Minister samt 19 Leibwächtern entführt: Konvoi im Irak von Unbekannten angegriffen

Keine Informationen über Tote oder Verletzte

Im Irak ist der stellvertretende Energieminister Raad al-Harith entführt worden. Mit ihm wurden 19 Leibwächter verschleppt, wie die Polizei in Bagdad mitteilte. Als Angehörige der Sicherheitskräfte getarnte Bewaffnete hätten den Konvoi des Politikers im Bagdader Stadtteil Talbiya angehalten. Zusammen mit ihren Geiseln seien die Täter in neun Geländewagen mit unbekanntem Ziel verschwunden. Am vergangenen Wochenende hatte die Entführung der sunnitischen Parlamentsabgeordneten Taiseer Najah Awad al-Mashhadani mit ihren Leibwächtern zum Parlamentsboykott des Sunnitenblocks geführt.

Der Konvoi des Regierungsmitglieds sei im Osten der Hauptstadt von zahlreichen uniformierten Bewaffneten angegriffen worden, hieß es. Demnach lauerten die Angreifer mit ihren Fahrzeugen dem Vizeminister auf und blockierten dessen Weiterfahrt, bevor sie ihn in ihre Gewalt brachten. Ob es bei dem Überfall Tote und Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt.

Mitglieder der von der schiitischen Mehrheit dominierten irakischen Regierung sind häufig Ziel von Anschlägen. Der Aufstand wird von radikalen Sunniten getragen, die die von den USA unterstützte Regierung von Premier Nuri al-Maliki stürzen wollen. Die Regierung hatte kürzlich einen Versöhnungsplan vorgelegt. Al-Kaida-Extremisten haben wiederholt allen Sunniten mit dem Tod gedroht, die sich am politischen Wiederaufbau beteiligen.

In der schiitischen Pilgerstadt Kerbala greift unterdessen die Selbstjustiz um sich. Wie ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in Kerbala mitteilte, wurden erneut vier Menschen von Unbekannten ermordet, darunter eine Frau und zwei ehemalige Mitglieder der früheren Baath-Partei von Ex-Präsident Saddam Hussein. Ihr Mörder erschoss sie im Vorbeifahren von dem Rücksitz eines Motorrades aus. In Kerbala häufen sich seit einigen Wochen die Morde an früheren Baathisten. Die von Sunniten dominierte panarabische Partei hatte bei der blutigen Niederschlagung des Schiiten-Aufstands in Kerbala, Najaf und anderen Städten des Süd- und Zentralirak 1991 eine unrühmliche Rolle gespielt. Die US-Armee hatte im Juni einen prominenten Kommunalpolitiker aus Kerbala gefangenen genommen, weil er Morde in Auftrag gegeben haben soll, unter anderem an ehemaligen Baathisten.

Ein ehemaliger US-Soldat muss sich vor einem amerikanischen Gericht wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer jungen Irakerin und vierfachen Mordes verantworten. Der Bundesstaatsanwalt des Staates North Carolina erhob am Montag Anklage gegen den 21-jährigen Steven Green. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit drei anderen US-Soldaten im März in einem Privathaus nahe Mahmudiya südlich von Bagdad das Mädchen vergewaltigt und sie dann mit drei Familienangehörigen erschossen zu haben. Die Tat sei sorgfältig geplant worden und sollte irakischen Aufständischen zur Last gelegt werden, so die Anklageschrift. Das US-Militär untersucht vier ähnliche Fälle, darunter die Ereignisse in Haditha, wo im November unter ungeklärten Umständen 24 Zivilisten umkamen. Die Ermittlungen dauern an. In zwei anderen Fällen mit insgesamt vier Toten wurden zwölf US-Soldaten angeklagt.

(apa/red)