich und der Tschad hatten im Jahr 1986 einen Vertrag über die Verteidigung der territorialen Integrität der früheren französischen Kolonie unterzeichnet, der aber keine direkte militärische Unterstützung der Regierung in N'Djamena vorsieht.

Gusenbauer betonte am Mittwoch, die EUFOR habe kein Kampfmandat für innertschadische Auseinandersetzungen. Die Mission sei dafür ausgelegt, für den Schutz der Hunderttausenden Flüchtlinge im Osten des Landes zu sorgen. Vizekanzler Molterer bestätigte die Haltung des Kanzlers. Die Außenministerin habe auch schon entsprechende Initiativen gesetzt, dass die beteiligten Nationen ihre neutrale Haltung in dem Konflikt darstellten. Ein einseitiges Vorgehen plant die Regierung aber nicht.

Verteidigungsminister Darabos verteidigte vor dem Ministerrat den Tschad-Einsatz und würdigte auch die Rolle Frankreichs. Entgegen anderslautenden Meldungen habe sich Paris bisher nicht eingemischt. Hätte sich Frankreich schon stärker eingebracht, hätte es gar nicht zu dem unerwartet raschen Vorstoß der tschadischen Rebellen kommen können, glaubt der Verteidigungsminister. FPÖ-Bundesparteiobmann Strache meinte in einer Aussendung, für jeden, der sich mit der Materie befasst habe, sei vornherein klar gewesen, dass die Unparteilichkeit der europäischen Truppen im Tschad in keiner Weise gewährleistet sei. Österreich hätte sich von Anfang an nicht an dieser Mission beteiligen dürfen. (apa/red)