Montenegro: Einwohner sind stolz
auf die lange Geschichte ihres Landes

1042: Wurzeln liegen im Fürstentum Zeta

Die Bürger der "Schwarzen Berge" (so die deutsche Übersetzung der international gebräuchlichen italienischen Bezeichnung) sind sich in einem Punkt einig: Sie sind stolz auf die lange Geschichte ihres Landes.

Die Wurzeln des heutigen Montenegro liegen in dem im Jahr 1042 entstandenen, von Byzanz unabhängigen Fürstentum Zeta. Im 12. Jahrhundert gehörte Zeta zum serbischen Nemanjici-Reich, das nach dem Tod des serbischen Zaren Stefan Dusan unterging. Danach herrschten in Zeta erneut montenegrinische Geschlechter. Unter der Herrschaft von Ivan Crnojevic wurde Cetinje 1484 zur Hauptstadt. 15 Jahre später besetzten die Türken das Land, ließen aber der Bevölkerung in den Bergen eine gewisse Autonomie.

Von 1516 bis 1851 wurde Montenegro zu einer von orthodoxen Wladikas (Fürstbischöfe) regierten Art Theokratie. Der berühmteste unter den Wladikas war Petar II. Petrovic Njegos, der von 1831 bis 1851 an der Macht war. Er ging in die serbische Geschichte als Staatsmann, Reformer und großer Dichter ein. Sein berühmtestes Werk "Gorski vijenac" (Der Bergkranz) wurde zum Nationalepos über den Widerstand gegen die Osmanen.

Gerade mit Njegos, der Symbolfigur des montenegrinischen Selbstverständnisses, wirbt das Regierungsbündnis dieser Tage um Eigenstaatlichkeit und wird dafür vom Oppositionslager heftig kritisiert. Der Wladika hielt sich selbst für einen Serben. Seine letzte Ruhestätte fand Njegos in einem Mausoleum auf dem 1.660 Meter hohen Berg Lovcen in der Nähe von Cetinje. Im ersten Weltkrieg wurde die ursprüngliche Grabkapelle zerstört. Das neue Mausoleum entstand im Jahr 1972.

Beim Berliner Kongress wurde Montenegro am 13. Juli 1878 als damals 27. souveräner Staat der Erde anerkannt. Seit zwei Jahren wird dieses Datum wieder als Nationalfeiertag gefeiert. Erneut angenommen wurde auch die rote Flagge mit einem Doppeladler in einem goldenen Wappen. Ein souveräner Staat - zunächst Fürstentum, ab 1910 Königreich - blieb Montenegro bis 1918, als sich das Parlament nach dem Ende des Ersten Weltkrieges für die Vereinigung mit Serbien aussprach.

Das kleine Land ging im neu geschaffenen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Jugoslawien) auf. König Nikola, der nach der Besetzung Montenegros im Jahr 1916 durch österreich-ungarische Truppen nach Italien geflüchtet war, starb 1921 in Frankreich im Exil. Seine Gebeine wurden erst 1990 nach Montenegro heimgeholt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Montenegro 1941 von Italien besetzt. Nach dem Krieg wurde es zur kleinsten Teilrepublik Jugoslawiens. Podgorica - in Titograd umbenannt - wurde zu deren Hauptstadt. Heute trägt die Hauptstadt erneut ihren alten Namen. Präsident Filip Vujanovic hat seinen Amtssitz allerdings in Cetinje.

Beim Zerfall des Zweiten Jugoslawien 1991 war in Montenegro der Wunsch, den eigenständigen Staat wieder erstehen zu lassen, nur kurz aufgeflammt. Bei einem im Frühjahr 1992 abgehaltenen Referendum sprachen sich die Montenegriner mit über 90-prozentiger Mehrheit für die Bildung eines neuen gemeinsamen Staates mit Serbien aus. Die Eintracht der Staatsführungen in Belgrad und Podgorica war aber nur von kurzer Dauer. Die Idee der Eigenstaatlichkeit wurde spätestens ab Ende der 90er Jahre nicht nur von kleinen Oppositionsparteien, sondern auch von der montenegrinischen Führung vehement unterstützt. Daran konnte auch die Umbildung der Bundesrepublik Jugoslawien in den serbisch-montenegrinischen Staatenbund 2002/2003 nichts ändern.

(apa)