Mobilkom wächst weiter: Nemsic will Markt-herrschaft zw. Bodensee & Schwarzem Meer

Heuer noch Einstieg in Serbien und Bosnien geplant 6.000 Mitarbeiter betreuen bereits 9 Millionen Kunden

Die Mobilkom-Austria-Gruppe, Mobilfunktochter der börsenotierten Telekom Austria, hat 2005 auf all ihren Märkten Umsätze und Ergebnisse verbessert. In Österreich, Bulgarien, Kroatien, Slowenien und Liechtenstein werden mit 6.000 Mitarbeitern bereits mehr als 9 Millionen Kunden betreut. Heuer ist weiteres organisches Wachstum und der Einstieg in Serbien und Bosnien-Herzegowina geplant, sagte Mobilkom-Austria-Chef Boris Nemsic.

In Serbien sei im Mai oder Juni der Verkauf der Mobtel-Nachfolgefirma und einer Mobilfunklizenz geplant: "Diesem Tender werden wir uns stellen", sagte Nemsic, der glaubt, dort "gute Voraussetzungen" für einen Einstieg zu haben, zumal sich die Mobilkom im dortigen Markt gut auskenne. Die Mobilkom war bereits mit den österreichischen Investoren Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt, die im Mai die Mobtel-Mehrheit erworben hatten, in die Vorbereitungen für diese Ausschreibung eingebunden. Der Ausrufungspreis soll bei 700 Mio. Euro liegen, serbischen Schätzungen zufolge könnte bis zu 1 Mrd. Euro erlöst werden.

Größten zwischen Bodensee und Schwarzem Meer
In Bosnien-Herzegowina wird demnächst ebenfalls ein Tender erwartet, dort stehen 65 bis 85 Prozent der Telekom Srpske, des zweitgrößten Betreibers, zum Verkauf. Die TA habe bis 2009 3,1 Mrd. Euro für Akquisitionen zur Verfügung, die Gleichzeitigkeit der Ausschreibungen in Serbien und Bosnien sei daher eher eine organisatorische Frage als eine finanzielle, betonte Nemsic: "Wir sind gut drauf vorbereitet, der größte Betreiber zwischen Bodensee und dem Schwarzen Meer zu werden".

Der Anteil der im Ausland erwirtschafteten Umsätze ist in der Mobilkom-Gruppe im Vorjahr u.a. durch den Erwerb der bulgarischen Mobiltel von 22 auf 31,7 Prozent gestiegen. Der gesamte Umsatz der Mobilkom-Gruppe, die 55 Prozent der gesamten TA-Umsätze stelle, stieg um 17,1 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro, bereinigt um die Mobiltel um 4,8 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) erhöhte sich um 35,5 Prozent auf 552,2 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 26,6 Prozent auf 969,0 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge lag bei 38,5 Prozent.

Zahl der Handy-Kunden um 81 Prozent gestiegen
Die Zahl der Mobilfunkkunden der Mobilkom-Gruppe stieg 2005 um 81,1 Prozent auf rund 9 Mio. Kunden. Auf vergleichbarer Basis (ohne Mobiltel) wuchs die Kundenzahl um 8,5 Prozent auf 5,37 Mio. Kunden. In Österreich stieg die Zahl der Kunden um 3,6 Prozent auf 3,34 Millionen. In Bulgarien stieg die Zahl der Mobiltel-Kunden 2005 um 18,4 Prozent auf 3,59 Millionen, in Kroatien die Zahl der VIPnet-Kunden um 23,3 Prozent auf 1,61 Millionen, in Slowenien ging die Zahl der si.mobil-Kunden auf Grund einer veränderten Zählweise von Wertkartenkunden ohne Guthaben um 1 Prozent auf knapp 360.000 Kunden zurück.

2005 sei ein "äußerst erfolgreiches Jahr" für die Mobilkom-Austria-Gruppe gewesen, man sei optimistisch, dass 2006 auch so gute Ergebnisse bringen werde, sagte Mobilkom-Austria-Vorstandsvorsitzender Boris Nemsic am Montag bei dem Pressegespräch. Getrieben war das Wachstum im Vorjahr neben dem Erwerb der bulgarischen Mobiltel vor allem durch höhere Kundenzahlen und steigende Datenumsätze.

