Mögliche Mörder von Prinzessin Diana: Die Paparazzis im Visier der trauernden Briten

Fotos der sterbenden Prinzessin wollte niemand sehen Jetzt werden William und Harry von Fotografen gejagt

Mögliche Mörder von Prinzessin Diana: Die Paparazzis im Visier der trauernden Briten

Dianas Bruder Earl Spencer fand nach dem Tod seiner Schwester harsche Worte. "Ich habe schon immer geglaubt, dass die Presse sie einmal umbringen würde", sagte er nach dem tragischen Autounfall am 31. August 1997. "Es scheint, als hätten die Redakteure und Herausgeber Blut an den Händen." Das Wort "Paparazzi" war damals gleichbedeutend mit "Mörder". Die britische Presse gelobte, Dianas Söhne in Ruhe zu lassen. Zehn Jahre später ist davon nicht mehr die Rede.

Nicht ganz: Als das italienische Magazin "Chi" vor einem Jahr ein Foto der sterbenden Prinzessin veröffentlichte, ging eine Welle der Empörung um die Welt. Es war das erste und bisher einzige Mal, dass in Europa ein Bild der verunglückten Diana zu sehen war. Das Foto, das danach in ein paar anderen Zeitschriften nachgedruckt wurde, zeigt, wie Diana in dem Autowrack im Pariser Tunnel de l'Alma Sauerstoff verabreicht wird.

Channel 4 und die Todes-Bilder
Riesig war auch die Entrüstung, als der britische Fernsehsender Channel 4 Anfang des Jahres die Dokumentation "Diana: Die Zeugen im Tunnel" ankündigte, in der Bilder aus der Unglücksnacht veröffentlicht werden sollten. Die Aufregung war verfrüht. Fotos der Sterbenden wurden nicht gezeigt; auf dem einzigen Bild, auf dem Diana zu sehen war, wurde ihr Gesicht unkenntlich gemacht.

Die ersten am Unfallort: Fotografen
In der Unglücksnacht 1997 waren mehrere Fotografen hinter dem Mercedes hergefahren, in dem Diana und ihr Freund Dodi al Fayed saßen. Der Fahrer Henri Paul, der unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss stand, verlor bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über das Auto. Es prallte gegen einen Pfeiler. Diana, Dodi und Henri Paul starben, Leibwächter Trevor Rees-Jones überlebte schwer verletzt. Die ersten am Unfallort: Fotografen. Gegen sieben von ihnen sowie einen Motorradfahrer wurden Ermittlungen eingeleitet, die später fast alle eingestellt wurden.

Paparazzi plagt schlechtes Gewissen
Dass Fotos der sterbenden Prinzessin existieren, ist unbestritten. Ihre Veröffentlichung ist aber immer noch ein Tabu - obwohl Diana zu Lebzeiten als meistfotografierte Frau der Welt galt. Heute regt sich bei vielen damaligen Verantwortlichen der britischen Boulevardpresse ein schlechtes Gewissen. Der frühere Chefredakteur der "News of the World", Phil Hall, sagte, er fühle sich mit verantwortlich für Dianas Tod. Zwar sei ihr Chauffeur zu schnell gefahren und betrunken gewesen. "Aber wenn die Paparazzi nicht hinter dem Auto hergefahren werden, wäre er vielleicht nicht so gerast, und der Unfall wäre womöglich niemals passiert."

Neue Hetzjagd auf William und Harry
Unmittelbar nach Dianas Tod hatten britische Zeitungen erklärt, keine Fotos mehr zu veröffentlichen, die die Privatsphäre von Dianas Söhnen William und Harry verletzen. Spätestens nach deren Volljährigkeit aber war Schluss mit der Schonfrist. Bilder von Harry in Nachtclubs oder in Nazi-Uniform auf einem Kostümfest tauchten auf, ebenso private Fotos vom Urlaub mit Freundin Chelsy. Neues Objekt der Begierde der Fotografen ist vor allem Williams Freundin Kate Middleton. Der Hype ist so groß, dass sogar einer der Bildreporter selbst, der "Sun"-Fotograf Arthur Edwards, an seine Kollegen appelliert haben soll, die junge Frau doch in Ruhe zu lassen. (APA/red)