"Müssen kleinere Brötchen backen": ÖSV-Auftakt in Sölden verlief "erwartungsgemäß"

Benni Raich wie erwartet einziger Stockerlkandidat Lanzinger und Scheiber als große Lichtblicke

"Müssen kleinere Brötchen backen": ÖSV-Auftakt in Sölden verlief "erwartungsgemäß"

Für Österreichs Ski-Herren ist der Weltcup-Auftakt in Sölden völlig erwartungsgemäß verlaufen. Der Riesentorlauf ist und bleibt die Achillesferse der rot-weiß-roten Startruppe, "kleinere Brötchen backen" lautet die Devise von Herrenchef Toni Giger in dieser Disziplin. Wie von Giger angekündigt, war in Sölden Benjamin Raich der einzige ÖSV-Podiumskandidat. Für den Rest der Truppe ging und geht es darum, Boden in der WCSL (Weltrangliste) gut zu machen und wieder Richtung erste Startgruppe (Top-15) zu gelangen.

"Die Richtung passt. Nur schade, dass Raich das Stockerl verpasst hat", meinte deshalb Alpinchef Hans Pum beim Studium der Ergebnisliste. Raich wurde Vierter, für echte Lichtblicke sorgten Matthias Lanzinger und Mario Scheiber mit den Plätzen zehn und elf. Für dieses Trio gab's auch Extralob von Coach Giger: "Raich hat seine Klasse einmal mehr gezeigt, verfügt jedoch über noch mehr Potenzial. Lanzinger war sensationell und auch Scheiber hat die Erwartungen voll erfüllt."

Der Rest der ÖSV-Elite - Rainer Schönfelder, Mario Matt, Christoph Gruber und Hermann Maier - nistete sich zwischen den Plätzen 16 und 25 ein. "Mannschaftlich dürfen wir absolut zufrieden sein. Es geht eben nicht von heute auf morgen, dass wir wieder mehr Gruppe-eins-Fahrer im Riesentorlauf haben", weiß Giger, dass das Etablieren einer starken Mannschaft harte Arbeit ist. Auch in Sölden hat sich gezeigt: die Top-Platzierungen gehen an die Leute mit den niedrigen Startnummern.

Aksel Lund Svindal (Startnummer 4) siegte vor Ted Ligety (2), Kalle Palander (1) und Raich (4). Umso beachtlicher waren die Leistungen von Lanzinger (37) und Scheiber (20). "Wenn sie so weitermachen, sind die am besten Weg in die erste Gruppe", freute sich Giger.

"Raich derzeit der einzige Stockerlkandidat"
Für den Salzburger Lanzinger war das beste Riesentorlauf-Ergebnis seiner Karriere keine Überraschung: "Ich war im Training immer bei den absolut Schnellsten dabei. Für die WCSL war das hier in Sölden brutal wichtig." Und auch der Tiroler Scheiber zeigte sich zuversichtlich. "Derzeit ist Raich der einzige Stockerlkandidat. Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert. Denn ich will ihm folgen."

Sölden-Rekordsieger Maier war diesmal als 20. von seinem vierten Triumph im Ötztal wie erwartet weit entfernt. "Es war nicht super und auch nicht schlecht. Für den ersten Riesentorlauf war das in Ordnung. Das war zirka das, was ich mir zugetraut habe", analysierte der Salzburger, der auch den zweiten Saison-Riesentorlauf in Beaver Creek bestreiten wird, aber klar betonte: "Meine volle Konzentration gilt den Speedrennen."

Absolut zufrieden mit seinem Comeback war Görgl (25.), der sich im Dezember 2006 das linke Knie komplett zerstört hatte. "Der erste Schritt ist gemacht. In Übersee werde ich schon ganz anders ins Rennen gehen", so der Steirer. Ob Görgl jedoch bereits wieder Speedrennen bestreiten wird, ist noch offen. Zur aktuellen Lage im ÖSV-Riesentorlauf-Team meinte Görgl: "Die Situation schaut schlimmer aus als sie ist. Wir müssen uns einfach wieder in die erste Gruppe zurückkämpfen."

Glücklich zeigte sich auch Schönfelder (16.), für den ohne schweren Fehler noch weitaus mehr möglich gewesen wäre. "Der Grundspeed stimmt. Und das macht mich glücklich, denn das konnte ich vergangene Saison nie behaupten", freute sich der Kärntner.

Wie sehr das ÖSV-Team im Riesentorlauf von Raich abhängig ist, zeigt allein die Tatsache, dass der Pitztaler in der vergangenen Saison mit seinen Siegen in Kranjska Gora und Adelboden für die einzigen beiden Stockerlplätze gesorgt hatte. Sucht man nach dem letzten österreichischen Riesentorlauf-Podestplatz, den nicht Raich eingefahren hat, muss man für ÖSV-Verhältnisse relativ weit zurückblättern: am 7. Jänner 2006 wurde Görgl in Adelboden Dritter.

(apa/red)