313 Millionen in Netzaufbau gesteckt
313 Mio. Euro und damit einen Rekordbetrag hat die Mobilkom-Gruppe im Vorjahr in den Aufbau der Netze und neue Technologien investiert, 180 Mio. Euro davon in Österreich. "Heuer wird's sicher nicht weniger sein", sagte Nemsic. Die Kundenakquisitionskosten stiegen leicht auf 72,6 Mio. Euro, die Kundenbindungskosten gingen leicht auf 71,5 Mio. Euro zurück.

In Österreich hat sich der Marktanteil der Mobilkom 2005 auf Grund des scharfen Wettbewerbs leicht von 41 auf 39,1 Prozent verringert. Der durchschnittliche Umsatz pro Mobilfunkkunde (ARPU) ging von 37,1 auf 36,5 Euro zurück, wobei der Datenanteil um 38 Prozent auf 17,4 Prozent stieg. Mehr als die Hälfte davon entfallen auf effektive Datenumsätze, der Rest auf SMS-Textnachrichten. Die Handy-Penetration liegt in Österreich mittlerweile bei 106 Prozent. Der Umsatz der Mobilkom Austria stieg um 2,4 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Das EBITDA um 3,3 Prozent auf 612,8 Mio. Euro, das EBIT um 5,2 Prozent auf 358,8 Mio. Euro.

tele.ring-Übernahme ist Nemsic "egal"
Die geplante Übernahme von tele.ring durch T-Mobile sei der Mobilkom "egal", betonte Nemsic, der davon ausgeht, dass die EU-Wettbewerbsbehörde, die den 1,3-Mrd.-Euro-Deal seit Monaten prüft, grünes Licht gibt: "Es wird passieren, es spricht nichts dagegen".

Im Bereich UMTS hat die Mobilkom bisher 600.000 UMTS-Handys und 50.000 Laptop-Datenkarten verkauft. 10 Prozent der UMTS-Kunden nutzen Fernsehen am Handy, berichtete Marketing-Vorstand Hannes Ametsreiter. Neue Handys würden diesem Trend gegen Mitte des Jahres ein zusätzliches "Momentum" verleihen. Im Geschäft mit Musikdownloads hofft der Marktführer auf Flexibilität der Musikindustrie punkto Preis.

In Bulgarien ist die Mobilkom-Tochter Mobiltel trotz eines auf 57,6 Prozent gesunkenen Marktanteils weiter Marktführer. Die Mobiltel trug vom 12. Juli bis Ende Dezember 262,6 Mio. Euro Umsatz und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 154,6 Mio. Euro bei. Die EBITDA-Marge lag im Gesamtjahr 2005 bei beachtlichen 61,5 Prozent. Heuer wird die Mobiltel erstmals vollkonsolidiert.

In Kroatien war die VIPnet 2005 mit einem durch den Tele2-Markteintritt verringerten Marktanteil von 44,1 Prozent nach T-Mobile Marktzweiter. Der Umsatz stieg um 12,4 Prozent auf 422 Mio. Euro, das EBITDA um 9,3 Prozent auf 166,9 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) um 27 Prozent auf 86,4 Mio. Euro.

Auch in Slowenien ist die Mobilkom Marktzweiter - ihre Tochter si.mobil hat einen Marktanteil von 22,7 Prozent. Der Umsatz stieg um 14,8 Prozent auf 100,8 Mio. Euro, das EBITDA um 20,1 Prozent auf 24,5 Mio. Euro, das EBIT von 0,1 auf 3,5 Mio. Euro. Per Ende Mai wird die Mobilkom 100 Prozent an der si.mobil halten, nachdem nun auch die restlichen 25 Prozent um 39,58 Mio. Euro übernommen werden.

In Liechtenstein wurde die mobilkom liechtenstein im Vorjahr mit einer Marktanteilssteigerung von 13 auf 15 Prozent Marktführer. Die Kundenzahl stieg von 3.500 auf 4.200, der monatliche Umsatz pro Kunde (ARPU) ist mit 83,1 Euro der höchste in der Gruppe.

(apa/red)