Mord an Wiener Anwalt von

Die Angst des Erich Rebasso

Der Wirtschaftsanwalt lebte äußerst zurückgezogen. Als wäre er auf der Flucht

Mord an Wiener Anwalt - Die Angst des Erich Rebasso

Ein kleines, verschlafenes Dorf im niederösterreichischen Bezirk Lilienfeld. Hier kennt jeder jeden. Eigentlich. Denn wer da hinter dem stets verschlossenen Holzgatter auf dem abgeschiedenen Grundstück inmitten eines uneinsichtigen Waldes wohnte – das wussten nur die wenigsten. Bis zum Montag, dem 30. Juli. Da nämlich wurde bekannt, dass der Wirtschaftsanwalt Erich Rebasso in Wien entführt worden war. Sein Bild ging quer durch die Medien – und den Menschen in dem kleinen Ort wurde bewusst: Diesen Mann haben wir doch schon einmal gesehen.

Was war passiert? Am 27. Juli verließ Rebasso gegen 14.30 Uhr seine Kanzlei in der Wiener Innenstadt. Ging zur nahe gelegenen Tiefgarage am Georg-Coch-Platz, in der sein Mercedes parkte. Was der 48-Jährige nicht wusste: Pavel V. und Alexander M., zwei russische Ex-Polizisten, warteten bereits auf ihn. Die beiden überraschten den Anwalt, schlugen ihn zusammen. Wenig später verließen die beiden 31- und 35-jährigen Männer die Garage in Rebassos Geländewagen und einem gemieteten Opel Zafira. Im Kofferraum eines der Fahrzeuge: Erich Rebasso.

Drei Wochen später, am 14. August, gingen Pavel V. und Alexander M. russischen Polizisten in Moskau ins Netz. Das Auto, in dem Blutspuren des Opfers gefunden worden waren, hatte die Ermittler auf ihre Spur gebracht: Die beiden Russen hatten den Wagen gegen Vorlage ihrer echten Reisepässe gemietet. Nur zwei Tage nach der Festnahme kam die traurige Gewissheit. Von einem Jäger wurde die Leiche des Anwalts in einem Waldstück bei Königstetten entdeckt. Todesursache laut Obduktionsbericht: „stumpfe Gewalteinwirkung auf den Hals“. In der Pathologensprache bedeutet das: Der Jurist wurde erwürgt oder erdrosselt.

Ein Leben in Furcht
Besucht man die verschiedenen Wohnorte Rebassos, so wird deutlich: Er liebte die Zurückgezogenheit. Sein Anwesen im Bezirk Lilienfeld etwa verließ er, nach Aussage der wenigen Nachbarn, die ihn persönlich kannten, nur selten. Und wenn, dann nur, um im Supermarkt des Dorfes Lebensmittel einzukaufen. „Oft war er lange Zeit nicht hier, dann nur für ein, zwei Tage. Manchmal nur für ein paar Stunden“, so ein Nachbar, der lieber anonym bleiben möchte. Fast wie auf der Flucht. Erich Rebasso war niemand, der den Kontakt mit anderen suchte. „Er war eher introvertiert und sowieso auch ein vielbeschäftigter Mann“, so der Nachbar weiter. Trotz seines stressigen Jobs sei der Anwalt aber immer überaus freundlich gewesen.

Wie ein Phantom
Das bestätigt auch ein Kellner im Restaurant des nahe gelegenen Golfklubs. „Herr Rebasso verhielt sich bewusst unauffällig. Nur wegen seiner vier Kinder blieb er mir in Erinnerung. Denn mit ihnen kam er ab und zu zum Essen.“ Ortswechsel: In einem kleinen Dorf nördlich von Wien lebt Rebassos Ex-Lebensgefährtin mit den gemeinsamen Kindern. Auch hier dasselbe Szenario: Die Familie des 48-Jährigen – so gut wie unbekannt. Im Supermarkt, beim Italiener, sogar fast in der gesamten Nachbarschaft. Nur eine Dame sah die Familie hin und wieder. „Der Vater war nie lange da“, sagt die ältere Frau. Erich Rebasso und seine Ex-Lebensgefährtin waren vorsichtig. Sehr vorsichtig. Die Nachbarin: „Die Kinder durften nicht mit mir oder anderen Nachbarn sprechen, das wurde ihnen untersagt.“ Warum? Das konnte sich die Frau nie erklären. Bis jetzt. Seit dem tragischen Verbrechen an dem 48-Jährigen scheint für die Nachbarin die Sache klar: „Er hatte Angst – um sich und seine Familie.“

Auch an Rebassos weiteren Wohnsitzen in Klosterneuburg und Wien will niemand den Anwalt gekannt haben. Selbst in seinem Büro in der Wiener Innenstadt weist nur ein unscheinbares Schild an der Gegensprechanlage mit der Aufschrift „Advokaturbüro“ auf seine Kanzlei hin. Erich Rebasso schien nirgendwo wirklich zuhause zu sein. War es für ihn ein Wettlauf mit der Angst? Schottete er sich deshalb ab?

