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Sporteln und entspannen
am Millstätter See

Reise-Tipp - Sporteln und entspannen
am Millstätter See © Bild: APA/picturedesk.com/Barbara Gindl

Seeüberquerung mit dem Seniorchef, Fischen mit dem Hotelbesitzer und Trommelworkshop mit dessen Schwager - Familie Sichrowsky bietet in ihren Hotels am Kärntner Millstätter See mehr als eine Unterkunft an.

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Jeden Samstag um 11 Uhr rudert Familie Sichrowsky mit ihren Gästen vom Badestrand der Villa Postillion quer über den Millstätter See ans Südufer. Denn dort startet die wöchentliche Seeüberquerung, bei der die Teilnehmer die 1.042 Meter zurück zum Hotel schwimmend bewältigen. Seit über 30 Jahren bietet der ehemalige Kärntner Schwimmmeister Ulrich Sichrowsky diese Aktivität von Mitte Mai bis Mitte September an. Rund 6.000 Gäste haben bisher den See überquert, all ihre Namen und Zeiten sind in einem Buch vermerkt. Der Rekord für die Strecke liegt übrigens bei knapp 15, der Schnitt bei 40 Minuten.

© Villa Postillion Peter Sichrowskys Vater Ulli rief die Seeüberquerung ins Leben

Der Millstätter See ist bis zu 141 Meter tief und erreicht im Sommer Temperaturen bis zu 26 Grad. Er ist glasklar und hat Trinkwasserqualität. Das verdeutlicht der 72-Jährige Ulrich Sichrowsky, indem er vor dem Startschuss noch ein Glas Seewasser trinkt.

Frische Reinanken

Auf ihrem Weg durchqueren die Schwimmerinnen und Schwimmer auch die Fischgründe der Familie. "Mein Ururgroßvater war der letzte K.u.k.-Hoffischer am Millstätter See. Von ihm haben wir die Fischereirechte geerbt", sagt Ulrichs Sohn Peter Sichrowsky. Der 38-Jährige Hotelchef rudert einmal täglich in der traditionellen Holzzille zu den Netzen und zieht sie aus 20 Metern, jener Tiefe, in der sich die Reinanken aufhalten, nach oben. "Wir wollen immer nur so viele Fische fangen, wie wir auch servieren", sagt er. Sind die Fische aus, werden sie von der Speisekarte gestrichen. Dafür hätten die Gäste durchaus Verständnis: "Schließlich bedeutet das nur, dass die Fische wirklich frisch sind."

Die Zahl der Fische im Netz variiere von Tag zu Tag und hänge unter anderem von der Mondphase ab, erklärt der fischende Hotelchef. "Bei Neumond sind es deutlich mehr. Bei Vollmond ziehen sich die Reinanken nämlich in tieferes Wasser zurück, um im hellen Mondlicht nicht so leicht von ihren Feinden entdeckt zu werden. Unsere Netze reichen aber nicht so tief hinab."

Von Moskau zurück an den See

Auch Gäste können mit zum Fischen kommen - und die Reinanken am nächsten Abend essen. "Die Fische müssen noch einen Tag abliegen", erklärt Sichrowsky, "Dann schmecken sie noch besser."

© Christine Lugmayr Peter Sichrowsky mit einer frisch gefangenen Reinanke

Peter Sichrowsky übernahm das Hotel offiziell vor zwei Jahren von seinen Eltern. Die Entscheidung, ob er den Familienbetrieb einmal übernimmt, war für ihn ein längerer Prozess. Zunächst studierte er internationale Betriebswirtschaft, dann arbeitete er vier Jahr für ein Bauunternehmen in Moskau. Dabei wurde ihm klar, dass er zurück an den Millstätter See wollte. Im letzten Monat seines Aufenthalts in Russland traf er seine spätere Frau, Inna. "Wir haben uns auf der Party von Freunden kennen gelernt. Als wir uns dann danach zum ersten Mal wieder gesehen haben, hat er gleich ein dickes Buch über den Millstätter See mitgebracht", erinnert sich Inna Sichrowsky lachend zurück.

Und tatsächlich, nur neun Monate nach dem Kennenlernen reiste sie nach Kärnten an den Millstätter See - und war sofort begeistert.

Blumen und Kräuter

Mittlerweile lebt sie seit acht Jahren hier, spricht perfekt Deutsch und arbeitet im Hotel mit. Einerseits in der Gästebetreuung, andererseits ist sie für die Blumen und Kräuter zuständig. So kümmert sie sich etwa um die Pflanzen für die Dekoration der Speisen. "Bei uns ist alles, was auf den Teller kommt, essbar", so Inna Sichrowsky. Sie macht Sirup, Tee und Marmeladen für das Frühstück. Außerdem bietet sie Kurse für Kinder an, in denen etwa Lippenstift oder Zahnpasta selbst hergestellt wird. "Unsere Philosophie ist es, einen Bezug und eine Wertschätzung gegenüber der Natur unseren Gästen und vor allem auch den Kindern zu vermitteln", sagt sie.

© News/Karin Netta Der bis zu 141 Meter tiefe See ist der zweitgrößte Kärntens Millstätter See

In Russland hat Inna Sichrowsky Tourismus studiert. Nach einem Jahr in einem Business-Hotel in Sotchi wollte sie aber eigentlich nicht mehr in dieser Branche arbeiten. Das hat sich durch ihren Umzug nach Kärnten an den Millstätter See geändert. "Wir haben sehr viele Stammgäste, und ich schätze die familiäre, positive Atmosphäre hier wahnsinnig", schwärmt sie.

Die Atmosphäre und das persönliche Engagement der Gastgeber begeistern auch die Gäste. So kommen an jenem sehr herbstlichen Samstag Anfang September mehr als ein Dutzend Teilnehmer, die den See durchschwimmen wollen.

Einen Kilometer später, wieder am Badestrand der Villa Postillion angekommen, sind sich die meisten sicher: Sie kommen nächstes Jahr wieder, und wer weiß, vielleicht werden sie dann ihre neue persönliche Bestzeit bei der Seeüberquerung aufstellen.

Reise-Tipps

Direkt am See und nahe den Bergen. Die Villa Postillion am See wurde im Frühjahr nach Um- und Ausbauarbeiten wieder eröffnet. Die Zimmer verfügen über extra große Balkone mit herrlichem Seeblick. Es gibt u. a. einen Spa-Bereich, eine 100 Meter lange Liegewiese und einen Infinity-Pool. Peter Sichrowskys Schwager Robert Sichrowsky-Dobernig bietet Shiatsu und Trommelworkshops an.

© Gert Perauer

Für Familien ist das Familienhotel Post ist mit eigens auf Kinder und Jugendliche abgestimmte Aktivitäten empfehlenswert.

Anreise. Mit dem Zug von Wien über Villach nach Spittal-Millstätter See.

© Villa Postillion

Aktivitäten. Peter Sichrowskys Mutter Eva (Mitte) bietet für Gäste regelmäßig geführte Wandertouren an. Im Frühjahr und Herbst können mit Eva Sichrowsky als Wanderführerin auch mehrtägige Touren mit Hüttenübernachtungen entlang des Alpe-Adria-Trails gebucht werden. Sufen, Segeln, SUP in der nahen Surf- und Segelschule. Zum Skifahren liegt das Skigebiet Goldeck in der Nähe.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im News 38/2019.