Strom von

Mitterlehner plant
neue Energiestrategie

Neue Formulierungen und Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen

Strom - Mitterlehner plant
neue Energiestrategie © Bild: Format Ian Ehm

Angesichts der Verwerfungen am Strommarkt will Vizekanzler Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) die heimische Energiestrategie anpassen. Sie solle neu formuliert und die Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden, kündigte der für Energie zuständige Ressortchef an.

Während bei Erdgas die Versorgungsfrage durch die russisch-ukrainische Einigung unter EU-Vermittlung für die Wintermonate gelöst scheine, sei "bei Strom die Problematik großflächiger und tiefgreifender", meinte Mitterlehner am Dienstagabend. Die Strompreise auf Großhandelsebene seien - als Folge der deutschen "Energiewende" - so niedrig, dass Gaskraftwerke abzuschreiben seien und als "stranded investments" dastünden, erinnerte er. Für langfristige Investitionen sei das aber problematisch.

Trotz extrem hohen Aufkommens an stark gestütztem Ökostrom müsse Deutschland im Winter Elektrizität importieren, dafür gebe es im Sommer Überschüsse, so Mitterlehner: Hier gehörten die Kapazitäten besser gebündelt, und es sei eine grenzüberschreitende Koordination nötig. Hier strebe Deutschland auch einen Dialog an, sagte der Leiter der Energiesektion im Ministerium, Christian Schönbauer, der erst diese Woche dazu den deutschen Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake getroffen hat. Bakke hat Österreich schon Ende September bei einer Tagung in Graz eine enge Abstimmung zugesagt.

Geprägt von Deutschland befinde sich der Stromsektor in einem gewaltigen Umbruch - im Nachbarland seien derzeit 70 Gigawatt (GW) Leistung an Windkraft und Photovoltaik installiert, das entspreche rund 70 Nuklearblöcken, meinte Schönbauer bei einer Diskussion des "forum versorgungssicherheit" im Wirtschaftsministerium. Zwar sei das deutsche Ökostrom-Förderungsgesetz (EEG) jüngst novelliert worden, dennoch würden Jahr für Jahr weitere 5 GW an Erneuerbaren dazukommen.

Von den 70 GW entfallen 30 GW auf Wind und 40 GW auf PV, sagte Gerhard Christiner, Vorstandsdirektor des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG). Zum Vergleich: In Österreich sind 2.000 MW (2 GW) Windkraft und 700 MW Photovoltaik installiert; insgesamt sind es in unserem Land rund 20 GW Leistung, rechnet man alle Kraftwerke zusammen.

Niedrige Strom-Großhandelspreise

Wegen der niedrigen Strom-Großhandelspreise seien Betreiber thermischer Kraftwerke nur mehr gegen Bezahlung bereit, ihre Anlagen über die Sommermonate zu betreiben, verwies Christiner auf entsprechende Briefe an die APG. Fördermittel, damit Gaskraftwerke am Netz bleiben - siehe die Kapazitätsmärkte-Debatte - hält Minister Mitterlehner aber "für ein Problem", ebenso das aktuelle CO2-Handelssystem, das Kohlekraft rentabel macht und damit am Markt hält.

Ohne Vergütung einer Leistungsbereitstellung seien die thermischen Anlagen saisonal erst wieder ab Oktober/November verfügbar, beklagte APG-Vorstand Christiner und warnte: "Dadurch entsteht aber eine Deckungslücke". Das System gehe damit auf ein großes Problem zu, dem gegengesteuert werden müsse - nämlich während Phasen sogenannter "Dunkelflaute", wenn also weder Wind weht noch die Sonne scheint.

Die "neuen Erneuerbaren"

Hinzu komme noch das Problem, auch in Österreich, dass die "neuen Erneuerbaren" meist sehr weit von den großen Verbrauchszentren erreichtet seien. Im Vorjahr habe Österreich mit rund 10 TWh bereits ein Siebentel seines Stromverbrauchs einführen müssen, "heuer wird es noch mehr sein", schätzt Christiner.

Laut Mitterlehner erfordern die Verwerfungen im Stromsektor auch einen weiteren Ausbau der Leitungen, nicht nur auf 380-kV-Ebene. Österreich müsse "gerüstet sein. Denn wenn die Konjunktur ansteigt, ist uns eventuell sonst die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet", so der Minister. APG-Vorstandsdirektor Christiner beklagte allerdings "die fehlende Netz-Akzeptanz der Bevölkerung, weil die Energiewende leider nicht wirklich kommuniziert wird. Das Verständnis für die übergeordnete Infrastruktur fehlt." So würden etwa Menschen in Salzburg sagen: "Was interessiert uns der Wind im Burgenland", ohne zu bedenken, dass starke Stromnetze wichtig seien für den Ausgleich durch Pumpspeicherkraftwerke. Für den Zeitraum 2013 bis 2020 sind in Österreich von der E-Wirtschaft Stromnetz-Investitionen von 8,7 Mrd. Euro geplant.

Kommentare

Wer aus diesen inhaltsleeren Floskeln eine Strategie erkennen kann muss sich schon ordentlich verbiegen.

Wie immer: Eine Aufzählung vorhandener Probleme ohne Lösungsvorschläge.

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