Milder Winter bringt Rekordtemperaturen: Überdurchschnittliche Wärme in halb Europa

Wintersportfreunde warten vergebens auf Schnee Neue "Bestmarke" bei Jahresdurchschnitt möglich

Milder Winter bringt Rekordtemperaturen: Überdurchschnittliche Wärme in halb Europa

Das Jahr 2006 könnte Experten zufolge weltweit zu einem der wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen werden. Der Herbst war in diesem Jahr auch in weiten Teilen Europas ungewöhnlich warm. So gab es überdurchschnittlich milde Temperaturen in Deutschland, Niederlande, Belgien, Schweiz, Dänemark, Norwegen sowie Teilen Frankreichs. In den Alpen warten die Wintersportfreunde noch weitgehend vergebens auf Schnee. Auch aus dem europäischen Teil Russlands werden ungewöhnlich milde Temperaturen für Dezember vermeldet. Zwischen niederländischen und russischen Experten ist allerdings umstritten, ob die Rekordtemperaturen mit der globalen Erwärmung zusammenhängen.

Dieses Jahr könnte mit einer Durchschnittstemperatur von mehr als elf Grad Celsius für die Niederlande das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1706 werden, sagte Rob van Dorland vom niederländischen Meteorologischen Institut KNMI. Der alte Rekord stamme mit 10,9 Grad Celsius aus dem Jahr 2000.

Van Dorland sieht in den steigenden Temperaturen durchaus Verbindungen zur globalen Erwärmung. "Wenn man die Tendenz betrachtet, dann kann man sagen, dass es Anzeichen für die globale Erwärmung gibt", sagte der Wissenschafter. So seien zehn der vergangenen 18 Jahre überdurchschnittlich warm gewesen. Meteorologen erwarten für die Zukunft, dass die Winter milder und feuchter werden, die Sommer hingegen trockener.

Auch die russische Hauptstadt Moskau verzeichnet bisher einen der wärmsten Dezember seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Am 7. Dezember seien 7,7 Grad Celsius gemessen worden. Das sei mehr als ein Grad über dem bisherigen Rekordwert für diesem Tag aus dem Jahr 1898, sagte ein Sprecher der staatlichen Wetterbeobachtungsbehörde am Dienstag. Im europäischen Teil Russlands habe man überdurchschnittlich milde Temperaturen gemessen, sagte Mark Naishuller. Vier Tage im Dezember hätten bereits Rekordwerte markiert. Die Temperaturaufzeichnung gibt es in Russland seit 1879. Im Durchschnitt liegen die Temperaturen in Moskau im Dezember bei etwa minus vier Grad Celsius.

Ursache für die milden Temperaturen seien die ungewöhnlich aktiven atlantischen Wirbelstürme. "Wir sollten aber noch keinen Zusammenhang mit der globalen Erwärmung herstellen. Es ist ein regionales Phänomen", sagte Naishuller. In anderen Regionen Russlands sei das Wetter typisch für Dezember. Im Osten Sibiriens seien die Temperaturen sogar tiefer als gewöhnlich.

(apa/red)