"Mit der Wut im Bauch" bis ins Achtelfinale:
Schweiz hat Aufstieg noch nicht abgehakt

Trotz 0:1 Aufstieg aus eigener Kraft noch möglich Schweizer Medien erzürnt über den Schiedsrichter

"Mit der Wut im Bauch" bis ins Achtelfinale:
Schweiz hat Aufstieg noch nicht abgehakt © Bild: Reuters/Buholzer

Nach dem wütenden Auftritt des "Gentleman" ist nun der kühl kalkulierende Mathematik-Lehrer Ottmar Hitzfeld gefragt. Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied gegen Honduras sichert dem deutschen Trainer und seiner Schweizer "Nati" trotz der 0:1-Niederlage gegen Chile den Aufstieg ins Achtelfinale der Fußball-WM - dazu bedarf es keines Taschenrechners. "Ich war immer ein optimistisch denkender Mensch", sagte Hitzfeld mit Blick auf das letzte Gruppenspiel am Freitag. "Wir haben die Stärke, um Honduras zu schlagen."

Bei der Berechnung der Schweizer Chancen fand Hitzfeld, der die schwache Leistung des Unparteiischen heftig kritisiert hatte, seine Contenance wieder, während die Schweizer Medien am Tag nach der unglücklichen Schlappe gegen Chile - teilweise rassistisch - schimpften. "Schiri, du Kamel", schrieb etwa die Boulevard-Zeitung "Blick" am Dienstag wegen der umstrittenen Roten Karte des saudi-arabischen Referees Khalil Al Ghamdi für Valon Behrami (31.). "Ein Skandal", befand das Blatt und rechnete vor, dass der Schiedsrichter in drei Spielen vor der WM fünfmal Rot und 18-mal Gelb gezeigt hatte. Und die "Aargauer Zeitung" schrieb zum Ausschluss: "Die Entscheidung ist ein Witz."

"Der saudische Schiedsrichter Khalil Al Ghamdi hatte die Karten so locker wie ein Revolverheld seinen Colt", lautete das ebenfalls vernichtende Referee-Urteil des "Tagesanzeiger". Zugleich kritisierte die Zeitung aber auch Hitzfelds Abseitsfallen-Taktik: "Offside zu spielen, ist schon fast so riskant, wie im Roulette immer auf die 13 zu setzen." Neunmal ging es gegen Chile gut, beim Tor von Mark Gonzalez (75.) war die Abseitsstellung des Passgebers Esteban Paredes zumindest umstritten.

Flucht nach vorne
Gegen Honduras kann sich Hitzfeld jedenfalls die bisherige Mauertaktik nicht mehr leisten. Schließlich muss sein Team zwei Tore schießen, um sicher zu gehen und nicht auf Mithilfe angewiesen zu sein. "Für die Partie gegen Honduras ist es wichtig, dass wir offensiv besser ins Spiel kommen", forderte Eidgenossen-Verteidiger Stephan Lichtsteiner. "Defensiv standen wir bisher sehr gut."

Hitzfeld war sich trotz der kraftzehrenden Stunde zu zehnt sicher: "Wir werden diese Niederlage verkraften." Vor der Partie am Freitagabend in Bloemfontein "müssen wir schnell regenerieren und uns sofort wieder nach vorne ausrichten". Der erfahrene Coach sagte zuversichtlich: "Wir haben weiter eine gute Chance für die Qualifikation."

Tatsächlich sind die punktlosen und bereits ausgeschiedenen Honduras-Kicker schlagbar, Hitzfelds Team muss jedoch mehr Durchschlagskraft entwickeln. Auch bei 60 Minuten in Unterzahl war ein einziger Schuss aufs chilenische Tor viel zu wenig. Doch Innenverteidiger Steve von Bergen versprach: "Gegen Honduras werden wir mit Wut im Bauch spielen."

(APA/red)