Mutterfreuden mit 60plus: Grazer Experte fordert Liberalisierung von Eizellenspenden

"Bis 51 vertretbar", in Einzelfällen auch später

Als "eher kleinen Eingriff" sieht der Grazer Experte für Reproduktionsmedizin, Univ.Prof. Wolfgang Urdl, die in Österreich nicht erlaubte Eizellenspende. Der Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin am LKH-Universitätsklinikum sieht diese Form der Empfängnis bis zur biologischen Grenze, die bei etwa 51 Jahren liegt, als "vertretbar" an. In Einzelfällen seien auch spätere Geburten nicht zu verurteilen. Den Grazer Fall - zwei Geburten im Alter von über 60 - bezeichnet Urdl als seines Wissens nach weltweit einzigartig.

Voraussetzung für eine Spätgeburt seien eine genaue interne und auch psychische Untersuchung. "Der Frau muss eine Geburt zumutbar sein, es müssen Risikofaktoren wie Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Zucker oder Fettstoffwechselstörungen ausgeschlossen werden", so Urdl im APA-Gespräch. Der Vorgang selbst sei unproblematisch: Zwei bis drei Wochen vor Einbringung der befruchteten Eizelle werden Hormone in Tablettenform zugeführt, um die Gebärmutterschleimhaut aufzubauen. Diese ist bis ins hohe Alter reaktionsfähig. Via Ultraschall ist der richtige Zeitpunkt für die Übertragung der befruchteten Eizelle zu bestimmen.

Der IVF-Spezialist plädiert für eine Aufhebung des Eizellenspenden-Verbots in Österreich. In der Regel sind ja jüngere Frauen betroffen, die sich - etwa nach einer Chemotherapie - auf konventionelle Art einen Kinderwunsch nicht erfüllten könnten. Bis zur Menopause, die im Schritt im Alter von 51 Jahren eintritt, sei diese Methode "grosso modo vertretbar", darüber hinaus gebe es "Gelbes Licht", d.h. es müsse die erforderliche körperliche und psychische Integrität im Sinne des Wohl des Kindes individuell geprüft werden.

Urdl sieht auch eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes, weil ja Samenspenden zulässig seien. Das Fortpflanzungsmedizingesetz aus 1991 müsse dahingehend novelliert werden. Die Österreichische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie habe Klage eingebracht, die gegenwärtig vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg behandelt werde. Eine baldige Entscheidung sei jedoch nicht zu erwarten, so der Grazer Reproduktionsmediziner. (APA/red)