Missbrauchs-Opfer fordern Entschädigung von Diözesen: Bis zu 130.000 Euro/Person

Anwalt erhebt im Namen der Opfer Ansprüche Kirche wird außerdem Unterlassung zur Last gelegt

Die Rechtsvertretung Betroffener von sexuellem Missbrauch in der Kirche hat nun Aufforderungsschreiben an die Diözesen verschickt. Darin werden für die 131 Kläger Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 130.000 Euro pro Person verlangt. Den jeweiligen Diözesen sowie Erzdiözesen wird Unterlassung zur Last gelegt.

Weiters wirft Rechtsanwalt Werner Schostal der Kirche vor, als Erfüllungsgehilfe bei den verschiedenen Fällen von Missbrauch mitgewirkt und Geistliche bewusst weiter eingesetzt zu haben. "Da der Diözese bekannt war, dass es in Ihrer Diözese zu sexuellen Übergriffen auf Schutzbefohlene gekommen ist, und sie nichts dagegen unternommen hat, setzte sie ein objektiv pflichtwidriges und daher schuldhaftes Verhalten", heißt es in dem Aufforderungsschreiben, das der APA vorliegt. Schostal, der die Opfer - sie sind in der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" organisiert - vertritt, hat in einem ersten Schritt an sechs Diözesen ein Schreiben gerichtet, das jeweils einen exemplarischen Fall behandelt. Innerhalb von zehn Tagen muss eine Antwort erfolgen.

Verjährung will er nicht anerkennen
Die sexuellen Übergriffe lassen das Verhalten der Diözesen "in einem noch strengeren Licht erscheinen", ist der Anwalt der Meinung. Die Opfer hätten sich "voll und ganz der Institution Kirche" anvertraut. "Auch an Aufklärung war in dieser Zeit noch nicht zu denken, sodass das Opfer sich niemanden anvertrauen konnte und mit der Tatsache des sexuellen Übergriffes alleingelassen wurde." Eine Verjährung in manchen Fällen will der Anwalt nicht anerkennen.

Unterlassungsdelikt
Neben dem Tatbestand des Missbrauchs erfülle die Kirche noch jenen eines Unterlassungsdelikts, ist Schostal der Ansicht. "Die Erzdiözese nahm es billigend in Kauf, dass sexuelle Übergriffe auf Schutzbefohlene geschehen, da sie keine erkennbaren Gegenmaßnahmen setzte bzw. sich nicht vergewisserte in weit in ihrer Diözese solche Vorfälle passieren", so die Begründung.

Entschädigungen von 15.000 bis 130.000 Euro
Schostal geht davon aus, dass sich die Summen der Entschädigungszahlungen in der Bandbreite von 15.000 Euro für leichte Gewalt und 130.000 Euro für schwere Gewalt bewegen müssen. Bis zur genauen Klärung der Ansprüche sind die Diözesen aufgefordert, "ohne weiteres Zuwarten" ein Akonto in der Höhe von 15.000 Euro zu erbringen. (apa/red)

Kommentare

Entschädigungszahlungen Jetzt darf nicht locker gelassen werden, sonst werden solche Zahlungen genauso verschleppt wie die Aufklärung und Bereinigung der Missbrauchsvorfälle in den letzten Jahrzehnten.

galileo2

was müßten dann kinder von staat bekommen, die jahrelang misshandelt wurden u mehr schläge bekamen als zum essen? Wir waren damals auch den Erziehern unbarmherzig ausgeliefert, davon redet niemand. es war nicht nur die kirche, es war auch der staat der kinder körperlich aufs extremste misshandelt hat.

Seite 1 von 1