Mister Sunshine ab nach Wien: Salzburger Landesrat Buchinger wird Sozialminister

PORTRÄT: Schon als AMS-Chef Liebling des Volkes "Zottl" bietet oft recht unkonventionellen Lösungen

Mister Sunshine ab nach Wien: Salzburger Landesrat Buchinger wird Sozialminister

Mit Erwin Buchinger (51) kommt ein klassischer Sonnyboy als neuer Sozialminister an den Wiener Stubenring. Der bisherige Salzburger Soziallandesrat war schon als regionaler AMS-Chef ein Liebling der Öffentlichkeit, das Image behielt er in der Landespolitik bei und nach seinem Erfolg mit der Etablierung der Mindestsicherung bei den Koalitionsverhandlungen war sein Weg in die Bundespolitik bereits deutlich vorgezeichnet.

Als Buchinger im Frühjahr 2004 der Ruf in die Salzburger Landesregierung ereilte, brachte er jenen Schwung von außen mit, der von Quereinsteigern erwartet wird: Der streitbare, aber kompromissbereite frühere AMS-Chef Salzburgs ließ wiederholt durch unkonventionelle Lösungen aufhorchen. Und wenn er nun nach nicht einmal drei Jahren in der Politik eine Etage höher in die Bundesregierung wechselt, zählt er längst zu den Profis.

Schon kurz nach seinem Einstieg in die Landesregierung demonstrierte der Sozial-Landesrat seine etwas andere Herangehensweise: An seinen freien Wochenenden leistete er freiwilligen Sozialdienst in fünf verschiedenen Einrichtungen, um den Sozialbereich auch aus der Perspektive der Betroffenen kennen zu lernen. Für Gerede sorgte auch seine schulterlange Haarpracht, die ihm im Landesdienst hinter vorgehaltener Hand den Namen "Zottl" einbrachte. Und in seiner Freizeit kurvt der 51-Jährige gerne mit dem Motorrad durch die Gegend.

Mit seinen ersten unpopulären Schritten in der Landesverwaltung legte sich der neue Personalreferent mit der erst seit kurzem SP-dominierten Personalvertretung an und schaffte sich unter den Landesbediensteten nicht nur Freunde. Ausgerechnet die ÖVP musste beispielsweise seine Pläne nach Kürzungen bei Personalzulagen verhindern. Seine großen Reformpläne in der Landesverwaltung scheiterten, weil es zu keiner Einigung mit dem Regierungspartner Volkspartei kam.

Buchinger scheut keinen Konflikt und setzt klar Grenzen, er ist aber auch stets zu Kompromissen bereit. Das mag mit eine Rolle gespielt haben, dass gerade ihm gemeinsam mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) auch die erste große rot-schwarze Einigung im Koalitionspoker gelungen war, nämlich im besonders umstrittenen Sozialbereich. Wie der künftige Minister überhaupt keine Berührungsängste hat: Er arbeitete in der Zukunftskommission der ÖVP Salzburg mit, beriet als damaliger AMS-Chef den ÖVP-Landeshauptmann Franz Schausberger in Fragen der Jugendbeschäftigung und zählte stets zu den Gesprächspartnern des Landessprechers der Grünen, Cyriak Schwaighofer.

Von seiner Herkunft her ist Buchinger eigentlich Oberösterreicher. Am Christtag 1955 als drittes von insgesamt sieben Kindern in Mauthausen geboren, wuchs der neue Sozialminister in eine katholische "rote" Familie hinein. Vater Erich Buchinger war in der späteren Heimat Rohrbach Bezirksparteisekretär der SPÖ, die Mutter Religionslehrerin - eine vor allem für damalige Verhältnisse und in einer tiefschwarzen Region erstaunliche Kombination.

Erwin Buchinger hielt es mit beidem. Er war mit den roter Falken unterwegs, aber auch als Ministrant - und sollte gemäß mütterlichem Wunsch Pfarrer werden. Da hatte die Liebe etwas dagegen, Buchinger heiratete Frau Elisabeth, wurde zweifacher Vater und promovierte als Jurist. Beruflich begann er im Landesarbeitsamt Oberösterreich, wechselte dann als Chef zur Salzburger Regionalstelle und war ab Ende 1991 bis zu seinem Einstieg in die Politik im Jahr 2004 für die aktive Arbeitsmarkt-Politik des Bundeslandes zuständig.

Politisch ist Buchinger eindeutig in der SPÖ beheimatet. Dem Engagement in der Sozialistischen Jugend und bei den Sozialistischen Studenten folgte in Salzburg die Mitarbeit in der dortigen SPÖ. Sein Bruder Reinhard gehört zum Stab von Parteichef Alfred Gusenbauer, Bruder Herbert ist seit Jahren auf einem SPÖ-Ticket Chef des Bundes-AMS. In der Jugend hießen sie die "Buchinger-Bande". Ein weiterer Bruder ist in einer Computerfirma Betriebsrat, eine Schwester bei der Arbeiterkammer beschäftigt.

Erwin Buchinger wird auch in der eigenen Familie als Strahlemann beschrieben, einer, mit dem jeder kann und der mit jedem kann. Wenn man mit ihm ins Gespräch, bekommt man stets freundlich und sachlich Auskunft. Arroganz ist nicht seines. Seine schulterlangen Haare und sein privat legeres Auftreten geben ihm rein optisch den Hauch eines Alt-68-ers. Ob Buchinger seine Lockerheit am glatten Wiener Parkett beibehält, ist abzuwarten. Auszuschließen ist es bei ihm nicht. (apa/red)