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Lucas Auer vor dem DTM-Debüt:
Das Fernziel bleibt die Formel 1

Auf den 20-jährigen Tiroler wartet eine erstklassige Rennserie mit starken Gegnern

Lucas Auer im Portrait © Bild: GEPA pictures/ XPB Images/ Trienitz

Am Wochenende startet das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) mit den ersten beiden Rennen auf dem Hockenheimring. Mit "Rookie" Lucas Auer ist erstmals seit Mathias Lauda (2006 bis 2009) wieder ein Österreicher dabei. "Ich möchte diese Chance, die mir Mercedes-Benz ermöglicht, beim Schopf packen", betonte der 20-Jährige vor dem Beginn der Saison, die neun Stationen umfasst.

Lucas Auer, Neffe von Österreichs Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger, wird heuer nicht zu übersehen sein, fährt er doch einen rosafarbenen Mercedes-AMG C63 mit der Nummer 22. Doch der erste Tiroler in der DTM seit Karl Wendlinger (2002 bis 2003) will wie schon zuletzt in der Formel 3 vor allem wegen seiner Leistungen mit dem französischen ART-Team im Blickpunkt stehen.

Bei den Testfahrten in Estoril ließ Auer bereits mit einer Bestzeit aufhorchen, bei den abschließenden Proberunden vor zwei Wochen in Oschersleben war er dann jedoch nur Vorletzter. Mit 1.046 Testkilometern sammelte der Mercedes-Werkspilot auch die wenigsten im 24 Fahrer umfassenden DTM-Feld. Doch erst nach dem Auftakt in Hockenheim wird Auer wirklich wissen, wo er leistungsmäßig steht.

Lucas Auers DTM-Wagen
© imago/Zink Lucas Auers neuer Dienstwagen

Lernen von einem der Größten

"Da die Wintertests limitiert sind, hatte ich nur vier Tage im Auto, einen davon habe ich leider weggeschmissen, weil ich ausgerutscht bin und dabei das Auto beschädigt habe", erklärte der Neuling zum Verlauf der Vorbereitung auf die Saison, die ihn von 31. Juli bis 2. August auch auf den Red Bull Ring in Spielberg führen wird. "Mir ist klar, dass es keine einfache Aufgabe wird. Die DTM ist eine erstklassige Rennserie mit starken Gegnern und einem sehr hohen Niveau. Aber ich bin lernwillig und gespannt, was ich erreichen kann."

Vor allem von seinem dreizehneinhalb Jahren älteren Teamkollegen Gary Paffett, 2005 Champion und auch noch vierfacher Vizemeister (zuletzt 2012) in der DTM, erwartet sich Auer wertvolle Tipps. Der 34-jährige Engländer startet in Hockenheim bereits in seine zwölfte Saison in der populärsten Tourenwagen-Serie Europas. "Auf der Strecke sind wir natürlich Konkurrenten, aber sonst arbeiten wir zusammen, denn wir wollen ja das beste Setup haben", erläuterte Auer, dass er vom "sehr erfahrenen" Briten "nur profitieren und sehr viel lernen kann".

Das Fernziel bleibt die Formel 1

Auch wenn Auers "volle Konzentration" nun der DTM gilt, bleibt sein Fernziel, der nächste Österreicher in der Formel 1 zu werden. "Leider haben wir derzeit niemand dabei. Lucas ist in die DTM gewechselt, das ist schon ein bisschen eine Richtungsänderung. Die Möglichkeiten, den Fuß in die Formel 1 zu bekommen, sind heute sehr schwer, und eine ganze Reihe von Fahrern steht in der Warteschlange", erklärte sein Onkel Gerhard Berger zur aktuellen Situation, in der finanzkräftige Sponsoren für Formel-1-Neueinsteiger oft wichtiger als Talent sind.

Aus diesem Grund habe sich Auer für den "Seitensprung in die DTM" entschieden. "Er hat die Hoffnung aber nicht ganz aufgegeben und wird weiterhin versuchen, einen Fuß im Formelsport zu behalten", betonte Berger.

Unter Beobachtung von Toto Wolff

In der DTM wird Auer natürlich auch von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff genau beobachtet. "Lucas geht professionell an die Sache heran, ich habe ein gutes Gefühl. Er hat das Herz und den Kopf an der richtigen Stelle und einen guten Familienhintergrund", meinte der 43-jährige Wiener, der sich natürlich auch wieder einen Österreicher in der Formel 1 wünscht, aber im Moment keinen auf dem notwendigen Niveau dafür sieht.

Mercedes hofft nach einer katastrophalen DTM-Saison 2014 heuer wieder um den Titel mitfahren zu können. Größter Hoffnungsträger der "Sternenflotte" ist erneut der Deutsche Christian Vietoris, der im Vorjahr Vierter wurde. Titelverteidiger ist sein Landsmann Marco Wittmann, der mit seinem BMW-Rennstall RMG auch die Teamwertung gewann. Audi, zuletzt Sieger der Herstellerwertung, setzt dagegen einmal mehr auf Vizemeister Mattias Ekström aus Schweden und den Deutschen Mike Rockenfeller.

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