Nach einem wilden Handgemenge in Wien: Mordverdächtiger Weißrusse festgenommen

Soll in der Heimat Bandenmitglied hingerichtet haben Verdacht: Planung von Raubüberfällen in Österreich

Nach einem wilden Handgemenge in Wien: Mordverdächtiger Weißrusse festgenommen

Ein 26-jähriger Weißrusse soll zusammen mit Komplizen in seiner Heimat ein Bandenmitglied regelrecht hingerichtet haben. Das Opfer wurde erschlagen und mit Benzin übergossen. Nun stellten Zielfahnder des Bundeskriminalamtes (BK) und Beamte der Spezialeinheit Cobra den mit internationalen Haftbefehl gesuchten Michail Sch. in Wien-Margareten. Der Mann war zusammen mit seiner Freundin in Österreich untergetaucht. Er könnte Raubüberfälle geplant haben, berichtete Oberstleutnant Helmut Reinmüller vom BK.

Michail Sch. war den Angaben der Behörden in Weißrussland zufolge Mitglied einer Verbrecherbande. Vor einiger Zeit wurde ein Komplize an einem See bei Lujuchowo im politischen Kreis Polotsk von etwa 40 Leuten zur Rede gestellt. Er soll gegen den Ehrenkodex der Organisation verstoßen haben. Zehn Männer blieben nach der "Aussprache" zurück und erschlugen das Opfer im Auftrag ihres Chefs mit bloßen Händen, Füßen und Stöcken.

Anschließend schleppten sie die Leiche mit einem Auto zu einem Waldstück. Dort übergossen sie den Körper mit Benzin und verbrannten ihn. Sch. flüchtete mit seiner Lebensgefährtin nach Wien. Ein Asylantrag wurde abgelehnt, das Paar tauchte im November vergangenen Jahres unter.

Internationaler Haftbefehl
Interpol Minsk hatte Ende Oktober das BK informiert, dass sich der Gesuchte in Österreich aufhalten könnte. "Es wurde relativ rasch ein internationaler Haftbefehl erlassen, aber die Schreibweise des Namens stimmte nicht überein", so Reinmüller. Nach intensiven Ermittlungen kamen die Fahnder dem Weißrussen jedoch auf die Spur.

Beamte legten sich in der Gießaufgasse 28 auf die Lauer. Nach zweistündiger Wartezeit erschien der Verdächtige. Bei der Verhaftung kam es zu einem wilden Handgemenge, Sch. wehrte sich heftig. "Dank Mithilfe der Cobra konnte er letztendlich überwältigt werden", betonte Reinmüller.

In einer Wohnung des Hauses stießen die Polizisten auf die Freundin des mutmaßlichen Mörders. Das Paar war mit gefälschten polnischen Pässen eingereist. Außerdem wurden eine Kappe mit Perücke, diverses Werkzeug, mehrere Handys, elektronische Geräte und 4.000 Euro Bargeld sichergestellt. Die Ermittler vermuten, Sch. habe Raubüberfälle geplant. Konkret wird ihm ein Einbruch in ein Internet-Cafe in Floridsdorf zur Last gelegt.

(apa/red)