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So klingt Ewigkeit

Muti zeigte mit den Wiener Philharmonikern, weshalb Beethoven Cherubini schätzte

Muti Salzburger Festspiele © Bild: Todd Rosenberg / by courtesy of www.riccardomuti.com

Franz Schuberts vierte Symphonie, auch "die Tragische" genannt, hat man von Riccardo Muti schon das eine oder andere Mal gehört. Beim zweiten Abonnement-Konzert der Wiener Philharmoniker aber kombinierte er das Werk mit dem selten aufgeführten Requiem Luigi Cherubinis. Dass beide Komponisten zum Kernrepertoire des Maestro aus Neapel zählen, ist bekannt. Dass zwei unterschiedliche Werke zu einer dramaturgischen Einheit verschmelzen können, hört man nicht alle Tage.

Der Schubertianer Muti nimmt den Beinamen, "die Tragische", wie der Komponist seine vierte Symphonie selbst genannt hat, ernst. Ohne auf den Vollklang der Wiener Philharmoniker zu verzichten, setzt Muti beim Werk des 19-jährigen Schubert auf Dramatik. Im Zentrum steht der zweite Satz, das Andante. Wenn die Streicher im zarten Pianissimo ertönen und die dunklen Holzbläser ergänzen, lässt sich erahnen, wie Ewigkeit klingt.

Und das konnte gleichsam als Vorspiel für Luigi Cherubinis Requiem gelten. Ebenso wie Schuberts vierte Symphonie ist das Werk für Chor und Orchester in der Tonart c-Moll geschrieben. Komponiert wurde es zum Gedenken an die Hinrichtung Ludwigs XVI. für gemischten Chor und Orchester. Ohne Solopartien und große Effekte mahnt Cherubini an die sprichwörtlich "letzten Dinge". Wie Chor und Streicher im Einklang und Widerstreit stehen, hat Muti mit dem Wiener Singverein und den Wiener Philharmonikern feinsinnig herausgearbeitet. Dabei wurde deutlich, weshalb das heute zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werk nicht nur Brahms und Schumann, sondern auch Beethoven fasziniert hat.

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