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Mitsubishi übernimmt Siemens VAI

Schock in Linz: Belegschaft plant Protestmarsch - 200 Mitarbeiter bangen um Jobs

Siemens baut 15.000 Jobs ab. © Bild: APA/EPA/PETER KNEFFEL

Die mehrheitliche Übernahme der Siemens VAI mit Sitz in Linz durch Mitsubishi Heavy Industries (MHI) ist besiegelt. Dazu ist eine interne Information an die Belegschaft über das Joint Venture ergangen, bestätigte der Vorsitzende des Angestelltenbetriebsrats, Gerhard Bayer. MHI hält künftig 51 und Siemens 49 Prozent. In Linz hat der Deal eine Schockwelle ausgelöst. Die VAI-Belegschaft plant für Donnerstag einen Protestmarsch. Die Landespolitik will die Zentrale in Linz halten.

Noch bei der Siemens-Österreich-Bilanzpressekonferenz im Dezember 2013 hatte Generaldirektor Wolfgang Hesoun zur Zukunft von Siemens VAI Metals Stellung genommen. Angesprochen auf Verkaufsgerüchte sagte Hesoun damals, zwar sei die Marktsituation für die Metallurgie "schwierig", doch "die VAI steht nicht in Frage". Die Verkaufsgerüchte wurden jedoch immer lauter, heute wurde die Übernahme durch die Japaner offiziell.

Am späten Nachmittag war aber noch immer nicht bekannt wie viele Mitarbeiter der Deal betrifft, da Siemens Österreich nicht einmal die gesamte Belegschaftszahl der VAI (inklusive Auslandstöchter) bekannt geben wollte.

Rund 200 Mitarbeiter sollen betroffen sein

In Österreich bekannt wurde der Deal über Umwege. "Linz wird Teil einer Gesamteinheit", bestätigte der Vorsitzende des Angestelltenbetriebsrats, Gerhard Bayer, einen nachrichten.at-Bericht, wonach die Firmenzentrale nach Großbritannien verlegt wird. Die personellen Auswirkungen seien noch nicht absehbar. Die Linzer Belegschaft wurde am Mittwoch um 7.00 Uhr in einer internen Mitteilung offiziell über den Verkauf informiert. Laut nachrichten.at seien die Bereiche Walzwerk und Bandbehandlung am oberösterreichischen Standort massiv gefährdet, was wiederum 200 Mitarbeiter betreffen würde. Eine Zahl wollte Bayer vorerst nicht nennen, da er noch keine Details kenne. Diese sollen der Belegschaft morgen, Donnerstag, um 10.00 Uhr in einer Informationsveranstaltung im Linzer Design Center mitgeteilt werden.

Betriebsrat Bayer kündigte einen Protestmarsch von Mitarbeitern, beginnend um 8.30 Uhr bei der VAI, an. Dass der Deal erst jetzt bestätigt wurde, bezeichnete er als "höchst unangenehm". Seit Jänner habe der Betriebsrat die Siemens-Konzernleitung in München wiederholt kontaktiert, aber weder die Belegschaftsvertretung noch die Linzer Führungskräfte hätten Informationen erhalten. Das sei ärgerlich, kritisierte Bayer erneut die Vorgehensweise.

Siemens-Österreich-Chef Hesoun informiert am Donnerstag nicht nur die Belegschaft der VAI über die mehrheitliche Übernahme durch Mitsubishi, sondern auch die Landesregierung. Dabei werde es vor allem um die künftige Rolle des Linzer Standorts mit rund 1.600 Stamm-Mitarbeitern gehen, so LH Josef Pühringer (ÖVP), der gegen eine Verlegung der Zentrale nach Großbritannien ist. "Wir haben im Vorfeld des Verkaufs immer wieder darauf hingewiesen, dass am Standort Linz Know-how gebündelt ist und dieser daher auch im künftigen Gemeinschaftsunternehmen eine wichtige Rolle spielen muss", betonten Pühringer, LH-Stv. Reinhold Entholzer (SPÖ) und Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (ÖVP) in einer Aussendung. Dass die Zentrale des Joint Ventures von Mitsubishi Heavy Industries und der VAI künftig in Großbritannien angesiedelt sein soll, sei ein Nachteil für Oberösterreich.

Die Siemens VAI Metals Technologies GmbH mit Sitz in Linz ist derzeit noch ein Tochterunternehmen der Siemens Österreich AG. Die frühere VA Tech, der voestalpine Industrieanlagenbau, wurde von Siemens übernommen und im Juli 2005 in Siemens Industrial Solutions and Services in der Sparte Metals Technologies eingegliedert.

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