Nach nur 'eineinhalb' Trainings in St. Moritz:
ÖSV-Damen wollen ersten Abfahrtstriumph

Götschl und Maria Holaus die größten Hoffnungen Favoriten auf Sieg aber Anja Pärson und Brydon

Nach nur 'eineinhalb' Trainings in St. Moritz:
ÖSV-Damen wollen ersten Abfahrtstriumph © Bild: APA/Risch

Nach nur "eineinhalb" statt drei Trainings soll heute in St. Moritz die Damen-Weltcupabfahrt stattfinden. Nachdem schon Mittwoch wegen Nebels nur auf verkürzter Strecke trainiert worden war, musste das Abschlusstraining am Freitag wegen schlechter Sicht und Windes abgesagt werden. Auch für heute sind die Prognosen (Schneefall) schlecht, dennoch wurde das Programm mit der heutigen Abfahrt (12.30) und Super-G am Sonntag (12.00) bestätigt.

Österreichs Ski-Damen sind in dieser Saison in der Abfahrt noch immer sieglos. In den fünf von insgesamt zehn Bewerben in der schnellsten Alpin-Disziplin waren bisher zwei zweite Plätze von Speed-Queen Renate Götschl in Lake Louise sowie Slalom-Spezialistin Marlies Schild in Aspen das Höchste. Die Trainings-Absage kratzte kaum jemanden, Nicole Hosp hätte sogar ohnehin darauf verzichtet.

Österreichs Hoffnungen
Neben Götschl nährt vor allem Maria Holaus die Hoffnung, dass es im schweizerischen Promi- und Millionärs-Ort, der sich wie Schladming um die WM 2013 bewirbt, endlich mit dem ersten Abfahrtssieg klappt. Die Tirolerin hat vor zwei Wochen in Cortina mit dem Super-G ihren ersten Weltcupsieg gefeiert. In den beiden Moritz-Trainings kam Holaus wie Götschl auf die Plätze drei und sieben und machte damit deutlich, dass sie auf der nicht allzu schweren WM-Piste Corviglia stark einzuschätzen ist.

Dennoch ist die routinierte Götschl trotz ihrer zwei Knie-Operationen im Sommer als erste potenzielle ÖSV-Siegfahrerin in der Abfahrt einzuschätzen. Die Steirerin hatte vergangenen März beim Finale in Lenzerheide für den bisher letzten ÖSV-Damen-Abfahrtssieg gesorgt und im Dezember, als St. Moritz für Val d'Isere eingesprungen war, als Dritte im Super-G eine Pleite der ÖSV-Damen verhindert.

Minus 15 Grad als Problem
Damals hatte man im ÖSV-Damenteam den extrem kalten und aggressiven Schnee in St. Moritz mitverantwortlich für das magere Abschneiden gemacht. Die Hoffnungen, dass es diesmal wärmer ist, dürften sich aber nun doch nicht erfüllen. Spätestens am Sonntag soll es in St. Moritz schon wieder minus 15 Grad haben.

"Es ist nur geringfügig wärmer, wir werden uns also auch diesmal nicht leichter tun", war sich ÖSV-Abfahrtscoach Jürgen Graller bewusst. Es ist keine Materialsache, vielmehr eine der Skitechnik. "Man muss mit wenig Kantwinkel fahren, auch etwas Gewicht schadet nicht", so Graller. Das erstgenannte Kriterium würden in seinem Team vor allem Götschl, Holaus und Hosp beherrschen.

Favoriten sind andere
Götschl peilt am Wochenende nicht nur ihren vierten Sieg in St. Moritz (damit wäre sie gleichauf mit Michaela Dorfmeister) sondern auch ihren 47. Weltcupsieg insgesamt an. Auf dem Papier sind aber andere die Favoritinnen. Neben der Schwedin Anja Pärson, die im Dezember Abfahrt und Super-G auf der WM-Piste Corviglia gewonnen hat, ist dies vor allem Emily Brydon.

Die 1,81 m große Kanadierin, die wie Pärson eher zu den Schwergewichten der Szene zählt, hatte in beiden Trainings Bestzeit erzielt. Zudem hat Brydon eine besondere Beziehung zu St. Moritz. Hier hat die 27-Jährige aus British Columbia im Dezember 2000 ihren ersten Podestplatz eingefahren und vergangenen Dezember als Zweite im Super-G ihre bisher beste Karriere-Platzierung erreicht. Sie ist also überfällig für den ersten Sieg. Neben Aspen-Siegerin Britt Janyk zählt Brydon zudem zu den großen Speed-Hoffnungen der Kanadier bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver/Whistler Mountain. (apa/red)