Nach Golden Globes von

Der rote Teppich
als Ort des Protests

Immer wieder nutzen SchauspielerInnen den Schaulauf zur Demonstration

Golden Globes © Bild: APA/AFP/Ziemba

Der rote Teppich wurde bei den diesjährigen Golden Globes zu einem schwarzen Teppich. Bis auf wenige Ausnahmen trugen Hollywoods Schauspielerin dieses Jahr unisono schwarze Kleider, um gemeinsam auf den Kampf gegen Sexismus aufmerksam zu machen. Doch es war nicht das erste Mal, dass der rote Teppich als Bildfläche für Proteste diente.

Weibliche Schauspielerinnen dienen in der Regel bei Award-Shows und den Schauläufen über den roten Teppich davor als Kleiderstangen. Mehr als ihrer Arbeit wird hier ihren Outfits Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses Jahr bei den Golden Globes jedoch nicht, dank der Initiatorinnen der Gleichstellungskampagnen #metoo und #timesup. Alle kamen in Schwarz, sogar das Modemagazin „Vogue“ verzichtete anfangs auf die Nennung der Designer. Die ganze Verleihung stand dieses Jahr unter dem Zeichen des Kampfes gegen Sexismus.

Jane Fonda im Anzug

Den roten Teppich als Schauplatz eines Protests zu nutzen, ist jedoch nicht neu. So nahm schon im Jahr 1972 Jane Fonda etwa ihren Oscar für die beste Hauptrolle in einem schwarzen Anzug mit Mao-Kragen entgegen. Sie setzte damit ein Zeichen gegen den Vietnamkrieg.

Julia Roberts
© APA/AFP/Poujoulat Julia Roberts barfuß in Cannes 2016

Julia Roberts barfuß

2016 verzichtete etwa Julia Roberts auf Schuhe. Mit ihrem Barfuß-Lauf über den roten Teppich in Cannes protestierte die Hollywood-Schauspielerin gegen die Vorschrift, dass Frauen nur in hochhackigen Schuhen zu Filmpremieren erscheinen dürfen. 2015 (!) wurden mehr als 50 Frauen aus diesem Grund von einer Premiere ausgeschlossen. Auch Susan Sarandon und Geena Davis schlossen sich Roberts Vorbild an und zeigten sich „unten ohne“.

Tafeln, Schleifen und Co.

Auch Tafeln wie bei Demos kamen schon des Öfteren am roten Teppich zum Einsatz, wie etwa bei der Premiere eines „Bridget Jones“-Filmes, bei der die Schauspielerin Sarah Solemani für bessere Arbeitsbedingungen für Eltern in der Filmindustrie protestierte.

Moonlight
© APA/AFP/Brown Die blaue ACLU-Schleife bei den Oscars 2017

Große Schlagzeilen machte auch die kleine blaue Schleife der US-Bürgerrechtsbewegung ACLU als Zeichen gegen Präsident Trump, die zahlreiche Stars bei der Oscarverleihung 2017 am Revers trugen. Und gegen Trump protestierte auch „Big Bang Theory“-Star Simon Helberg mit seiner Ehefrau Jocelyn Towne letztes Jahr bei den Screen Actors Guild Awards. Helberg hielt ein Schild mit Aufschrift „Willkommen, Flüchtlinge“ in die Kameras während seine Frau „Lasst sie rein“ auf ihr Dekolleté geschrieben hatte.

Simon Helberg
© APA/AFP/Brown Simon Helberg und seine Frau

Als Vorreiter der Schwarz-Parade bei den diesjährigen Golden Globes zählt bestimmt auch das Tragen von Anzug statt Kleid vieler Frauen bei den 21. Annual Hollywood Film Awards im November vergangenen Jahres. Es war die erste Gala nach Bekanntwerden des Weinstein-Skandals.

Suffragette Proteste
© APA/AFP/Neal Stinkbomben bei der "Suffragette"-Premiere 2015

Teppich gestürmt

Doch auch Nicht-SchauspielerInnen nutzten den roten Teppich – und dessen große Aufmerksamkeit – für Protestzwecke. So störten zahlreiche Frauenrechtlerinnen im Jahr 2015 die „Suffragette“- Filmpremiere mit Meryl Streep und Carey Mulligan. Sie sprangen über Abzäunungen und stürmten den roten Teppich, um ihren Ärger über finanzielle Kürzungen für Serviceeinrichtungen, die Opfer von häuslicher Gewalt unterstützen, Luft zu machen. Auch bei der Berlinale stürmten Femen-Aktivistinnen im Jahr 2013 den roten Teppich.

Femen Berlinale
© APA/EIsele Femen-Protest auf der Berlinale