Die Täter: zwei Ex-Polizisten
Die Ermittlungen der Exekutive im Mordfall Rebasso, sie laufen derweil langsam, denn die mutmaßlichen Mörder, Pavel V. und Alexander M., zeigen sich in den Vernehmungen wortkarg. Bislang einzig bekannt: Vor einigen Jahren auf die schiefe Bahn geraten, lernten sich die Männer angeblich bei einem Gefängnisaufenthalt kennen. Waren sie Trittbrettfahrer – oder wurden sie von jemandem beauftragt? Etwa von der Russen-Mafia? Beweise für diese Gerüchte liegen den Behörden bislang nicht vor. „Wir haben nur die Information, dass Pavel V. zum Kreis der Anleger-Geschädigten gehört haben soll und vor der Tat schon Kontakt zu Rebasso aufgenommen hat“, so Polizei-Sprecher Hahslinger. Auch sieht es für die Ermittler nicht nach einer Auftragstat aus, „da es derzeit keine Hinweise auf Hintermänner gibt“. Die Täter sitzen im „Butyrka“-Gefängnis in Moskau. Sie zeigen keine Reue.

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Kommentare

Schlimm, wie hier der Rechtsstaat mit so einem Fall umgeht! Eine bewährte, erfolgreiche Person wird ermordet und niemand fragt nach den Hintergründen, Motiven und Mitwirkenden. Nur, weil diese Person einen unkonventionellen und zurückgezogenen Lebensstil führte, werden Mutmaßungen als Tatsachen hingenommen, damit der Rechtsstaat ruhen kann.

es muss doch hier mitwirkende Personen geben, die Hinweise gegeben haben, denn wäre einer der Mörder ein sog. 'Geschädigter' gewesen und einer vorgeschobenen Person aufgesessen, hätte er über die tatsächliche Identität des Anwaltes keine Ahnung gehabt. Wird da etwas verdeckt? Keine Nachrichten mehr, Hintermänner, keine außer die Russen Mafia? - zu simpel um glaubhaft zu sein.

Berichterstattung zu Mag. Rebasso Schlimm, wie Menschen mit so einem Fall umgehen! Denkt irgend jemand daran, dass die Kinder diese Artikel und Reaktionen auch lesen könnten??? Sie erfahren aus der Zeitung, dass ihre Mutter angeblich die EX Lebensgefährtin sein soll. Alle verantwortungsbewussten Eltern untersagen ihren Kindern mit Fremden zu sprechen - leben sie deswegen alle in Angst? Wenn Rebasse ein Haus am Land hatte, wird er es genutzt haben, um sich in seiner Freizeit zu erholen und Ruhe zu haben, wie viele Andere es auch tun. Leben alle deswegen in Angst?? Wer erzählt seine Lebensgeschichte der Kassiererin im Supermarkt? Man möge auch einmal daran denken, dass es hier eine trauernde Familie gibt, die diesen Schock zu verarbeiten hat. Mitleid mit diesen wäre schon angebracht!

Ignaz-Kutschnberger

Mitleid hab ich schon ein wenig mit dem Mann... weil... zumindest ein Leben in FURCHT kennen viele von uns seit dem EU-Beitritt und spätestens nach der Pleite Griechenlands... Möge Gott seiner Seele gnädig sein und die Verbreche hoffentlich eine angebrachte Rechtsstrafe erhalten...

Rebasso wer sich in Gefahr begibt, muss damit rechnen......

mitleser melden

man muss seine geschäfte abwägen in seinem fall habe ich kein mitleid, wer sich mit russen einlässt, holt sich die gefahr ins leben.

freud0815 melden

Re: man muss seine geschäfte abwägen sind russen etwa keine menschen? wie blöd kann sein und immer noch die fähigkeit des atmens besitzen?
soll man wegen fritzl jetzt alle alten österreicher verdammen und alle kleinen mädels beim anblick eines alten mannes verstecken? der mann hat den tot nicht verdient und ich find solche bemerkungen daneben. aber ein gutes hat deine aussage-wenigstens haben die muslime und balkanesen endlich eine wohlverdiente pause von dem ganzen hass der sich in at breit macht

bodomalo
bodomalo melden

Re: man muss seine geschäfte abwägen nana, ganz ruhig - wer halbwegs bei Verstand ist macht kein halblegalen Geschäfte mit Russen. Mord und Gulak stehen da immer noch an der Tagesordnung.

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