Mister Stahlbeton: Wie die Beton-Fraktion ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer durchboxte

NEWS: Verzetnitsch hinterlässt ÖGB schwieriges Erbe Bittere Niederlage der ÖGB-Reformer im Machtpoker!

Mister Stahlbeton: Wie die Beton-Fraktion ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer durchboxte

Nach dem Bawag-Skandal und dem Rücktritt von Fritz Verzetnitsch wurde der Posten des mächtigen ÖGB-Bosses vakant. NEWS berichtet, wie Interims-Chef Rudolf Hundstorfer alle Nachfolge-Favoriten ausbremste und zum Dauerprovisorium wurde.

Daran konnten sich selbst die älteren Betriebsratskaiser nicht erinnern, dass so etwas schon einmal vorgekommen wäre: Nach drei Stunden Feilschen um die Zukunft des ÖGB in der Wiener Zentrale des Metaller-Bosses Rudolf Nürnberger taucht via Tiefgarage ein seltsamer Gast in der SP-Fraktion des ÖGB auf: der "schwarze Fritz", Fritz Neugebauer, Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. Und da war allen Insidern klar: "Habemus Hundsi."

Rudolf Hundstorfer, 54, Chef der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, hatte den Coup seines Lebens gelandet - und das totale Patt zwischen den ÖGB-Reformern um GPA-Chef Wolfgang Katzian, Drucker-Boss Franz Bittner sowie den Betonierern, die bestenfalls kosmetische Reformen im ÖGB wollen, auf höherer Ebene aufgelöst: Denn Hundstorfer, schon dreimal verheiratet, allerdings zweimal davon mit ein und derselben Frau, und ein Intimus des Ex-ÖGB-Chefs Fritz Verzetnitsch, hatte - fraktionsübergreifend - für neue Mehrheiten gesorgt.

Reformer mit VP-Hilfe ausgebremst
Hundstorfer, der Mann des Apparats, dem in der ÖGB-Zentrale Sympathien zufliegen, weil er kein Personal abbauen will, hatte folgende Gruppen hinter sich: viele kleine und mehrere der mittelgroßen, aber finanzschwachen Gewerkschaften, die eine starke ÖGB-Zentrale brauchen, weil sie finanziell sonst nicht überleben können. Ein Insider formuliert es NEWS gegenüber drastisch: "Ohne die kreative Buchhaltung der Ära Verzetnitsch hätten die Hunderte Millionen Schulden beim ÖGB." Dazu kamen - wie man an den fröhlichen Gesichtern der an sich machtlosen Länder-Bosse sehen konnte - mehrere ÖGB-Landesgruppen. Sie wollten verhindern, dass sich die mitgliederstärksten Gewerkschaften, GPA und Metaller, die Macht im Bundes-ÖGB aufteilen und schmerzhafte Reformen einleiten. Nach zwei Stunden Debatte herrschte das totale Patt in der roten Fraktion, die 70 Prozent der Delegierten auf einem Bundeskongress stellt.

SP-intern gab es eine hauchdünne Mehrheit - für den 49-jährigen "Reformer" Wolfgang Katzian. Hundstorfer, von Fritz Verzetnitsch jahrzehntelang in die Feinheiten der ÖGB-Machtstruktur eingeschult, rechnete kurz nach und dann den Genossen vor - bei einer rot-internen Kampfkandidatur würden ausgerechnet die VP-Gewerkschafter Zünglein an der Waage sein und sich de facto den Präsidenten aussuchen können.

Und dann packte Statutenfuchser Hundstorfer sein letztes Atout aus: Man könne ja die Entscheidung vertagen. Er jedenfalls wolle kein "Verräter" sein. Fritz Neugebauer wurde konsultiert und ein "Königsweg" - zumindest in der Logik des ÖGB - vorgeschlagen: Der für 19. Juni geplante Wahlkongress wird storniert, Hundstorfer ohne Wahl zum geschäftsführenden ÖGB-Chef bestellt. Und erst beim nächsten regulären Kongress im Oktober 2007 wird ein Nachfolger gewählt. Der müsse, so das Signal des Interimsbosses, ja nicht unbedingt Rudolf Hundstorfer heißen.

Wird er aber, wenn der Vorsitzende des Wiener Gemeinderats - ob er da zurücktritt, will er erst "in Ruhe besprechen" - keine allzu großen Fehler macht: Schwierig wird das Erbe freilich allemal - seit den 90ern ging die Mitgliederzahl von 1,6 auf 1,35 Millionen zurück. Die Einnahmen schrumpften damit hochgerechnet von 200 auf 160 Millionen Euro.

Schon für 2005 droht ein operativer Verlust von 43 Millionen Euro. Und die Prognosen für 2006? Konnte man bisher über Kapitalerträge, etwa die 15 Millionen aus der Bawag, rote Zahlen kaschieren, wird das bald unmöglich sein.

Die ganze Story sowie ein Interview mit Neo-ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer lesen Sie im aktuellen NEWS!