Nach blutigen Kämpfen im Kongo: Erster offizieller Einsatz der europäischen Truppe

Hilfaktion für Botschafter: In Sicherheit gebracht Regierungssoldaten besetzen Flughafen in Kinshasa

Nach heftigen Kämpfen in Kinshasa ist am Dienstag früh der Flughafen der kongolesischen Hauptstadt besetzt worden. Bei den Besatzern handle es sich um Regierungssoldaten, berichtete der südafrikanische Rundfunk. In der Stadt seien am Morgen erneut Detonationen zu hören gewesen. Die Kämpfe waren am Montagabend nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidentenwahl vom 30. Juli ausgebrochen.

Der südafrikanische Botschafter wurde in der Früh in seine Heimat ausgeflogen, nachdem Soldaten der EU-Truppe ihn und 13 weitere Botschafter in Sicherheit gebracht hatten. Die Hilfsaktion für die Botschafter war der erste offizielle Einsatz der europäischen Einheit EUFOR, die unter Führung der deutschen Bundeswehr steht und der auch auch drei österreichische Stabsoffiziere angehören.

Eine spanische Kompanie hatte gemeinsam mit einer Kompanie der UN-Truppen die Diplomaten aus einer umkämpften Zone der Hauptstadt in Sicherheit gebracht. Die Botschafter seien bei einer Unterredung im Haus von Vize-Präsident Jean-Pierre Bemba von der Präsidentengarde beschossen worden und hätten um Hilfe gebeten, hieß es.

Bei den Kämpfen kamen mindestens 25 Menschen ums Leben. Bembas Helikopter wurde in Brand geschossen. Die belgische Fluggesellschaft SN Brussels Airlines strich wegen der Gefechte ihre Flüge von Brüssel nach Kinshasa.

Der kongolesische Informationsminister Henri Mova Sakanyi machte Bembas Anhänger für die Kämpfe in Kinshasa verantwortlich. "Alles hat damit angefangen, dass eine Zone geschaffen wurde, zu der die Ordnungskräfte keinen Zugang hatten, und mit der Verschleppung zweier Mitglieder der Republikanischen Garde auf das Gelände der Privatresidenz von Bemba", sagte Mova am Montagabend. Um die Ordnung wiederherzustellen, mussten die Sicherheitskräfte laut Bemba eingreifen und auf "alle provokanten Handlungen" reagieren.

Kabila ruft zum Ende der Gewalt auf
Angesichts der anhaltenden Kämpfe hat Staatspräsident Kabila die Konfliktparteien zur sofortigen Rückkehr in ihre Quartiere aufgefordert. Kabila sagte am Dienstag nach Angaben seines Kabinettsdirektors Léonard She Okitundu, die Mitgliedsstaaten des Internationalen Komitees zur Begleitung des politischen Übergangs im Kongo (CIAT) sollten entsprechend auf die bewaffneten Anhänger von Vize-Präsident Jean-Pierre Bemba einwirken.

Er werde sich seinerseits um die Mitglieder der Präsidentengarde kümmern. Für Bembas Sicherheit ist laut Kabila entweder die EUFOR oder die UN-Mission MONUC zuständig. Nahe der Residenz des Vize-Präsidenten gab es auch am Dienstag wieder Schießereien.

(apa/red)