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Wegen Reichtums geschlossen

Esther Mitterstieler © Bild: News

Sommer, Sonne, Strandbad und auch sonntags ein bisschen shoppen: Pünktlich zur Urlaubszeit haben Wirtschaftskammer und Gewerkschaft die Diskussion um die Sonntagsöffnung im Wiener Handel belebt. Seit Jahren Konterparts, die einen für die Unternehmen, die anderen für die Angestellten und im Zweifel gegen Husch-pfusch. Das sei „das Letzte, was wir brauchen“, sagte Gewerkschaftsvertreter Manfred Wolf vor ein paar Tagen. Rainer Trefelik, Handelsspartenobmann in der Wirtschaftskammer, sprach gleichzeitig von einer „sensiblen Phase der Annäherung“.

Schon seltsam, warum es in Wien so sensibel ist, über eine Öffnung der Läden auch am Sonntag etwa in der Inneren Stadt, auf der Mariahilfer Straße oder rund um Schönbrunn zu diskutieren. In Kärnten und Tirol ist das in Urlaubs-, sprich: umsatzstarken Zeiten ganz normal. Oder anders gesagt: Wieso sollen Touristen daran gehindert werden, ihr Geld in Wien auszugeben? So ähnlich war es lange Zeit in Bozen, bis der damalige Ministerpräsident Mario Monti die Liberalisierung der Öffnungszeiten durchboxte. Zum Schaden der Südtiroler? Keineswegs: Die Läden sind voll. Man weiß zwar nicht, warum, aber in Wien ticken die Uhren anders.

Dabei wäre alles ganz einfach: Lasst doch die Leute ihre Läden aufsperren! Wer nicht will, muss ja nicht. Es ist auch nicht ausgemachte Sache, dass davon nur große Ketten profitieren würden. Die Lösung des Problems scheint auf der Hand zu liegen, bloß will sie keiner hören: Die Unternehmen sollen aufsperren und die Angestellten dafür anständig entlohnen.

Wenn das Geld passt und natürlich die Ausgleichszeit, werden sicher die wenigsten die Sonntagsarbeit ablehnen. Und sonst gibt es sicher andere, die sich ein Zubrot verdienen wollen. Am Ende würden dann die Zahlen von heute entsprechend von gestern sein: Derzeit sind 95,9 Prozent der Angestellten gegen die Öffnung am Sonntag und 72,6 Prozent der Betriebe dafür. Warum wohl? Änderungen machen Angst, bisweilen so viel, dass der Mensch gleich dagegen ist. Der erste Impuls muss nicht immer der beste sein. Die Sonntagsöffnung würde die Konjunktur jedenfalls beleben.

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