Milliardenmarkt Kaffee: Das Kulturgut ist
nach Rohöl wichtigste Handelsware der Welt

FORMAT zeigt, wie das globale Business derzeit läuft Plus: Von der Bohne bis zum Löskaffee - wer verdient

Milliardenmarkt Kaffee: Das Kulturgut ist
nach Rohöl wichtigste Handelsware der Welt

Das Kulturgut Kaffee ist nach Rohöl die wichtigste Handelsware der Welt. FORMAT zeigt, wie das globale Business läuft und wer mit den Bohnen das meiste Geld macht.

Der Röstmeister öffnet die Trommel mit den frisch gebräunten Bohnen, und ein erdig-warmer Duft erfüllt die Produktionshalle. Ernst Naber greift sich eine Hand voll der glatten, flachen Kaffeebohnen. Er mahlt sie in seiner handbetriebenen Kaffeemühle und braut daraus einen kleinen Mokka. Versonnen erschnuppert er das unvergleichliche, feine Aroma des frisch zubereiteten Kaffees und nimmt einen kleinen Schluck. "Ausgezeichnet", urteilt er, "ein starker Geschmack, nicht bitter und eine angenehme Säure."

Als Inhaber der gleichnamigen Wiener Familienrösterei testet der 61-jährige Naber fast nach jeder Röstung, die er vor allem an Restaurants und Cafés liefert. So kommt er an manchen Tagen auf zehn Tassen. "Ich liebe Kaffee", schwärmt Naber, der pro Jahr 400 Tonnen rohen Arabica-Kaffee verarbeitet. "Kaffee ist wie guter Wein, eine Komposition aus vielen verschiedenen Geschmäckern." Ein Erlebnis, das Konsumenten sogar noch beim Öffnen vakuumverpackten, vorgemahlenen Kaffeepulvers nachvollziehen können. Kaffee ist nicht nur selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens, sondern auch ein Kulturfaktor, so wie die Melange für den Wiener Lifestyle. Österreichs Kaffeekultur mit so ausgefeilten Zubereitungsvarianten wie Einspänner, Kapuziner und Fiaker sucht weltweit ihresgleichen. Die Passion für die braune Bohne wird hierzulande beispielsweise auf dem jährlichen Kaffeesiederball zelebriert, Kaffeehausliteraten war der braune Trunk Quelle der Inspiration. Mit acht Kilo Rohkaffee pro Kopf und Jahr oder drei Tassen täglich liegt Österreich beim Verbrauch mit an der Weltspitze - etwa deutlich vor Italien, dessen Espressokultur zum auch in unseren Breiten beliebten Exportschlager wurde.

Kaffee prägt in unserer Hemisphäre Alltagskultur und Lebensstil - vom klassischen Wiener Kaffeehaus über die typisch italienische Bar bis zum US-Fastfood-Lokal, wo der dort schwache Filterkaffee auf Wunsch immer neu nachgeschenkt wird. Kaffee ist jedoch auch ein bedeutender Weltwirtschaftsfaktor: Nach Erdöl ist der grüne Rohkaffee das wichtigste Handelsgut der Erde. 2006 wurden knapp 6,8 Millionen Tonnen Bohnen bewegt, und am globalen Kaffeemarkt werden jährlich rund 35 Milliarden Dollar umgesetzt. Hundert Millionen Menschen verdienen direkt durch den Anbau oder indirekt mit Handel und Vermarktung ihren Lebensunterhalt mit der Handelsware Kaffee.

Der Megamarkt Kaffee ist derzeit allerdings stark im Umbruch: Die Preise an den Warenbörsen in New York und London steigen momentan rasant an. Im Jänner kletterte der durchschnittliche Rohkaffeepreis auf 109,01 US-Cent pro Pfund (0,45 Kilogramm) - der höchste Wert seit Juni 1998. Gleichzeitig stagniert der Verbrauch: In den Industrieländern, den wichtigsten Absatzmärkten für Rohkaffee, wird weniger Kaffee konsumiert. Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé und Tchibo/ Eduscho, die weltweit größten Röster, können Umsätze nur noch steigern, indem sie Mitbewerber beinhart verdrängen oder teurere Produkte wie Kapseln und Pads auf den Markt bringen. "Am internationalen Kaffeemarkt ist ein neuer Kampf ausgebrochen", analysiert Eric Katzman, Kaffeeexperte der Deutschen Bank.

Der Handel mit Bohnen befindet sich global gesehen in wenigen Händen: Vier Unternehmen, darunter die deutsche Neumann Kaffee Gruppe, die am wichtigsten europäischen Kaffeehafen Hamburg ansässig ist, decken fast die Hälfte des Import-, Export-und Transportgeschäfts mit der koffeinhaltigen Ware ab.

Auch beim Endverbraucher ist das globale Kaffeebusiness stark konzentriert: Nestlé, Kraft Foods (Jacobs), Procter & Gamble sowie die amerikanische Sara Lee teilen sich vierzig Prozent des weltweiten Absatzmarktes. Regional sind freilich auch andere Unternehmen - in Österreich etwa Tchibo/Eduscho, Meinl und Regio (Spar) - erfolgreich als Importeure, Röster und Kaffeeverkäufer tätig.

In Österreich erhöhten fast alle Kaffeefirmen bereits ihre Verkaufspreise: zuletzt Marktführer Tchibo/Eduscho um 50 Cent pro halbes Kilo. "Derzeit gibt es keine Anzeichen für weitere Preiserhöhungen im Handel", meint Tee-und Kaffeeverbandschef Helmut Grafinger. Nachsatz: "Teurer darf der Rohstoff allerdings nicht mehr werden." Die höheren Preise treffen vor allem Verarbeiter der Edelsorte Arabica, deren Preis stärker steigt als jener der Robusta-Bohnen. Der Unterschied: Arabica ist etwas milder als Robusta, wächst in höhergelegenen Anbaugebieten und hat daher eine höhere Qualität. "Die Säuren von Arabica schlagen nicht so stark auf den Magen wie jene der Robusta", erklärt Leopold Edelbauer, Gründer des Wiener Instituts für Kaffee-Experten-Ausbildung. Ernst Naber verwendet ausschließlich Arabica. Sie gegen billigere Robusta austauschen will er nicht: "Jede Sorte besteht aus einer bestimmten Mischung, die im Geschmack immer gleich bleiben muss."

Die gesamte Story lesen Sie in FORMAT 06/07!