Musik von

(K)ein romantischer
Abend mit James Blunt

Er schreibt Lieder, bei denen das Herz aufgeht. Darüber spricht er aber nicht so gern

Musik - (K)ein romantischer
Abend mit James Blunt © Bild: Getty Images/Chris Jackson

Sie kennen diesen Typ Mensch. Diese scheinbar Stillen mit dem hintergründigen Lächeln. Die beiläufig etwas sagen, und plötzlich hat man das Gefühl, am Prüfstand zu stehen. „Hat er das jetzt echt gesagt?“, fragt man sich dann.

James Blunt ist so einer. Er spricht gern und viel in Interviews und verwöhnt Journalisten mit britischer Höflichkeit aus betuchtem Haus. Aber dann kommt dieser Satz. „Statt ,You touched my heart, you touched my soul, wollte ich eigentlich singen: ,You touched my heart, you touched my hole‘“, sagt er so nebenbei. („Statt: ,Du berührst mein Herz und meine Seele‘, wollte ich singen: ,Du berührst mein Herz und meinen Anus‘.“)

Das war also entweder a) ein Test der Englischkenntnisse des Gegenübers oder b) ein Test dessen Humorbegabung oder c) eine Auskunft darüber, dass die Plattenfirma zu prüde war, Herrn Blunt über seine sexuellen Vorlieben singen zu lassen. Man reagiert im Interview – zu dem man ausgerückt ist, um Staatstragendes für den Leser zu erfragen – wie im echten Leben. Sagt gänzlich Unstaatstragendes wie: „Schade um diese Zeile!“ Lacht. Bleibt ratlos.

Und denkt an Bryan Adams, der das gleichermaßen gut drauf hat. Der – wie Blunt – von der Allgemeinheit als Schnulzensänger Missverstandene sagte einst über seinen Tagesablauf: „I get up in the morning, get some coffee, wank, then get more coffee …“ („Ich stehe auf, trinke Kaffee, hol mir einen runter, trinke mehr Kaffee“). Anzügliche Witze liegen ihnen offenbar, den Missverstandenen. Oder ihnen ist einfach fad bei Interviews. Und das ist dann ganz allein die Schuld von uns bierernsten Journalisten.

James Blunt ist heute, am 31. 10., in der Wiener Stadthalle zu sehen.