Nach Fund auf Rügen: EU-weite Hauspflicht für Katzen in den Vogelgrippe-Gebieten

Jedoch keine derartige Maßnahme in Österreich EU-Veterinäre sehen allerdings kein erhöhtes Risiko

Die von Deutschland in Vogelgrippe-Gebieten angeordnete Hauspflicht für Katzen und der Leinenzwang für Hunde sollen EU-weit in H5N1-Sperrbezirken gelten. Diese Empfehlung gab der EU-Ausschuss der nationalen Veterinäre in Brüssel. Diese Vorgehensweise soll nicht in Österreich Einzug halten. Das heimische Gesundheitsministerium empfiehlt lediglich in den H5N1-Schutz- und Überwachungszonen (drei bzw. zehn Kilometer Radius vom Fundort eines erkrankten Tieres) Katzen drinnen zu lassen, sagte Sprecherin Daniela Reczek zur APA. In der Zwischenzeit stieg die Zahl der bestätigten Vogelgrippefälle in Europa.

Der EU-Ausschuss unterstrich auch, dass es bisher keine Hinweise gebe, dass sich Menschen bei anderen Tieren als Vögeln mit dem H5N1-Virus infiziert hätten. Nach Angaben von Tierschützern wurden seit dem Vogelgrippefall bei einem Kater auf Rügen "massenweise" Katzen in Tierheimen abgeliefert.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf Riems bestätigte am Donnerstag, dass der auf Rügen an Vogelgrippe gestorbene Kater mit dem hochpathogenen H5N1-Virus Typ Asia infiziert war. Das Virus sei offenbar mit jenem identisch, welches das Institut seit Mitte Februar bei toten Wildvögeln auf der Ostseeinsel festgestellt habe. Das Untersuchungsergebnis sei nicht überraschend und ändere nichts an der Einschätzung der Gefahrenlage.

Auch die EU-Veterinäre sehen nach der europaweit ersten Ansteckung einer Katze kein erhöhtes Risiko für die Verbreitung der Tierseuche. Nach derzeitigem Wissensstand seien Fleischfresser wie Katzen eine Art "Sackgasse" für die Verbreitung des Erregers, unterstrich das Gremium. Zur Übertragung von H5N1 auch auf Hunde lägen keine Informationen vor, die diese Möglichkeit bestätigten oder ausschlössen.

Dennoch sprachen sich die Veterinäre für bestimmte Vorsichtsmaßnahmen aus. Neben den Auflagen für Katzen und Hunde empfahl der Ausschuss, kranke und tote Katzen und Hunde, die in Kontakt mit infizierten Vögeln gekommen sein könnten, von einem Veterinär untersuchen zu lassen. Wenn dies als notwendig erachtet werde, sollten weitere Tests angeordnet werden. Wer tote Katzen und Hunde finde, solle die Behörden informieren.

Erster Fall in der Schweiz
Erstmals wurde die auch für Menschen gefährliche Variante des Vogelgrippevirus auch bei einem Wildvogel in der Schweiz nachgewiesen. Das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge habe in den Proben einer in Genf verendeten Wildente den Erreger H5N1 gefunden, teilte das nationale Veterinäramt der Schweiz mit. Der EU-Kommission zufolge haben die Schweizer Behörden die gleichen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Seuche ergriffen wie die EU.

Die EU-Kommission verkündete am Mittwochabend weitere Maßnahmen gegen die Vogelgrippe. So wurde das schon seit vergangenem Jahr geltende Importverbot für lebende Vögel, Geflügelfleisch und andere Geflügelerzeugnisse aus Regionen in Kroatien nach einem bestätigten H5N1-Fall bei einem Schwan auf die Insel Ciovo ausgeweitet. Grünes Licht gaben die Veterinäre für die Einrichtung von Schutzgebieten in der ostfranzösischen Region Dombes. In dem zum Départements Ain gehörenden Gebiet war der Erreger auch auf einer Putenfarm entdeckt worden.

(apa/red)