Wien von

Mordfall Stefanie P.: Neue Beweise

Familie des Täters beauftragte Privatdetektiv - Anwalt sieht "neue Beweise"

Der Angeklagte Philipp K. (M.) am Verhandlungstag um den Mordfall Stefanie P. © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Der Mord an der in Wien-Hietzing erstochenen und zerstückelten Stefanie P. (21) hat vor fast vier Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Als Täter wurde ihr Ex-Freund Philipp K. ein Jahr später zu lebenslanger Haft verurteilt. Der beteuerte vor Gericht seine Unschuld. Nun soll ein Privatdetektiv, der von der Familie K.s beauftragt wurde, "neue Beweise" gefunden haben, sagte Anwalt Nikolaus Rast.

Der Rechtsbeistand will ein Wiederaufnahmeverfahren erreichen, wie er im APA-Gespräch berichtete. Er bestätigte damit Berichte in "Kurier" und "News". Wenn die Ermittlungen des Privatdetektivs abgeschlossen sind, sollen die neuen Erkenntnisse dem Gericht vorgebracht werden - "jedoch nicht vor April", so Rast zur APA. Der Strafverteidiger teilt sich das Mandat mit Ernst Schillhammer, der 2010 die Verteidigung des Studenten übernommen hatte.

Konkret geht es um weitere Zeugenaussagen, die bei der Hauptverhandlung 2011 nicht Gehör gefunden hätten, sowie Beweise, die laut Rast nicht untersucht worden sind. Denn K. behauptete stets, nicht für den Tod von "Steffi" verantwortlich gewesen zu sein, er sei in der Früh neben seiner erstochenen Ex-Freundin aufgewacht. In Panik habe er die Leiche im Mistkübel seines Wohnhauses "entsorgt". Die wahren Täter seien seiner Aussage zufolge nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

Zwei Zeugen ausfindig gemacht

Der beauftragte Privatdetektiv hätte nun zwei Zeugen ausfindig gemacht, die die Unschuld K.s beweisen könnten, sagte Rast. Der neue Freund von Stefanie P. habe damals kurz bevor die Polizei zum Tatort kam vor dem Haus des Studenten beobachtet, dass jemand einen Rucksack aus einem Fenster des Wohnhauses warf. Eine junge Frau und ein junger Mann hätten diesen an sich genommen und wären daraufhin geflüchtet. Damals waren im Müllcontainer zwei Gummihandschuhe gefunden worden, auf der sich Mischprofile einer unbekannten Frau und eines unbekannten Mannes befanden.

Ein weiterer Zeuge, der aus dem Umfeld Stefanies stammt und damals vor Gericht nicht ausgesagt hat, behauptet nun, dass die junge Frau ein Sexvideo habe drehen wollen. "Es deutet darauf hin, dass das Ganze aus dem Ruder gelaufen ist, oder man habe ein Snuff-Video (eine filmische Aufzeichnung von Morden, Anm.) geplant, ohne es Steffi zu sagen", sagte Rast. Der Anwalt versteht zudem nicht, warum eine Kontaktlinse, die bei der Obduktion in Stefanies Haaren gefunden wurde - die Leichenteile waren aus einem Müllcontainer geborgen worden -, nie untersucht worden sei. "Weder Philipp K. noch Stefanie P. trugen damals Kontaktlinsen", sagte Rast.

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