Hermes Phettberg von

Ein "Elender" wird 60

Ex-Talkmaster und selbsterklärter Masochist ist mittlerweile Sozialfall

  • Ex-Talkmaster Hermes Phettberg in seiner Wohnung in der Wiener Mariahilferstraße.
    Bild 1 von 6 © Bild: APA-FOTO: ROBERT JAEGER

    Hermes Phettberg

    "Ich kann nicht mehr an Gotty glauben"

  • Ex-Talkmaster Hermes Phettberg in seiner Wohnung in der Wiener Mariahilferstraße
    Bild 2 von 6 © Bild: APA-FOTO: ROBERT JAEGER

    Hermes Phettberg

    "Dass die ÖVP dagegen ist, dass Schwule und Lesben Kinder adpotieren dürfen, ist ein Wahnsinn"

Ich "bin sehr einsam, denn niemand redet mit mir so innig, wie über mich“. Diese Zeilen schrieb Hermes Phettberg im Sommer 1997. 15 Jahre später, in den Wochen vor seinem 60. Geburtstag (5. Oktober), gewinnt diese Passage aus einem seiner "Lebenslauf-Entwürfe“, wie er sie auf seiner Website versammelt hat, wieder an Bedeutung. So hinterfragten einige Medien rund um seine jüngste Aktion "Garten der Lüste" im Rahmen der "Wienwoche" weniger sein Anliegen – nämlich gegen Homophobie zu demonstrieren – sondern witterten die Verschwendung von Steuergeldern. Phettberg spendete seine Gage für Asylwerber.

Phettberg, der mit bürgerlichem Namen Josef Fenz heißt, kündigte die Aktion, bei der er sich an einen Baum fesseln ließ, auch über seine nach wie vor erscheinende wöchentliche "Falter"-Kolumne an und sah in ihr Zukunftspotenzial: "Was 1990 mit meiner Verfügungspermanenz im WUK begann, wird vielleicht doch einmal in eine Hochschule für 'Pornografie und Prostitution' münden? Bis jetzt rede nur ich davon". Hermes Phettberg lebt zwar zurückgezogen in seiner Wohnung an der Gumpendorferstraße, aber weder seine körperlichen Gebrechen noch seine durch mehrere Schlaganfälle hervorgerufene Sprachstörung halten ihn davon ab, weiterhin seinen "Predigtdienst" zu verfassen, in dem er sich als scharfer Beobachter gegenwärtiger Diskurse profiliert – jedoch stets in der ihm eigenen sarkastischen Art und Weise, die bereits bei seiner ORF-Talksendung "Nette Leit Show" zahlreiche Menschen vor den Fernseher lockte.

"Gestionen" im Internet

So mokierte er sich jüngst ebenso über das baldige Ende des Untersuchungsausschusses wie über die Debatte rund um die Abschaffung des Präsenzdienstes, was er in einem einzigen Satz auf den Punkt bringt: „Ich werde sehr wohl Grün wählen bei der nächsten Wahl und sehr wohl parallel für ein Militär mit Präsenz- und Zivildienst!“, wie es in seinem „Predigtdienst“ im „Falter“ vom 26. September heißt. Neben allen Berichten über ihn gab es jedoch auch Spendenaufrufe für ihn, die in den vergangenen Wochen über den Internet-Nachrichtendienst Twitter verbreitet wurden. Daneben protokolliert der ehemalige Entertainer minutiös seinen Alltag: In seinen im Internet veröffentlichten "Gestionen" gibt er bereitwillig über nächtliche Träume, seine täglichen Mahlzeiten und allerlei Beobachtungen aus dem Fenster seiner Wohnung Auskunft.

