Nach Absturz in den Quotenkeller: ORF-Chef
Wrabetz kündigt jetzt Reform der Reform an

TV-General hofft mit neuen Shows auf guten Herbst <b>IHRE MEINUNG:</b> Was sagen Sie zur ORF-Misere?

Nach Absturz in den Quotenkeller: ORF-Chef
Wrabetz kündigt jetzt Reform der Reform an

Mit eine Reihe von Nachjustierungen im Programmbereich will der ORF im Herbst sein Image- und Quotenproblem wieder in den Griff kriegen. Neben diversen Show-Events, einem großen Kinder-Schwerpunkt, dem "Bürgerforum", und diversen Relaunches bei den TV-Magazinen sind etwa ein neues Diskussionsformat nach dem Vorbild des "Club 2", ein Medienmagazin sowie eine neue Morgen-ZiB in Planung, wie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im APA-Interview ankündigte. Ob der neue "Club 2" das umstrittene "Extrazimmer" ablösen wird, lässt Wrabetz offen.

"Ob es à la longue zwei Formate geben wird, ist zu überlegen", sagte Wrabetz, der zunächst noch die laufenden Änderungen bei "Extrazimmer" evaluieren lassen möchte. Der neue "Club 2", der in der Informationsdirektion bei Elmar Oberhauser angesiedelt und voraussichtlich im dritten Hauptabend laufen wird, soll ein Diskussionsforum für wichtige Themen abseits der Politik im engeren Sinn liefern. Eine weitere Neuerung ist ein "Medienmagazin, das sich mit Medienfragen - von Fernsehen und Radio über Online bis Print - beschäftigen wird".

"Ziel sind 40 Prozent Marktanteil"
Die herbstlichen Adaptierungen in der Programmierung sollen den nach der Programmreform auf deutlich unter 40 Prozent gesunkenen Marktanteil im ORF-Fernsehen wieder auf gewohnte Höhen bringen. "Ziel ist nach wie vor, dass wir wieder auf 40 Prozent kommen. Es ist schon möglich, das mit einem guten Herbst zu erreichen. Im Vorabend liegen wir schon ganz gut und im Hauptabend an den meisten Tagen auch. Ich erwarte, dass diese Entwicklung weitergeht, weil das auch die Erwartung der Werbewirtschaft an uns ist ", gab sich der ORF-Chef zuversichtlich.

Digitalisierung kostet Seher
Starken Gegenwind bei den Seherzahlen verbuchte der ORF zuletzt wegen der fortschreitenden Digitalisierung. Dort, wo analoge ORF-Sender abgeschaltet worden waren, stiegen ORF-Kunden gleich scharenweise auf digitalen Satellitenempfang um. Nicht wenige kehrten dabei dem ORF-Angebot ob der neuen Programmvielfalt den Rücken. "Die Digitalisierung kostet uns im Vergleich zum Vorjahr mindestens zwei Prozentpunkte beim Marktanteil." Im Herbst wird es durch die Abschaltung der analogen Sender in Wien und Niederösterreich einen weiteren "Umstiegsschub" geben, "was den Gegenwind noch einmal verschärfen wird, aber damit müssen wir leben und das beste aus dieser Situation machen".

Wrabetz-Bilanz nach einem Jahr
Wrabetz wurde vor einem Jahr (17. August) mit Unterstützung von Stiftungsräten aus SPÖ, BZÖ, FPÖ, Grünen sowie der roten und schwarzen Betriebsräte zum neuen Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Senders gewählt und löste Monika Lindner mit Jahreswechsel ab. Was sich seit damals im ORF verändert hat? Wrabetz: "Es gibt heute keine Diskussionen mehr über unsere politische Unabhängigkeit und die Objektivität in der Berichterstattung. Es ist ein ganz wesentlicher Fortschritt, dass unsere Informationskompetenz wieder den Stellenwert hat, den sie haben soll."

Nur mit Fernsehinformation zufrieden
Mit der Erneuerung und dem Ausbau der Fernsehinformation - etwa einer eigenständigen Informationsleiste in ORF 1 - ist Wrabetz zufrieden. Ebenfalls gelungen sei die neue Philosophie der Schwerpunktsetzungen, die Rückkehr der Fußball-Bundesliga zum ORF und die "noch bessere Positionierung der ORF-Radios". Mit dem Handy-TV-Gesetz sei es dem ORF darüber hinaus möglich, auf dem "Feld der Zukunftstechnologien präsent sein zu können". Als "bedauerlich" bezeichnete Wrabetz indes den Umstand, dass es im Zuge der Programmreform mit "Mitten im Achten" nicht gelungen sei, eine tägliche österreichische Unterhaltungsserie zu etablieren.

Konsequenter Sparkurs angekündigt
Einen konsequenten Sparkurs kündigt Wrabetz für die nächsten Jahre an. Von einem Sparpaket will der ORF-Chef aber nicht reden. Zuletzt wurde allein für 2008 wegen der Mehrkosten für die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele ein notwendiges Sparvolumen von rund 40 Millionen Euro kolportiert. Wrabetz sprach hingegen im APA-Interview von einem "normalen Budgetprozess" und wollte solche Zahlen nicht kommentieren. (apa/red)