Missbrauch als "Aufklärungsmaßnahmen":
"Guru" verging sich an eigenen Töchtern

Salzburg: Prozess gegen 65-Jährigen hat begonnen Sexuelle Übergriffe gehörten zu seinem Weltbild

Ein selbst ernannter "Guru" muss sich wegen des Verdachtes des schweren Kindesmissbrauchs vor einem Salzburger Gericht verantworten. Der 65-jährige Mann aus St. Pölten soll seine zwei Töchter ab 1986 zehn Jahre lang sexuell missbraucht haben. Dem 65-Jährigen drohen fünf bis 15 Jahre Haft, beantragt wurde eine Einweisung in eine geschlossene Anstalt.

Es habe sich um Aufklärungsmaßnahmen gehandelt, die aus seinem esoterischen Weltbild resultierten, so rechtfertigte der "Helfer in Not" im Vorverfahren die sexuellen Übergriffe auf seine damals noch minderjährigen Kinder in einem Haus im Salzburger Tennengau. Die Verhandlung ist für zwei Tage anberaumt.

Die ältere der beiden Töchter - sie war 1986 vier Jahre alt - erlitt laut Anklage eine posttraumatische Belastungsstörung, deren Ausprägungsgrad als schwere Körperverletzung zu werten sei. Bei dem jüngeren Mädchen attestierte der Gerichtsgutachter eine mittelgradige Störungssymptomatik. Mit ihrer "Aufklärung" soll der Beschuldigte 1991 begonnen haben, da war das Kind acht Jahre alt.

Erst im April 2000, also vier Jahre nach dem Tatzeitraum, erzählten die Mädchen ihrer Mutter von den schockierenden Vorfällen. Die Frau hatte ihren Lebensgefährten 1996 aus der gemeinsamen Wohnung geworfen.

Trotz internationalem Haftbefehl und seiner auffälligen Erscheinung - er trug weiße, fliegende Gewänder und einen langen, weißen "Rauschebart" - gelang es dem "Guru", der Exekutive mehrere Jahre zu entwischen. Die Handschellen klickten am 14. Juli 2006 in einem Garten in Großgmain (Flachgau).

Die Palette der angelasteten Delikte ist lang: Schwerer sexueller Missbrauch und Unzucht mit Unmündigen, Blutschande sowie Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses. (apa/red)