"Falter"-Kolumnist

Hermes Phettberg wurde am 5. Oktober 1952 in Hollabrunn geboren. Der Sohn von Weinbauern arbeitete zunächst als Bankangestellter, bevor er nach einer theologischen Fortbildung Pastoralassistent in der Erzdiözese Wien wurde. Mitte der 80er-Jahre war er Mitbegründer des Vereins "Libertine Sadomasochismusinitiative Wien" und des Projekts "Polymorph Perverse Klinik Wien". Öffentlich bekannt wurde er mit sadomasochistischen Kunstaktionen (wie seiner "Verfügungspermanenzen") gemeinsam mit Walter Reichl im Rahmen von "ErotiKreativ" im WUK. In der Theatergruppe "Sparverein Die Unz-Ertrennlichen" rund um Kurt Palm spielte er ab Anfang der 90er-Jahre verschiedene Rollen, seit 1992 schreibt Phettberg für den "Falter" die wöchentliche Kolumne "Phettbergs Predigtdienst". Eine Sammlung der Falter-Kolumnen erschien als Faksimile der Typoskripte unter dem Titel "Hundert Hennen. Katechesen 1992 - 2003".

"Der Papst ist kein Jeansboy"

In seiner Talkshow "Phettbergs Nette Leit Show" begrüßte er ab Ende 1994 verschiedene Prominente, darunter etwa Marcel Prawy, Hermann Nitsch, Manfred Deix oder Josef Hader . Gemeinsam mit Kurt Palm gab er 1996 das Buch "Frucade oder Eierlikör" mit Interviews und Monologen aus der Show heraus. 2003 und 2004 strahlte ATV die Sendung "Beichtphater Phettberg" aus. Als jährlicher Fixpunkt gilt nach wie vor sein jährlicher Auftritt auf der Regenbogenparade auf dem Wiener Ring. Phettberg erhielt 1993 den Franz-Grillparzer-Preis der "Anonymen Aktionisten" und 2002 den Preis der Stadt Wien für Publizistik. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) nannte Phettberg damals einen "radikalen und subjektiven Beobachter des Wiener Alltagslebens", mit seiner "Nette Leit Show" habe er Kulturgeschichte geschrieben. 2007 widmete sein alter Freund und Entdecker Kurt Palm dem nunmehrigen Sozialfall einen Dokumentarfilm: "Hermes Phettberg, Elender". Im Zwiegespräch ließen Phettberg und Palm das Leben der einstigen bunten Wiener Szenefigur Revue passieren. Ein neuer Film entstand im Vorjahr: Sobo Swobodnik drehte die Schwarz-Weiß-Doku "Der Papst ist kein Jeansboy", ein Kino-Starttermin steht jedoch noch aus. Am 18. Oktober (19 Uhr) wird im Rahmen des Rauchsalons in der Wiener Secession das im Sensationsverlag herausgegebene Buch "Alles Erschreckliche! Ausgewählte Texte" präsentiert. Hermes Phettberg wird kommen, hundert signierte Bücher liegen als Vorzugsausgabe bereit.

Kommentare

Nilfisk Green

Einzig bemitleidenswert sind jene, die sich selbst offenbaren und anderen ihr eigenes Schicksal unterstellen - ein durchaus bekanntes Defizit an Selbstreflexion - also im Gegenteil : Hermes ist schwer in Ordnung - wünschen wir ihm alles Gute und eine stets erfolgreiche Zukunft.

Ignaz-Kutschnberger

Eine bemitleidenswerte in Vergessenheit geratene Kreatur Gottes im Hinterzimmer einer kleinen Wohnung, welche sich dank Sozialhilfe noch ab und zu den KLEINEN BRAUNEN im Cafe um die Ecke leisten kann :-) ... Ja mein Lieber du hattest auch schon bessere Tage... alles GUTE zum 60.er... und dank deines fortgeschrittenen Alters wird der Göttliche sich vermutlich in den nächsten Jahren gütlich erweisen und deinem irdischen Elend ein Ende setzen... mögen dir noch ein paar sonnige Tage in diesem mittlerweile zu einem politischen Schweineland verkommenen Stückchen Heimat beschieden sein

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