Musik-Flatrate soll Piraterie beseitigen:
Studie ortet weniger Filesharing-Aktivitäten

Wandel maßgeblich von Qualität der Dienste abhängig Regulärer CD-Handel auch von "Talfahrt" betroffen

Musik-Flatrate soll Piraterie beseitigen:
Studie ortet weniger Filesharing-Aktivitäten © Bild: APA

Die Markteinführung unlimitierter mobiler Musikdienste wie Nokias "Comes With Music" und Sony Ericssons "PlayNow" wird zu einem signifikanten Rückgang von Online-Piraterie und CD-Verkaufszahlen führen. In den kommenden Jahren werden Konsumenten in Großbritannien geschätzte 2,1 Mrd. Songs pro Jahr bei derartigen Musikabo-Angeboten herunterladen. Das prognostiziert das britische Marktforschungsinstitut TNS Technology in einem aktuell vorgelegten Bericht.

Demnach gab von 1.000 Nutzern im Alter zwischen 16 und 64 Jahren rund ein Viertel der Befragten an, dass sie sehr an unbegrenzten mobilen Musik-Downloadservices interessiert seien und diese auch abonnieren würden. Wie die Untersuchung ergab, würden 38 Prozent der befragten Briten im Falle eines solchen Abonnements auf die Nutzung illegaler Filesharing-Seiten verzichten.

Wandel von Industrie abhängig
"Wir müssen zunächst festhalten, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig sichergestellt ist, dass die angekündigten Musikdienste auch tatsächlich alles halten werden, was den Konsumenten versprochen wurde", räumt Stephen Yap, Research Director bei TNS Technology gegenüber dem Guardian ein. "Wenn die Industrie ihre Sache allerdings gut macht, könnten wir bald einen beträchtlichen Wandel in der Art und Weise erleben, wie Leute ihre Musik erwerben und konsumieren", erklärt Yap. Laut der aktuellen Untersuchung würden die befragten Nutzer eigenen Angaben zufolge im Durchschnitt rund 64 Songs pro Monat über unlimitierte mobile Musikabo-Dienste herunterladen. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen wäre der entsprechende Wert fast doppelt so hoch, so der Bericht.

MP3-Feature am meisten genutzt
"Die Trends am digitalen Musikmarkt lauten ganz klar: mobiler, flexibler, individueller, vielfältiger", stellt IFPI-Austria-Sprecher Thomas Böhm fest. Die Musikwirtschaft arbeite zur Zeit an einer Fülle neuer Angebote und innovativer Zugangsmöglichkeiten. Dazu würden auch die Abo- und sogenannten Flatfee-Modelle für die mobile Musiknutzung zählen. "Diese Angebote befinden sich zwar derzeit noch im Anfangsstadium, doch das Wachstumspotenzial in diesem Bereich ist enorm", meint Böhm. Musikangebote seien ein "wesentlicher Wettbewerbsfaktor" im Bereich der mobilen Kommunikation. "Alle führenden Handy-Hersteller setzen auf Endgeräte, die auch als digitaler Musikplayer genutzt werden können. Die MP3-Funktion ist das am meisten genutzte Zusatzfeature bei Handys", betont Böhm.

Talfahrt auch für regulären CD-Handel
Gleichzeitig zu dem prognostizierten Rückgang der Online-Piraterie wären aber laut dem TNS-Technology-Bericht auch die regulären Musikverkäufe betroffen. So gaben 45 Prozent der Befragten an, dass sie parallel zu einem unbeschränkten Musikabo wesentlich weniger CDs kaufen würden. Rund 47 Prozent sind zudem davon überzeugt, dass sie dann auch weniger Musik in legalen digitalen Downloadstores erwerben würden. "Man muss das Ganze positiv sehen. Solche neuen Dienste erweitern die Angebotspalette für die Konsumenten", entgegnet Böhm. Aus der Veröffentlichung einer CD werde so ein umfassendes Angebotspaket aus á la carte Downloads von Einzeltracks und Alben, Streaming Services, Klingeltönen, Videos bis hin zu Abo- und Flatfee-Modellen. "Es ist also für jeden - seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend - etwas dabei", so Böhm abschließend. (pte/red)