Morgenstern holt die Vierschanzentournee:
Kärntner triumphiert beim Winter-Klassiker

Bischofshofen: Zweiter Platz hinter Sieger Tom Hilde Zwölfter Tourneesieg für den ÖSV. Dritter in Folge

Morgenstern holt die Vierschanzentournee:
Kärntner triumphiert beim Winter-Klassiker

Ruhig und gelassen stand er da, der neue Überflieger im Skisprung-Weltcup, und badete im Jubel von 30.000 Zuschauern. Thomas Morgenstern hat sich am Dreikönigs-Tag in Bischofshofen selbst die Krone aufgesetzt: Nach dem Olympia-Einzel-Gold 2006, dem Gesamt-Weltcupsieg und sechs Goldmedaillen mit der Mannschaft bei Olympia und Weltmeisterschaften hat er nun auch die Vierschanzen-Tournee gewonnen. Mit dem zweiten Tagesrang hinter dem Norweger Tom Hilde hatte er letztlich 30,4 Zähler Vorsprung auf seine schärfsten Herausforderer Simon Ammann aus der Schweiz.

Es war ein Start-Ziel-Sieg für Morgenstern, der schon beim Auftakt in Oberstdorf der Tournee seinen Stempel aufgedrückt hatte und sich auch von einem vom Wind stark beeinträchtigten Neujahrsspringen (14.) nicht aus der Bahn werfen ließ. Der 24-jährige Kärntner hat damit schon jetzt fast alles erreicht, was es zu erreichen gibt, lediglich WM-Einzel-Gold fehlt noch - und dazu hat er Ende Februar in Oslo noch heuer Gelegenheit.

Morgenstern bedankt sich
"Für mich ist das Ganze noch nicht real. Es war nicht einfach, da heute zu springen. Ich habe versucht, loszulassen und das Ganze zu genießen. Beim zweiten Sprung war ich etwas zu früh", fand Morgenstern selbst im Triumph Worte der Selbstkritik. "Unglaubliche Fans, unglaubliches Feeling - ein Wahnsinn, danke an alle, die das ermöglicht haben, vor allem meiner Mama und meinem Papa", sagte der 20-fache Weltcupsieger auch Richtung von Franz und Gudrun Morgenstern, die ebenso wie seine Freundin Kristina im Schanzenauslauf die Daumen gedrückt hatten.

Nach einem 136-m-Satz im ersten Durchgang reichte Morgenstern ein Sprung auf 135 m. Noch ehe Halbzeitleader Hilde in die Spur ging, stand der Gesamtsieg Morgensterns fest. Er hat damit einen in der Tournee einzigartigen Hattrick einer Nation gesichert, denn nach Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler sorgte er für den dritten Gesamtsieg en suite. Das hatte zuvor nur der Norweger Björn Wirkola in den Jahren 1966/67, 67/68 und 68/69 geschafft. Österreichs Weltcup-Leader hat damit das Dutzend an Tourneesiegen für Österreich voll gemacht und kassierte für den Gesamt-Triumph einen Geländewagen im Wert von 28.000 Euro plus 8.000 Schweizer Franken für Platz zwei am Donnerstag.

Österreicher stark
Mit Aufsteiger Manuel Fettner, der sich mit Rang sechs auf der Paul-Außerleitner-Schanze insgesamt noch überraschend den vierten Gesamtrang sicherte, und Martin Koch als Fünften in der Endwertung landeten drei ÖSV-Adler in den Top 5. "Das war die bisher beste Tournee in meinem Leben. Ich bin sehr zufrieden, jetzt bin ich sogar Vierter in der Gesamtwertung - unglaublich. Oberstdorf, der Start in die Tournee, hat mir den weiteren Verlauf ziemlich erleichtert", freute sich Fettner und auch der engere Landsmann Morgensterns, Koch, war glücklich. "Das war der Sprung, auf den ich gewartet habe. Die Bedingungen waren gut, aber das muss man erst einmal ausnutzen - und das habe ich im zweiten Durchgang gemacht."

Für Andreas Kofler endete die Tournee mit Rang drei am Donnerstag und noch Gesamtrang acht auch positiv. "Jetzt bin ich glücklich nach diesem lässigen Abschluss. Es wundert mich, dass ich nach dem 50. Platz, dem Fast-Sturz in Garmisch, noch Gesamtachter in der Tourneewertung geworden bin, das passt."

Ammann als sportlicher Verlierer
Respektvoll verneigte sich auch der große Geschlagene, Simon Ammann, verbal vor Morgenstern. "Thomas Morgenstern springt sensationell. Er hat es uns so schwer gemacht, so ist es vielleicht letztes Jahr all meinen Konkurrenten gegangen", meinte der vierfache Olympiasieger, der zu Tourneebeginn gemeint hatte, er "werde die Tournee gewinnen". "Ich habe am Anfang eine große Ansage gemacht, das habe ich auch gebraucht, aber es hat eben nicht alles zusammengepasst."

Ob er seinen Traum vom Tourneesieg in der kommenden bzw. den kommenden Saison(en) noch verwirklichen wird können, hängt von seiner Entscheidung im Frühjahr ab. Da will Ammann bekanntgeben, ob er noch drei Jahre anhängt oder es bleiben lässt.

(apa/red)