Arbeitsplätze von

Kostet der geplante
Mindestlohn Jobs?

Antworten auf 5 brennende Fragen zum Thema

Euro © Bild: Istockphoto.com/gregory_lee

Der Plan A von Bundeskanzler Christian Kern sieht einen Mindestlohn von 1.500 Euro brutto vor. Dabei stößt dieser Vorschlag nicht überall auf Gegenliebe. Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass tausende Arbeitsplätze betroffen wären. Gewerkschafter halten dagegen.

1. Wie viele Österreicher verdienen weniger als 1.500 Euro?

Derzeit verdienen laut Arbeiterkammer in Österreich 138.000 Menschen, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, weniger als 1.500 Euro brutto. Dazu kommen mehr als 160.000 Teilzeit-Beschäftigte. Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer aus sogenannten Niedriglohnbranchen wie beispielsweise Hotel- und Gastgewerbe, Bewachung, Reinigung oder Personenbeförderung.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch spricht sogar von über 300.000 Menschen, die derzeit bei Vollzeitarbeit einen Bruttolohn von weniger als 1.500 Euro erhalten. Sie gelten als "working poor" (arm trotz Arbeit).

2. Wer soll den Mindestlohn umsetzen?

Der Themenbereich Mindestlohn fällt in die Zuständigkeit der Sozialpartner: Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und Gewerkschaft sollen sich um die Umsetzung kümmern - im Gegenzug fordert die Wirtschaft flexiblere Arbeitszeiten. Offen ist dabei noch, wie dieser Punkt genau geregelt wird. Die Sozialpartner plädieren für eine Vereinbarung ohne gesetzliche Regelung, während Kern angekündigt hat, einen Mindestlohn von 1.500 Euro für alle Branchen notfalls per Gesetz durchsetzen zu wollen. Bis Ende Juni sollen die Sozialpartner ihre Vorschläge der Regierung vorlegen.

3. Was sagen Kritiker?

Skeptiker oder Kritiker befürchten, dass durch die Vereinbarung eines Mindestlohns von 1.500 Euro brutto, etliche Arbeitsplätze verloren gehen würden. Bestimmte Branchen äußerten Bedenken darüber, ob der Mindestlohn für gewisse Arbeitgeber überhaupt leistbar ist. "Die Umsetzung des Mindestlohns wird davon abhängen, welche Übergangszeiträume für die Branchen vereinbart werden", teilt der Bundesinnungsmeister der Friseure, Wolfgang Eder, in einer Aussendung mit. Ähnlich sieht das der Bundesinnungsmeister der Floristen, Rudolf Hajek: "Mindestlohn und steigende Arbeitslosigkeit sind untrennbar miteinander verbunden. Denn nur wenn der Mindestlohn für die Betriebe leistbar ist, ist er auch umsetzbar."

Eine aktuelle Studie des Thinktanks "Agenda Austria" schlägt in dieselbe Kerbe: Das laut eigenen Angaben von Staat, Parteien, Kammern und Interessenverbänden unabhängige Institut kommt zu dem Ergebnis, dass ein Mindestlohn von 1.500 Euro brutto in Österreich mindestens 20.000 Jobs kosten würde. Ein probates Mittel gegen Armut sei der Mindestlohn ihrer Ansicht nach daher nicht. Die Berechnungen stützen sich auf derzeitige Kollektivverträge und die Beschäftigungslage im Land. Besonders das Gewerbe und der Handel seien betroffen.

4. Was sagen Befürworter?

Gewerkschafter, SPÖ und Grüne fordern schon seit längerem einen Mindestlohn. Den Verlust von Arbeitsplätzen weisen die Gewerkschaften zurück. "Fakt ist: Mindestlöhne kommen der Wirtschaft zugute, weil das Mehr an Einkommen sofort in den privaten Konsum fließt", sagt Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske. Gerade im unteren Einkommensbereich fließe der Großteil des höheren Gehalts sofort in den Konsum. Konkret würden von 100 Euro mehr 80 Euro sofort wieder ausgegeben.

Ein Mindestlohn von 1500 Euro koste keinen einzigen Arbeitsplatz im Handel, wie Karl Dürtscher, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, mitteilt. Höhere Einkommen würden auch die Motivation der Beschäftigten stärken. Im Handel gebe es nur eine einzige Verwendungsgruppe, in der das Mindestgehalt unter 1500 Euro liegt, davon seien fast ausschließlich Praktikanten betroffen.

"Wir fordern die Mindestlohnerhöhungen nicht zuletzt deswegen, weil wir den von uns vertretenen Beschäftigten auch im Alter ein Leben in Würde ermöglichen wollen. Und dafür muss es den Menschen ermöglicht werden, ihren Lebensunterhalt mit ihren Pensionen bestreiten zu können", teilte Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrs-und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Anfang Februar in einer Aussendung mit.

5. Welche Vorteile hat der Mindestlohn für Frauen?

SPÖ und Gewerkschaft sehen im Mindestlohn auch eine Chance für Frauen. Gerade im Handel arbeite fast jede zweite Frau Teilzeit, viele gegen ihren Willen, sagt Ilse Fetik, Frauenvorsitzende der GPA-djp. "Bei diesem Ausmaß an Teilzeitbeschäftigung würde die Erhöhung des Mindestlohns vielmehr den Druck verringern, in die Armutsfalle zu geraten und Zuschüsse aus der Mindestsicherung beantragen zu müssen", teilt Fetik mit.

Nach Angaben von SPÖ-Sozialsprecher Muchitsch sind zwei Drittel der Vollzeitarbeitskräfte, die derzeit unter 1.500 Euro brutto verdienen, Frauen.

Kommentare

wie kann man eigentlich gegen seinen Willen Teilzeit arbeiten ?? Sklaverei gibt es doch nicht mehr ... oder habe ich etwas versäumt ??
Schön das sich die Frauenvorsitzende der GPA-djp zu Wort meldet - was sagt eigentlich der Männervorsitzende der GPA-djp dazu ?
ups .... den gibt es ja gar nicht :-) Männer haben keine Lobby .... nicht mal in der eigenen 'Vertretung'

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