Nach Bombenanschlag in Ankara: Galt Selbstmordattentat türkischem Militärchef?

6 Tote: Führung spricht von PKK-Selbstmordattentat General Büyükanit gilt als Feindbild vieler Kurden

Nach Bombenanschlag in Ankara: Galt Selbstmordattentat türkischem Militärchef?

Der Bombenanschlag in Ankara mit sechs Toten ist nach Angaben der örtlichen Behörden von einem Selbstmordattentäter mit Verbindungen zur kurdischen Untergrundorganisation PKK verübt worden. Der Gouverneur von Ankara, Kemal Önal, sagte, der 1979 geborene Attentäter sei durch Fingerabdrücke und eine DNA-Analyse identifiziert worden. Es handle sich um einen Mann, der zwei Jahre inhaftiert worden war, weil er Plakate für die PKK angebracht hatte.

Bei dem Anschlag waren sechs Türken getötet und rund 100 weitere Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz detonierte im Feierabendverkehr in einer belebten Straße der türkischen Hauptstadt.

Die Europäische Union hat den Selbstmordanschlag in Ankara scharf verurteilt. In einer vom Auswärtigen Amt in Berlin veröffentlichten Erklärung sprach die amtierende Ratspräsidentschaft den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten baldige Genesung.

Dem türkischen Volk versicherte die EU-Präsidentschaft ihre Solidarität. "Die Hintermänner dieses feigen Anschlags müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Ihnen muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats entgegengetreten werden", hieß es weiter.

Der Bombenanschlag hat nach Presseberichten möglicherweise dem türkischen Generalstabschef Yasar Büyükanit gegolten. Dieser Verdacht ergebe sich aus dem Tatablauf und dem Terminplan des Generals vom Dienstag, meldeten mehrere türkische Zeitungen.

Büyükanit wollte den Zeitungsberichten zufolge an einem Empfang anlässlich einer Rüstungsmesse in Ankara teilnehmen, der ganz in der Nähe des Tatorts geplant war. Büyükanits Wagen habe weniger als eine Stunde nach der Explosion um 18.45 Uhr Ortszeit (17.45 Uhr MESZ) die Bushaltestelle im Ankaraner Stadtteil Ulus passieren sollen, an der die Bombe explodierte. Der Explosionsort sei so gewählt worden, weil vorbeifahrende Autos dort wegen einer Kurve besonders langsam seien, meldete die Zeitung "Radikal". Büyükanit hatte sich im April öffentlich für eine Militärintervention in Nordirak ausgesprochen, um dort gegen Stützpunkte der PKK vorzugehen.

(apa/red)