Mutmaßlicher Saliera-Dieb Robert M. im Porträt: "Kein klassischer Einbrecher"

Sportlicher Ehrgeiz mehr als Geld Motiv für Kunstraub Hat Panzerknacker-Figur in seiner Geschäfts-Auslage

Mutmaßlicher Saliera-Dieb Robert M. im Porträt: "Kein klassischer Einbrecher"

Er ist "kein klassischer Einbrecher", wie Ernst Geiger, Leiter der Wiener kriminalpolizeilichen Abteilung, sagte. Dennoch soll der 50-jährige Robert M. aus Wien-Neubau im Mai 2003 den spektakulärsten Kunstdiebstahl Österreichs - den Raub der "Saliera" aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) - begangen haben, wie er bei seinen Einvernahmen gestand. Getrieben wurde er dabei weniger von seinem Kunstsinn - zunächst dürfte er nicht realisiert haben, welchen Wert seine Beute hatte - als von seinem sportlichen Ehrgeiz, den Sicherheitsverantwortlichen im KHM die Unzulänglichkeit ihrer Vorkehrungen vor Augen zu führen.

Dabei entstand ein Kriminalfall, der an Facettenreichtum kaum zu überbieten ist. Auch das begann beim Verdächtigen, für den die Unschuldsvermutung gilt: Der Vater einer 14-jährigen Tochter und eines neunjährigen Sohnes ist Alarmanlagen-Errichter mit eigenem Geschäft in der Kirchengasse. In der Auslage hat er - gleichsam symbolhaft - einen kleinen Panzerknacker aus Stoff postiert. So, als wollte der 50-Jährige demonstrieren, dass sein Geschäft zwei Seiten hat.

Die kriminelle Seite dürfte eine Woche vor dem 11. Mai 2003 bei ihm durchgeschlagen haben. Bei einer Führung einer italienischen Reisegruppe sah er erstmals Benvenuto Cellinis Salzfass im Kunsthistorischen Museum. Eine kurze Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen brachte das Ergebnis, dass ein Einbrecher, der durch die nicht gesicherten Fenster einstieg, keine großen Probleme haben sollte, etwas zu entwenden.

Eine Woche später - laut Geständnis nicht nüchtern - dürfte er den vagen Plan in die Tat umgesetzt haben, als er vor dem Museum das Baugerüst erblickte. Er beschloss: "Jetzt steige ich ein." (Ein Ermittler, Anm.) Der Alkohol dürfte ihm dabei die nötige Gelassenheit gebracht haben: So kehrte er seelenruhig zu seinem Auto zurück, um sein Stanleymesser zu holen, nachdem er das Fenster bereits aufgehebelt hatte.

Ein Kunstexperte ist er nicht: Vom Wert der Beute erfuhr Robert M. aus den Medien. Erst dann begann er zu überlegen, was mit der Skulptur im Koffer unter seinem Bett zu tun sei. In wochenlangen Katz- und Mausspielen hielt er daraufhin die Ermittler in Atem und lieferte ebenso zahlreiche filmreife Einlagen wie Dummheiten, die ihn letztendlich die Freiheit kosteten.

Der Gipfel war die "Schnitzeljagd" quer durch Wien im November 2005, an deren Ende er der Polizei beschied, sie solle ihn nicht für dumm verkaufen und den Kontakt abbrach. Was er vergessen hatte, waren die Aufzeichnungen, die er über seine Kontakte mit der Polizei gemacht und in seiner Wohnung versteckt hatte.

Am Tag seiner Verhaftung förderte eine Hausdurchsuchung besagte Aufzeichnungen schließlich zu Tage. Daraufhin blieb Robert M. nichts anderes übrig als zu gestehen und die Ermittler zur "Saliera" zu führen, die in der Nähe seines Zweitwohnsitzes in Brand bei Waldhausen im Bezirk Zwettl vergraben war. So erwies sich der 50-Jährige am Ende als nicht weniger unzulänglich, als er offenbar jene Sicherheitsexperten sah, deren Schwäche er nach eigener Aussage aufzeigen wollte. (apa/red)