Mittelstand übernimmt den "Löwenanteil": Trägt Hauptlast für kommende Steuerreform

SP will Einkommen bis 4.000 Euro monatlich entlasten ÖVP: "Familiensplitting" nach französischem Vorbild

Österreichs "Mittelstand", der bei der Steuerreform 2010 im Mittelpunkt des Interesses steht, zahlt mehr als die Hälfte der Lohnsteuer von 18,9 Mrd. Euro. Knapp drei Prozent tragen, laut Finanzministerium, wegen ihres hohen Einkommens gut ein Viertel des Steueraufkommens. 2,55 Mio. Menschen zahlen wegen ihres niedrigen Einkommens keine Steuern.

Bei der Steuerreform 2010 steht der sogenannte "Mittelstand" im Mittelpunkt. Wo dieser beginnt und wo er endet ist Ansichtssache. Geht man nach den bisherigen Aussagen der Koalition, beginnt der untere Mittelstand bei 20.000 Euro, der obere endet bei 56.000 Euro jährlich. In diesem Bereich liegt mehr als ein Drittel der Steuerzahler, die mindestens 9,7 Mrd. Euro an Lohnsteuer bezahlen. Das sind 51,4 Prozent der Gesamteinnahmen.

"Familiensplitting"
Bei dieser Gruppe liegen die Pläne von SPÖ und ÖVP am weitesten auseinander: Während die SPÖ Einkommen bis 4.000 Euro monatlich entlasten will, möchte die ÖVP das Steuersystem zusätzlich noch per "Familiensplitting" nach französischen Vorbild umbauen. Dort zahlt man ab drei Kindern praktisch keine Steuer mehr, allerdings ist die Entlastung mit einem Höchstbetrag gedeckelt, um Besserverdiener nicht überproportional zu entlasten.

Spitzenverdiener
Fast eine halbe Million Österreicher verdienen mehr als 50.000 Euro jährlich. Obwohl sie mit 8,5 Mrd. Euro rund 45 Prozent der Lohnsteuer bezahlen, gehören rein steuerlich nicht alle davon zu den tatsächlichen Spitzenverdienern. Denn der Höchststeuersatz greift erst ab einem Bruttobezug von etwa 70.000 Euro pro Jahr. Absolute Spitzenverdiener sind jene 7.000 Steuerzahler mit mehr als 200.000 Euro Jahresbrutto.

Die ÖVP fordert die Absenkung des Spitzensteuersatzes auf unter 50 Prozent. Als Kompromissvariante hat die SPÖ die auch von der ÖVP geforderte Anhebung der Einkommensgrenze für den Höchststeuersatz akzeptiert.

Rund 2,55 Mio. Österreicher verdienen weniger als 15.000 Euro brutto. Problematisch dabei ist, dass bis 10.000 Euro zuerst gar keine Steuern bezahlt werden, dann aber sofort ein hoher Steuersatz von 38,3 Prozent fällig wird.

(apa/red)