"Millionen von Fans jubeln über Ukraine": Jubel, Trubel, Heiterkeit trotz miesem Spiel

Einzig Coach Blochin findet kritische Worte für Team Tunesier verbittert, aber zufrieden mit Geleistetem

In Kiew wurde nach dem 1:0 in Berlin gegen Tunesien der Aufstieg der Fußballer ins WM-Achtelfinale groß gefeiert. Präsident Viktor Juschtschenko meinte in einem Telegramm an Oleg Blochin gar, "im Namen von Millionen ukrainischer Fans danke ich den Spielern für ihre historische Leistung". Doch wenigstens der Teamchef blieb kritisch. "In der zweiten Hälfte haben wir trotz numerischer Überlegenheit zum Fußballspielen aufgehört. Es gab Disziplinlosigkeiten auf dem Platz, die für eine große Mannschaft unentschuldbar sind", schimpfte der einstige Weltklasse-Stürmer.

Das 1:0 nach einer schwachen Leistung, das durch ein Elfergeschenk des argentinischen Gelb-Schiedsrichters Carlos Amarilla an Andrej Schewtschenko zustandekam (der enttäuschende Stürmerstar verwandelte in der 70. Minute höchstpersönlich) bedeutete für den WM-Neuling Endrang zwei Rang zwei in der Gruppe H und nun ein Duell am Montag in Köln mit der Schweiz. Da werden die Ukrainer allerdings ihre bessere Seite (wie beim 4:0 gegen Saudi-Arabien) zeigen müssen, wollen sie eine Chance haben. Dass das Spiel um 21 Uhr angepfiffen wird, sollte ihnen entgegenkommen, beim 0:4 gegen Spanien und nun beim 1:0 gegen die Tunesier mussten sie jeweils schon am heißen Nachmittag antreten.

Schewtschenko gab zwar zu, dass es kein tolles Match gewesen war, "doch das lag hauptsächlich an dem gewaltigen Druck, der auf uns lastete". Denn sie wollten vor allem nicht verlieren, da ein Remis schon zum Aufstieg reichte, "über den wir überglücklich sind". Was den Elfer betrifft, so wollte er einen Kontakt gespürt haben, der ihn zu Fall brachte. "Ich wurde gefoult", behauptete jedenfalls "Shev", der über seine Fitness-Fortschritte nach einer Knieverletzung erfreut ist.

Wenig erfreut zeigten sich die Tunesier über den paraguayischen Referee. "Ich werde niemals den ersten Stein werfen", sagte Teamchef Roger Lemerre, "aber in unserer Kabine ist die Bitterkeit groß". Amarilla (nomen est omen) verteilte insgesamt acht gelbe Karten, zwei davon zeigte er Stürmer Jaziri, der unmittelbar vor der Pause mit "gelb-rot" (eine zu harte Entscheidung) bedacht wurde, weshalb die Afrikaner die komplette zweite Hälfte mit zehn Mann bestreiten mussten. Der Elferpfiff erzürnte dann vollends. "Das war nie und nimmer einer", betont Radhi Jaidi, "wir haben Probleme mit den Schiedsrichtern seit dem ersten Spiel". Allerdings gibt der Verteidiger von Bolton Wanderers zu, "dass es wohl nicht mehr als ein 0:0 geworden wäre, und das hätte auch nicht gereicht",

Trotz des Ausscheidens ist Roger Lemerre mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden. "Wir können jedenfalls mit erhobenem Haupt die Heimreise antreten. Ich bedaure nur, dass wir nicht gegen Saudi-Arabien gewonnen haben. Diese WM hat uns viel gebracht. Nun müssen wir den Blick schon auf die nächsten Aufgaben richten, die Afrika-Meisterschaft und die Qualifikation für die WM 2010", meinte der Franzose.
(apa/red)