Nach 2 Jahren Pause droht wieder Streik:
Ärzte lassen ihre Ordinationen am 8. 11. zu

Am häufigsten streikten Arbeitnehmer 2003 Der längste Streik wurde 1962 durchgehalten

Ein drittes Jahr in Folge ohne einen einzigen Streik dürfte es 2007 doch nicht geben. Hatte es 2005 und 2006 laut Statistik des ÖGB keinen einzigen Streiktag, ja nicht einmal eine "Streiksekunde" gegeben, ist im laufenden Jahr wieder mit einem Ausstand zu rechnen. Die Ärzte haben für 8. November angekündigt, ihre Ordinationen zu schließen und wollen in den Spitälern Betriebsversammlungen abhalten.

Grund dafür ist ein Konflikt mit Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) in Sachen ambulante Versorgungszentren. Ihr wird vorgeworfen, dass der mit den Ländern im Zuge des Finanzausgleiches vereinbarte 15a-Vertrag "die notwendige Klarheit vermissen lässt". Mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe habe man die geplante Gründung der sogenannten ambulanten Versorgungszentren zwar entschärft, trotzdem seien aber nach wie vor "erhebliche Verstaatlichungstendenzen" enthalten.

2003 war Top-Streikjahr
Bisher war das Jahr 2003 in Österreich das Streikjahr schlechthin. Es wurden mehr als 10,4 Millionen Streikstunden gemessen, geht aus der Streikstatistik des ÖGB hervor. Das ist der höchste Wert seit Bestehen der entsprechenden Aufstellung (1950). Beteiligt waren knapp 780.000 Arbeitnehmer, auch das bedeutet Rekord. Für die wachsende Kampfeslust waren in erster Linie ÖBB- und Pensionsreform sowie der Gehaltskonflikt bei den Piloten verantwortlich.

1962 wurde am längsten gestreikt
Geht man von einem Acht-Stunden-Tag aus, kommt man 2003 auf exakt 1,305.466 Streiktage. Das bedeutet eine Streikdauer von fast 13,5 Stunden je Teilnehmer oder von drei Stunden, 16 Minuten und 48 Sekunden pro beschäftigtem Arbeitnehmer. Eine offizielle Streikstatistik des ÖGB gibt es erst seit 1950. Daher kann seriös nur seit damals Vergleich gezogen werden. Nummer eins in der Statistik war bisher das Jahr 1962, als durch Langzeitstreiks von Metallern und Exekutive 5,1 Millionen Streikstunden zusammenkamen. Ebenfalls einen hohen Wert (3,4 Millionen) gab es 1965, als sich vor allem Eisenbahner und Postler mit Protesten hervortaten.

Streiklust wird statistisch weniger
In den Nachkriegs-Jahren vor 1951 ist 1950 mit inoffiziell vier Millionen Streikstunden das kampfeslustigste Jahr. Gekämpft wurde vor allem gegen die Preis- und Lohnabkommen. Allerdings ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen, da damals die nicht vom ÖGB anerkannten Streiks nicht eingerechnet wurden und der tatsächliche Wert daher höher liegt. In letzter Zeit hatte die Streiklust deutlich abgenommen. Blickt man auf die vergangenen Jahre, wurde vom ÖGB gleich sieben Mal (1994, 1996, 1998, 1999, 2001, 2005 und 2006) ein Nullwert verzeichnet. Die Streikdauer pro Beschäftigtem überschritt in dieser Periode nie drei Minuten.

(APA/red)