Monsterprozess gegen Wiener Polizeichef:
Anklage wegen Kontakt zu Unterweltbossen

Suspendierter Beamter weist Vorwürfe zurück Amtsmissbrauch? Schöffensenat soll Urteil sprechen

Monsterprozess gegen Wiener Polizeichef:
Anklage wegen Kontakt zu Unterweltbossen © Bild: APA/Hochmuth

Die Anklage gegen den 53-Jährigen liest sich wie ein Auszug aus dem Strafgesetzbuch: Ihm wird Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Nötigung, falsche Zeugenaussage, Bestimmung zur Falschaussage, Betrug und das Begehen strafbarer Handlungen unter Ausnützung seiner Amtsstellung angelastet. Für den außer Dienst gestellten Top-Polizisten, der seit Beginn der gegen ihn gerichteten Ermittlungen sämtliche Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen hat, gilt die Unschuldsvermutung.

Auf den Schöffensenat, der die Schuldfrage zu klären hat, kommt ein "Mammutprogramm" zu: Richterin Irene Mann hat vorerst 14 Verhandlungstage anberaumt, die erste Prozesswoche ist ausschließlich für die Einvernahme des Angeklagten reserviert. Das Urteil wird frühestens am 11. Februar fallen.

Auf Hochzeit von Unterweltschläger
Der Chefinspektor war 2007 in die Schlagzeilen geraten, als ruchbar wurde, dass er in Feierlaune auf der pompösen Hochzeitsfeier des ihm angeblich freundschaftlich innig verbundenen Dragan J. alias "Repic" in Erscheinung trat. "Repic" galt als Anführer einer Schutzgeld-Truppe, die in der Wiener Unterwelt Schrecken verbreitet und in großem Stil abkassiert haben soll. Der Spitzenpolizist wurde daraufhin vom Dienst suspendiert.

In weiterer Folge kamen immer neue und vor allem strafrechtlich gravierende Vorwürfe gegen den "Spitzenkieberer" zutage, die als Vorlage für einen Mafia-Film dienen hätten können.

Einseitige Ermittlungen?
So soll der Chefinspektor im Zusammenhang mit einer Schießerei im Cafe "Cappuccino" in Wien-Hernals, bei der am 30. Mai 2006 ein Lokalbesucher erschossen und ein weiterer schwer verletzt wurde, einseitig ermittelt und dazu beigetragen haben, dass ein Mann als mutmaßlicher Mörder vor Geschworene gestellt wurde, gegen den die Staatsanwaltschaft dann im Gerichtssaal mangels Indizien die Anklage fallen lassen musste: Keiner der von der Polizei präsentierten Belastungszeugen erkannte vor Gericht im Angeklagten den Schützen wieder.

Andere Zeugen wiederum soll der Beamte beeinflusst und eingeschüchtert haben bzw. einschüchtern haben lassen. Daneben dürfte der 53-Jährige auch als Privatmann das Strafgesetzbuch insofern nicht ganz ernst genommen haben, als er in einem Lokal von seiner Lebensgefährtin besorgte gefälschte Textilien als Markenware der Firmen "Gucci" und "Louis Vuitton" verkauft haben soll.

(apa/red)