Ministerpräsident für Putin "realistisch":
Präsident wird zur Parlamentswahl antreten

Ex-KGB-Chef will aber auch künftig parteilos bleiben Auch Kreml-Kritiker Kasparow beantragte Teilnahme

Russlands Präsident Putin hat seine Teilnahme bei den Parlamentswahlen im Dezember angekündigt. Er habe den Vorschlag der Partei Geeintes Russland "mit Dankbarkeit" angenommen, ihre Liste anzuführen, sagte Putin auf dem Parteitag der Kreml-treuen Gruppierung. Auch der Ex-Schachweltmeister und Kreml-Kritiker Kasparow beantragte offiziell die Teilnahme seines Oppositionsbündnisses.

"Die Regierung zu führen ist ein realistischer Vorschlag, aber es ist noch zu früh daran zu denken", erklärte Putin, der im nächsten Jahr sein Amt als Staatschef abgeben muss. Putin nannte zwei Bedingungen für eine Übernahme der Regierung. "Geeintes Russland muss die Parlamentswahlen am 2. Dezember gewinnen. Zweitens muss der Präsident ein ehrlicher, fähiger und moderner Mann sein, mit dem man im Tandem arbeiten könnte", sagte Putin. Der Kremlchef betonte, auch künftig parteilos bleiben zu wollen.

Wenn schon nicht mehr Präsident...
Die russische Verfassung verbietet Putin eine dritte Kandidatur bei der Präsidentenwahl im März des kommenden Jahres. In Russland gibt es seit Monaten Spekulationen um Putins politische Zukunft. Die Ankündigung ist der bisher deutlichste Hinweis auf Putins Pläne. Beobachter halten Änderungen im politischen System Russlands für denkbar, bei denen die Machtfülle des Präsidenten zugunsten des Ministerpräsidenten beschnitten werden könnte.

Regierungs-Kritiker Kasparow tritt auch an
Die Wahlleitung bestätigte den Eingang des Registrierungsantrags von Kasparows Bündnis Anderes Russland. Die Kandidatenlisten, die Kasparow und sein Mitstreiter Eduard Limonow bei der Zentralen Wahlkommission einreichen wollten, wurden aber abgelehnt. Anderes Russland sei keine eingetragene politische Partei, stellte die Kommission fest. Dennoch kündigte Kasparow an: "Wir werden trotzdem eine vollwertige Kampagne aufziehen."