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Außerirdisches Leben entdeckt?
Mysteriöser Stern gibt Rätsel auf

Wissenschaftler könnten einer außerirdischen Zivilisation auf der Spur sein

Sterne © Bild: istockphoto.com

Ein mysteriöser Stern beschäftigt derzeit US-Astronomen. Bei der Beobachtung des etwa 1.500 Lichtjahre entfernten Himmelskörpers mit dem klingenden Namen KIC 8462852 sind den Forschern Helligkeitsschwankungen aufgefallen, die sich bislang durch kein natürliches Phänomen hinreichend erklären lassen. Jetzt wollen sie gezielt nach Hinweisen auf eine außerirdische Zivilisation suchen.

Das Weltraumteleskop „Kepler“ wurde 2009 mit einem einzigen Zweck gestartet: Der Suche nach potentiell bewohnbaren, erdähnlichen Planeten in der Weite des Weltraums. Wegen der immensen Masse an Daten, die Kepler liefert, hat die Universität Yale das „Planet Hunters“ (Planetenjäger)-Programm ins Leben gerufen, bei dem jeder, der Interesse daran hat, bei der Suche mithelfen kann. Dabei wird das von den beobachteten Sternen ausgestrahlte Licht nach Schwankungen abgesucht, die auf einen den Stern umkreisenden Planeten hinweisen. Computer können das nicht, weil selbst der exakteste Algorithmus nicht an die Genauigkeit des menschlichen Auges heranreicht.

Die Suche funktioniert folgendermaßen: Jedes Mal, wenn sich ein Planet zwischen den Stern, den er umkreist, und das Teleskop schiebt, verursacht das einen Abfall des von Kepler wahrgenommenen Lichts – ähnlich einer Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond zwischen Sonne und Erde schiebt und das Licht unsere Zentralgestirns abblockt. Tritt ein solcher Helligkeits-Abfall zu regelmäßigen Zeiten, also periodisch, auf, ist das ein starker Hinweis darauf, dass der Stern von einem Planeten umkreist wird. Die Hilfs-Astronomen markieren solche Schwankungen in den übermittelten Daten, die professionellen Forscher sehen sich die solchermaßen markierten Daten dann genauer an.

Planet Hunters
© Screenshot News.at Die Oberfläche des "Planet Hunters"-Programms

Bizarre Muster

Das Besondere im Fall von KIC 8462852 ist nun, dass mehrere Hobby-Forscher solche Schwankungen markiert haben, diese jedoch in zwei Punkten von den üblichen Mustern abweisen, wie „The Atlantic“ berichtet. Zum einen sind die Schwankungen ungleich stärker. Ein Planet reduziert die gemessene Helligkeit um maximal ein Prozent, in diesem Fall betragen die Schwankungen aber bis zu 22 Prozent, also einem Fünftel der Masse des – im Vergleich zu unserer Sonne deutlich größeren und heißeren - Sterns. Und zum anderen treten die Schwankungen nicht periodisch auf. Beides schließt aus, dass es sich um einen Planeten handelt, der KIC 8462852 umkreist.

© Boyajian et.al. Die rätselhaften Schwankungen

Das Muster zeigt jedoch, dass eine große Menge an Material den Stern umkreisen muss. Das wäre bei einem jungen Stern typisch, der umherfliegenden Staub und Gestein erst mit der Zeit zu Planeten formt – oder aufsaugt. KIC 8462852 ist aber kein junger Stern mehr, auch das zeigen die Daten laut dem „Atlantic“.

Natürliche Erklärungen ausgeschlossen

Tabetha Boyajian, die für das „Planet Hunters“-Programm zuständige Forscherin, hat nun kürzlich einen Artikel veröffentlicht, in dem sie alle – bekannten - möglichen Erklärungen für das sonderbare Muster ausschließt. Das heißt: alle bis auf eine. Theoretisch hätte ein weiterer Stern, der KIC 8462852 zu nahe gekommen ist, das System aufwühlen können, was zur Aufwirbelung einer entsprechend großen Masse an Material geführt hätte. Und tatsächlich gibt es einen Zwergstern, der nahe genug ist, um eine solche Reaktion hervorzurufen. Zwar hätte in diesem Fall eigentlich zusätzliche Infrarotstrahlung wahrgenommen werden müssen, ausgeschlossen ist dieses Szenario aber trotzdem nicht zur Gänze. Nur nicht sehr wahrscheinlich.

© Boyajian et.al. Der mysteriöse Stern

Außerirdische Strukturen?

Freilich hat Boyajian in ihrem Artikel nur „natürliche“ Erklärungsversuche behandelt, wie sie dem „Atlantic“ sagte. Es gäbe jedoch auch „andere Szenarios“. Konkret: von einer außerirdischen Zivilisation geschaffene Strukturen. Forscher, die sich mit der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz (SETI) beschäftigen, verweisen schon lange darauf, dass außerirdische Zivilisationen durch von ihnen geschaffene, riesige Strukturen entdeckt werden könnten. Bereits 1960 sinnierte der Physiker Freeman Dyson, dass eine fortgeschrittene Zivilisation sich die Energie eines Sterns durch enorme Sonnenkollektoren zunutze machen könnte. Eine solches, nach seinem Vordenker „Dyson-Sphäre“ genanntes Konstrukt könnte die Schwankungen erklären.

Freilich ist auch das keine sonderlich wahrscheinliche Theorie. Doch sie ist plausibel genug, um sie zumindest weiter zu verfolgen. Und so hat sich Boyajian mit Jason Wright zusammengetan. Der auf Exoplaneten spezialisierte Astronom der Penn State University ist von den Daten fasziniert und vertritt die Meinung, das Muster passe zu einem „Schwarm von Megastrukturen“ wie gigantischen Sonnenkollektoren zur Energiegewinnung - sprich, einer Variante einer "Dyson-Sphäre". Darum wollen Boyajian, Wright und Andrew Siemion, der Direktor des SETI-Programms an der Universität Berkeley, KIC 8462852 nun näher unter die Lupe nehmen. Wobei die Lupe in diesem Fall ein riesiges Radioteleskop ist, das die Forscher auf den Stern ausrichten wollen.

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Die Annahme ist, dass eine Zivilisation, die es zustande bringt, so eine technische Leistung zu vollbringen, auch Radiowellen aussenden könnte. Ob gewollt oder ungewollt. Diese Wellen wollen die Astronomen im Jänner versuchen aufzufangen, sofern es sie gibt. Sollten sie tatsächlich etwas finden, wäre die nächste Stufe die Ausrichtung des „Very Large Array“ in New Mexico, einer der weltweit größten Radioteleskop-Anlagen, auf KIC 8462852.

Very Large Array in New Mexico
© ROBYN BECK/AFP/Getty Images Das "Very Large Array" besteht aus 27 Einzelteleskopen

Doch das ist Zukunftsmusik. Noch. Wie Jason Wright dem „Atlantic“ sagte: "Außerirdische sollten immer die letzte Hypothese sein, die man ausprobiert, aber das hier sieht aus wie etwas, das man von einer außerirdischen Zivilisation erwarten würde."

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