Mobilfunker gegen Roamingpläne der EU:
'Günstige Inlandstarife dann nicht zu halten'

Kommission solle "nicht in Preisgestaltung eingreifen" One-Chef Bang-Jensen glaubt an Provokation der EU

Mobilfunker gegen Roamingpläne der EU:
'Günstige Inlandstarife dann nicht zu halten' © Bild: Vodafone

Die österreichischen Mobilfunkbetreiber kritisieren die Roamingpläne der EU-Kommission scharf. Die geplante Tarifregulierung wäre ein "erheblicher Eingriff" in die Business-Pläne der Handynetzbetreiber und würde zu einer Tariferhöhung bei Inlandsgesprächen führen, so der Tenor der Branche. Die EU-Kommission will die Roaming-Gebühren - bisher eine wichtige Einnahmequelle für die Mobilfunkbetreiber - massiv senken bzw. sogar abschaffen.

Die Kommission solle "nicht in die Preisgestaltung der Mobilfunkbetreiber eingreifen", kritisiert der Marktführer Mobilkom Austria. Europa und insbesondere der österreichische Markt hätten bewiesen, dass sich Wettbewerb erfolgreich "von selbst" reguliere, sagte Mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes.

Österreich profitiert von ausländischen Skifahrern
Das Tourismusland Österreich profitierte bisher stark von den ausländischen Skifahrern. Die Folge davon seien günstige Inlandstarife für heimische Handytelefonierer, damit wäre es aber nach der geplanten Abschaffung der Roaminggebühren vorbei, meint Mattes. Mit der Abschaffung der Roaming-Gebühren würden die Mobilfunker auch ihre Investitionen reduzieren. Damit sei es "unklar, wie die EU-Kommission ihr Ziel punkto Forcierung des Innovationsstandortes Europa im Informations- und Telekommunikationsbereich erreichen wolle, wenn das Geld für diesbezügliche Investitionen abhanden komme.

EU verfolgt "völlig falschen Weg"
Die EU-Pläne seien der "völlig falsche Weg" und stellen einen "Eingriff in die gesamte Geschäftslogik" dar, bemerkte T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl. Die Roaming-Tarife würden künftig auch ohne EU-Regulierung durch Wettbewerb sinken. Sollte die EU ihre Ankündigungen wahr machen, hätte das "weit reichende Konsequenzen": "Die EU-Kommission glaubt an einem Schräubchen zu drehen, das verändert aber die ganze Welt".

"Passiv-Roaming verursacht Kosten"
Die EU-Pläne sind "zu weit gegriffen", schlug auch One-Chef Jorgen Bang-Jensen in dieselbe Kerbe. Die Idee, die Passiv-Roaming-Gebühren abzuschaffen, sei nicht nachvollziehbar - angesichts der getätigten Investitionen der Netzbetreiber, der laufenden Kosten für die Handynetze, für Personal und Abrechnung: "Passiv-Roaming ist für die Betreiber nicht gratis, sondern verursacht Kosten". Besser als der EU-Eingriff wäre eine Initiative der Betreiber selbst, die Roamingtarife transparenter darzustellen und einheitliche Durchschnittspreise zu bieten, meint Bang-Jensen.

Nur Provokation der EU?
Bang-Jensen hofft, dass es sich bei den präsentierten EU-Plänen nur um eine "Provokation" der EU-Kommission hält, um mit den Mobilfunkbetreibern ins Gespräch zu kommen, nachdem die im Vorjahr getätigte Aufforderung der Kommission an die Mobilfunkbetreiber, die Gebühren zu senken, weitgehend im Sand verlaufen seien.

Veröffentlichung sollte zur Tarifsenkung führen
Die EU-Kommission vergleicht bereits seit dem Vorjahr regelmäßig die Roaming-Tarife und Passiv-Gebühren in Europa. Durch Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet hatte die Kommission ursprünglich gehofft, den Druck auf die Mobilfunkbetreiber zu erhöhen und diese freiwillig zur Senkung der Auslandsgebühren zu bewegen - jedoch ohne Erfolg: Nach dem letzten Vergleich von März sind die Tarife teilweise noch weiter gestiegen.

Reformvorschläge der Kommission:
Die Kommission hat daraufhin eine radikale Reform der Tarife vorgeschlagen und drängt dabei auf EU-weit einheitliche Lokal- und Ferngesprächstarife. EU-Handykunden sollen den Plänen der EU-Kommissarine Viviane Reding zufolge künftig - konkret bereits ab Sommer 2007 - für Gespräche im Ausland den Tarif ihres Heimatlandes zahlen. Die Passiv-Roaminggebühren, die der Kunde derzeit zahlt, wenn er im Ausland einen Anruf annimmt, sollen gänzlich entfallen. Die Überprüfungsphase für die EU-Roamingpläne läuft noch bis 28. April. Danach wird die Kommission im Juni einen konkreten Gesetzesvorschlag vorlegen, der dann von den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament debattiert werden muss. (APA/red)