Mohammed-Video von

Produzent verklagt

Eine Darstellerin des umstrittenen Filmchens klagt wegen Betrugs und übler Nachrede

Mohammed-Video - Produzent verklagt © Bild: APA/EPA/Arshad Arbab

Eine Schauspielerin aus dem umstrittenen Mohammed-Film hat in den USA Klage gegen den Produzenten eingereicht. Die Frau wirft ihm vor, sie über den Inhalt des Streifens getäuscht zu haben. Es sei während des Drehs nie von Mohammed oder einem Religionsbezug die Rede gewesen, argumentiert Cindy Lee Garcia. Sie fordert, dass der Film von der Internet-Plattform YouTube entfernt wird. Ihr Recht auf Privatsphäre sei verletzt worden, außerdem sei ihr Leben in Gefahr. Die Klage wegen Betrugs und übler Nachrede wurde am Mittwoch bei einem Gericht in Los Angeles eingereicht.

Der Filmemacher Nakoula Basseley Nakoula habe Garcia glauben lassen, es werde ein gewöhnlicher Abenteuerfilm produziert, hieß es in der Klage. Garcia habe auch keine Hinweise auf sexuelle Inhalte gehabt. Der Film stellt den Propheten Mohammed unter anderem als Frauenhelden dar. Die Klage richte sich nicht gegen die in den USA verfassungsrechtlich geschützte Redefreiheit, sondern verlange lediglich, dass der verletzende Inhalt aus dem Internet entfernt werde. Die Klage zielt auch auf Google und YouTube ab. Ein Google-Sprecher sagte, man sehe sich die Schrift an und werde "morgen vor Gericht erscheinen".

Abgesetzt

Ein Vertreter von Nakoula lehnte eine Stellungnahme ab. Der 55-Jährige ist ein koptischer Christ, der in Kalifornien lebt. Der Film könnte für ihn noch weitreichende Folgen haben. Aufgrund einer Verurteilung aus dem Jahr 2010 wegen Bankbetrugs ist ihm die Nutzung des Internets nur unter Auflagen erlaubt. Es könnte sein, dass er wegen des Films wieder ins Gefängnis muss. Er war 2011 entlassen worden. Seit einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft am Samstag ist der Mann verschwunden.

Weitere Proteste erwartet

Die USA rechnen im muslimischen Indonesien nach den Freitagsgebeten mit weiteren Prosten gegen das Mohammed-Video. Sie schließen deshalb vorsichtshalber ihre diplomatischen Vertretungen. Botschaft und Büros in der Hauptstadt Jakarta, auf Bali, in Medan und Surabaya blieben am Freitag geschlossen, teilte die Botschaft mit. Am Montag hatten Demonstranten aus Protest gegen den Film Steine auf die Botschaft geschleudert. Die US-Vertretung in Medan ist wegen anhaltender Proteste seit Mittwoch geschlossen. Muslimische Prediger haben Demonstranten aufgerufen, friedlich zu bleiben.

Botschaften geschlossen

Aus Angst vor neuen Krawallen verärgerter Muslime auch infolge der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satireblatt am Mittwoch sind zahlreiche französische Institute und Schulen in Nordafrika vorübergehend geschlossen worden. Die befürchteten gewaltsamen Proteste blieben am Donnerstag jedoch zunächst aus, lediglich im Iran wurde vor der französischen Botschaft demonstriert. Am Freitag sollen die Einrichtungen dennoch weiter geschlossen bleiben. Und auch Deutschland wird seine diplomatischen Vertretungen in der islamischen Welt am Freitag geschlossen halten. Darüber hinaus wird nach Angaben von Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle zusätzlicher Schutz für andere deutsche Einrichtungen geprüft.

Titanic zieht nach

Unterdessen hat auch dsa deutsche Satiremagazin "Titanic" für die nächste Ausgabe ein Mohammed-Cover angekündigt. "Jetzt ist Mohammed in aller Munde, darauf reagieren wir", sagte Chefredakteur Leo Fischer im Interview mit "Spiegel online". Der geplante Titel soll laut Medienberichten in einer Fotomontage die frühere First Lady Bettina Wulff in den Armen eines Kriegers mit Turban und Dolch zeigen. Die Schlagzeile dazu soll demnach lauten: "Der Westen in Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film." Die Karikaturen in "Charlie Hebdo" nannte Fischer "relativ einfach gestrickt". "Angesichts der Proteste in der muslimischen Welt, bei denen es sogar Tote gab, sind die Veröffentlichungen allerdings eine relativ harmlose und friedliche Reaktion", fügte er hinzu. Die Leute von "Charlie Hebdo" hätten niemanden getötet.

Kommentare