Nach EURO-Out ist Boulahrouz enttäuscht: Dennoch gibt's Wichtigeres für den Spieler

Er spielte trotz Tod seiner zu früh geborenen Tochter "Die nächste Zeit wird sicherlich schwierig für uns"

Nach EURO-Out ist Boulahrouz enttäuscht: Dennoch gibt's Wichtigeres für den Spieler © Bild: Reuters/Kooren

Es gibt wichtigere Dinge als Fußball. Das ist Khalid Boulahrouz in der vergangenen Woche auf tragische Weise in Erinnerung gerufen worden. Seine Tochter Anissa war kurz nach der Geburt verstorben, weil sie mehr als drei Monate zu früh zur Welt gekommen war. Nach Rücksprache mit seiner Frau Sabia, die in einem Krankenhaus in Lausanne liegt, entschloss sich der Verteidiger dennoch, im EM-Kader der Niederlande zu bleiben.

Das Viertelfinal-Aus gegen Russland (1:3 n.V.) ertrug Boulahrouz am aber mit Fassung. Der 26-Jährige hat andere Sorgen. "Die nächste Zeit wird sicherlich sehr schwierig für uns. Aber wir haben einander und unterstützen einander", sagte der Verteidiger. Vor allem seine Frau brauche nun seine volle Unterstützung. Sie sei auch der entscheidende Faktor gewesen, warum sich Boulahrouz dazu entschlossen hatte, gegen Russland zu spielen.

"Ich habe mit meiner Frau überlegt und sie hat mir gesagt, dass ich weitermachen muss", erklärte Boulahrouz, gestand aber, dass es nicht einfach gewesen sei, auf dem Spielfeld konzentriert zu bleiben. Dabei hatte er sich in der Defensive kaum Fehler geleistet und nach vorne Akzente gesetzt. In der 54. Minute musste der Rechtsverteidiger allerdings beim Stand von 0:0 wegen einer im Zweikampf erlittenen Verletzung durch John Heitinga ersetzt werden.

Standing Ovations beim Abgang
Bei seiner Auswechslung verabschiedeten ihn die Oranje-Fans mit Standing Ovations. Schon auf ihrem traditionellen Marsch von der Innenstadt zum Stadion hatten sie auf halbem Weg eine Trauerminute eingelegt, um der verstorbenen Tochter zu gedenken. Danach folgte aus tausenden Kehlen eine Unterstützungserklärung in Form eines berühmten Fußball-Liedes: "You never walk alone." Die Niederländer spielten mit Trauerflor, die Russen hatten dasselbe überlegt.

Boulahrouz bedankte sich für die internationale Anteilnahme, brachte dann aber auch seine Enttäuschung über das EM-Aus zum Ausdruck. "Die Enttäuschung ist sehr groß, denn wir haben ein sehr gutes Turnier gespielt. Doch diesmal haben wir darauf vergessen, Fußball zu spielen wie in den ersten drei Spielen", meinte Boulahrouz. Der Verteidiger, dessen Club-Zukunft beim FC Sevilla ungewiss ist, weiß den Sport allerdings in Relation zu setzen. "Derzeit gibt es für mich Wichtigeres."
(apa/red)

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