Nach Beckenbauer-Kritik: Trainer Lippi hofft auf WM-Trotzreaktion nach Skandalen

Für "Kaiser" ist Juve-Skandal "die schlimmste Sache" Wollen "1. Signal des Neuanfangs auf Rasen setzen"

Wie der Baron von Münchhausen soll sich die italienische Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland am eigenen Zopf aus dem Skandal-Sumpf ziehen. "Das erste Signal des Neuanfangs müsst ihr auf dem Rasen setzen", forderte der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Guido Rossi, im Trainingslager Coverciano. Gleichzeitig nahm er die Mannschaft vor Franz Beckenbauers Kritik in Schutz und warf dem OK-Chef vor, Kapital aus der Notlage zu schlagen.

Beckenbauer hatte Italien am Wochenende von seiner Favoritenliste für die WM gestrichen. "Das Chaos, das jetzt ausgebrochen ist, wird der Mannschaft schaden", sagte Beckenbauer, für den die Machenschaften der mutmaßlichen Fußball-Mafia um Juventus Turins Ex-Manager Luciano Moggi "die schlimmste Sache" ist, die er jemals in der Welt des Fußballs gesehen habe.

Lippi hofft auf Zusammenhalt
Wie der FIGC-Chef hofft auch Nationaltrainer Marcello Lippi auf eine Trotzreaktion: "Ich hoffe, dass wir diejenigen eines Besseren belehren, die unseren Zusammenbruch erwarten", sagte der 58-Jährige an Beckenbauers Adresse gerichtet. Rossi sprach Lippi sein "vollstes Vertrauen" aus, obwohl der ehemalige Juve-Trainer und sein Sohn David als Mitarbeiter der Spieleragentur GEA in den Skandal hineingezogen wurden. Was Marcello Lippi angeht, wahrscheinlich völlig zu Unrecht. Ein abgehörtes Telefongespräch mit Moggi reicht im immer hysterischer werdenden Italien jedoch schon aus, um in fetten Lettern auf den Titelseiten zu landen. "Wer glaubt mir eigentlich überhaupt noch? Das ist ein Massaker", klagte Lippi.

Angesichts des weiter wachsenden Drucks igeln sich die "Azzurri" immer stärker ein. Drinnen arbeitete Lippi mit seinem Team um den immer stärker werdenden Rückkehrer Francesco Totti an der Operation "Vierter Weltmeistertitel", draußen ging die Jagd auf die mutmaßlichen Fußball-Betrüger weiter: Neu im Visier der Staatsanwälte ist Juve-Spieler Manuele Blasi, dem eine Anklage wegen "Falschaussage" bei den Ermittlungen gegen die GEA drohen. Blasis Spieleragent ist Lippis Sohn Davide.

(APA/red)