Nach der Geiselnahme im Clinton-Wahlbüro:
Hillary setzt ihre Kampagne unbeirrt fort

Geiselnehmer nach sechs Stunden von Polizei gefasst Präsidentschafts-Kandidatin lässt sich nicht aufhalten

Nach der Geiselnahme im Clinton-Wahlbüro:
Hillary setzt ihre Kampagne unbeirrt fort

Eine Geiselnahme in einem Wahlkampfbüro der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton im US-Staat New Hampshire ist nach rund sechs Stunden ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Der nach Polizeiangaben geistig verwirrte mutmaßliche Täter ergab sich, nachdem er die letzte seiner vier Geiseln unversehrt freigelassen hatte. Clinton, die sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme in Washington aufhielt, reiste anschließend nach Portsmouth nahe Rochester und traf die Freigelassenen und deren Familien. An ihrer Kampagne werde der Zwischenfall nichts ändern, betonte die frühere First Lady.

Das US-Fernsehen zeigte Bilder, auf denen der Geiselnehmer mit erhobenen Händen aus dem Gebäude in Rochester trat, sich hinkniete und dann von der Polizei abgeführt wurde. Nach Angaben eines Vertreters der Gesundheitsbehörde, Earl Sweney, handelte es sich um einen Mann mit psychischen Problemen, der auch wegen Alkoholmissbrauchs aufgefallen war. Er hätte den Angaben zufolge eine halbe Stunde nach dem Beginn der Geiselnahme vor Gericht erscheinen sollen, um sich wegen Gewalt in der Ehe zu verantworten.

Geiselnehmer: "Die normalen Menschen brauchen Hilfe"
Nach Berichten des Fernsehsenders CNN hatte der Geiselnehmer erklärt: "Ich muss unbedingt mit Hillary Clinton sprechen. Es muss sich etwas ändern. Die normalen Menschen brauchen Hilfe." Der 47-Jährige hatte zuletzt im März in Rochester mit einer Pressekonferenz vor dem Rathaus für Schlagzeilen gesorgt. Er beklagte sich dabei über die Praxis der Polizei, in unverschlossen abgestellte Autos einen Handzettel mit einem Warnhinweis zu legen. Die Autofahrer wurden darin ermahnt, ihre Fahrzeuge abzuschließen, um so Autodiebstähle zu vermeiden.

Den Alarm hatte eine junge Frau ausgelöst, die mit ihrem Baby im Arm aus dem Wahlkampfbüro floh, kurz nachdem der Mann das Büro betreten hatte. Ob er, wie die Frau berichtet hatte, mit Sprengstoff bewaffnet war, war zunächst weiter unklar. Medienberichten zufolge handelte es sich bei einem angeblichen Sprengstoffgürtel um eine Attrappe. Die Sicherheitsvorkehrungen für Clinton wurden nach dem Zwischenfall verstärkt. Als ehemalige First Lady wird sie ohnehin vom Secret Service bewacht. Auch ihr Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, sagte seine Termine ab.

Hillary reagierte souverän
Hillary Clinton erklärte vor Journalisten in Portsmouth, sie erwäge nach dem Vorfall weder ihre Kampagne noch ihren Terminplan zu ändern. "Für mich und meine Wahlkampfhelfer war es ein sehr harter und schwieriger Tag", sagte sie. Sie sei stolz auf die freiwilligen Helfer in ihrem Büro, die in die Hände des Geiselnehmers geraten waren. Sie hätten in einer Extremsituation "außergewöhnliche Tapferkeit" gezeigt. "Solche Vorfälle passieren leider von Zeit zu Zeit." Die Freigelassenen hätten bei einem Treffen mit ihr Erleichterung über das unblutige Ende der Geiselnahme ausgedrückt. Über den mutmaßlichen Täter sagte Clinton: "Es scheint so, als habe er Hilfe gebraucht und auf dem falschen Weg Aufmerksamkeit gesucht."

Harter Wahlkampf
Clinton gilt als aussichtsreiche Bewerberin der Demokraten für die Kandidatur bei den US-Präsidentschaftswahlen im November 2008. Die Wahlkampfbüros in Rochester von zwei ihrer parteiinternen Rivalen, Barack Obama und John Edwards, wurden während der Geiselnahme vorübergehend evakuiert, wie eine Sprecherin der Demokratischen Partei mitteilte.

In New Hampshire im Nordosten der USA findet am 8. Jänner die erste reguläre Vorwahl (primary) zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten der Parteien statt. Die Vorwahlserie beginnt am 3. Jänner mit den Wahlversammlungen (caucuses) im Staat Iowa. (APA/red)