Mord an Taxilenkerin Deubler: Angeklagter Tomi S. zu knapp elf Jahren Haft verurteilt!

3. Prozess um Mord von 1993 dauerte drei Monate PLUS KLICKEN: Justiz-Chronologie des Mordfalls

"Endlich Ruhe", so kommentierte Justizopfer Peter Heidegger die Schuldsprüche im Mordfall Deubler. Vor dem Gerichtsgebäude gratulierte er dem Kronzeugen und Mitangeklagten Daniel N., dass dieser mit einer Bewährungsstrafe davongekommen war. Seiner Aussage hatte es Heidegger zu verdanken, dass er nach acht Jahren, die er schuldlos im Gefängnis zugebracht hatte, 2003 freigesprochen wurde. Der Angeklagte Tomi S. wurde wegen Mordes an der Taxilenkerin zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Fast 14 Jahre nach dem Mord an der Salzburger Taxilenkerin Claudia Deubler (28) wurde am 19. Verhandlungstag das bereits dritte Urteil gefällt. Nachdem der Oberösterreicher Peter Heidegger 1994 verurteilt und nach acht Jahren Gefängnis wegen erwiesener Unschuld freigesprochen worden war, fand ein Salzburger Schwurgericht zwei Schuldige: Tomi S. (30) erhielt zehn Jahre und acht Monate Haft wegen Mordes, Daniel N. (29) wegen Beitrags zum Raub sechs Monate Haft auf Bewährung. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Beide Urteile nicht rechtskräftig
Die beiden Salzburger mussten sich vor einem Jugendgericht (Vorsitzende Richterin: Bettina Maxones-Kurkowski) verantworten, weil sie zum Zeitpunkt der Tat noch nicht erwachsen waren. Sie waren damals unbescholten. Bei S. wurden auch zwei frühere bedingte Urteile nun zu unbedingten Strafen, so dass er in Summe zwölf Jahre absitzen muss. Er erbat sich drei Tage Bedenkzeit. N. nahm das Urteil an. Da die Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgab, sind beide Sprüche noch nicht rechtskräftig.

Der Wahrspruch der Geschworenen erfolgte einstimmig. Richterin Maxones-Kurkowski erläuterte, dass bei S. als strafmildernd seine Unbescholtenheit zum Tatzeitpunkt sowie seine schwer vernachlässigte Erziehung angerechnet wurden. Erschwerend hätten sich die heimtückische Vorgangsweise sowie die Tatsache, dass mehrere Verbrechen auf einmal verübt wurden, ausgegewirkt.

Geständnis zur Wahrheitsfindung
Bei N. habe es keine erschwerenden Gründe gegeben, strafmildernd sei unter anderem sein umfassendes und reumütiges Geständnis gewesen, zudem, dass er sich selbst gestellt habe, und mit seinem Geständnis zur Wahrheitsfindung sowie zum Freispruch Peter Heideggers beigetragen habe. Außerdem habe er bei der Tat nur eine untergeordnete Rolle verübt.

"Jetzt kann ich in Frieden leben", sagte N. nach dem Urteil zur APA. Er sei mit dem Spruch zufrieden. S. der bei der Urteilsverkündigung fast zusammenbrach, wurde sofort danach wieder abgeführt. Er sagte nur, dass er sich drei Tage Bedenkzeit erbitte. Der Vater des Mordopfers, Helmut Deubler, war "zu 100 Prozent einverstanden mit dem Urteil". Er freue sich nun auf den Zivilprozess gegen die damaligen Ermittler.

DNA-Beweis
Drei Monate dauerte der Prozess, in dem es erst kurz vor dem Finale eine Sensation gab: Auf einer Zigarettenpackung der Marke "Lucky Strike", die am Tatort kurz nach dem Mord am 5. Juli 1993 sichergestellt wurde, fand der Salzburger DNA-Analytiker Franz Neuhuber ein DNA-Profil, das mit dem "biologischen Fingerabdruck" des Zweitangeklagten Daniel N. übereinstimmte.

Staatsanwältin Herta Krainer sah in dem DNA-Beweis - übrigens der erste in dem Mordfall - ein objektives Beweismittel, das die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen und Zweitangeklagten Daniel N. noch untermauere. Der zum Tatzeitpunkt erst 15-Jährige hatte bereits ein Jahr nach dem Mord und wenige Tage nach der Verurteilung Heideggers im Juni 1994 vor der Exekutive behauptet: Er und der damals 16-Jährige Tomi S. hätten die Taxilenkerin nur berauben wollen, doch plötzlich habe S. die Pistole gezückt und Deubler erschossen. Nach der Tat machten sie sich mit ihrem Geld, rund 3.000 Schilling, davon und reisten nach Amsterdam. Doch die Beamten glaubten ihm nicht, ein Gutachter attestierte eine "Störung der Realitätskontrolle".

Tomi S. beteuerte Unschuld
Bis zum Prozessende beteuerte der mehrmals vorbestrafte Tomi S.: "Ich habe mit dem Verbrechen nichts zu tun." Wo er zum Tatzeitpunkt war, daran könne er sich nach so vielen Jahren nicht mehr erinnern. Sein Verteidiger Wolfgang Auer plädierte auf einen Freispruch. Es gebe keinen objektiven Beweis, der auf die Täterschaft seines Mandanten schließen lasse. Selbst bei der erst 1998 aufgefundenen Pistole - eine Walther P38 - hätten die Gutachter nicht mit Sicherheit sagen können, dass es sich dabei um die Tatwaffe handelte.

Die Ermittlungsarbeit vor allem der Kriminalbeamten im ersten Verfahren gegen Heidegger war von Pannen geprägt. Wegen angeblicher Ermittlungsfehler fordert das Justizministerium in einem Zivilprozess von fünf Ex-Ermittlern "100.000 Euro zur ungeteilten Hand". Staatsanwältin Krainer strich im jetzigen Prozess die profunde Aktenkenntnis der damaligen Verteidiger Franz Gerald Hitzenbichler und Franz Mahr hervor, die viel Aufklärungsarbeit geleistet hätten. Die Anklagebehörde machte eine Kehrtwendung. Sie schenkte jenen Hinweisen und Zeugenaussagen, die Peter Heidegger entlastet hätten, erst im Verfahren gegen Tomi S. und Daniel N. Glauben. N. wurde zum Kronzeugen der Anklage.

(apa/red)