Mike Lielacher startet neu durch

Mike Lielacher startet neu durch

Am kommenden Mittwoch plant der schillernde Börsenbulle Michael ("Mike") Lielacher ein spektakuläres Comeback am österreichischen Finanzmarkt, berichtet das Wochenmagazin "Format" in seiner jüngsten Ausgabe.

Lielacher gibt den Startschuss für den Börsegang seines Internet-Finanzdienstes Bluebull, und das mitten in der tiefen Krise der High-Tech-Märkte. 100 bis 150 Mill. S will sich Lielacher laut eigenen Angaben von den Anlegern holen. Den Gesamtwert von Bluebull gibt er im "Format" mit 400 Mill. S (29,1 Mill. Euro) an. Die Zeichnungsfrist für die Aktien wird Anfang April beginnen.

Das Timing hält Lielacher für ideal. Gegenüber dem Wochenmagazin erklärte er: "Jetzt ist der beste Zeitpunkt zum Einsteigen. Alle großen Vermögen wurden in der Baisse gemacht. Und die haben wir gerade".

Lielacher stellt 2 Mill. Euro Gewinn in Ausicht
Für 2001 stellt Lielacher für Bluebull 2 Mill. Euro (27,5 Mill. S) Gewinn in Aussicht, bei 100 Mill. S Umsatz. Als "schlagendes" Argument Lielachers wird dieser wie folgt zitiert: "Die Märkte sind zuletzt um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Mehr als 100 Prozent Rückgang gibt es nicht. Daher können sich die Börsen gar nicht mehr viel nach unten entwickeln. Ich bin sicher, dass die High-Tech-Werte ab April wieder freundlich tendieren. Wer jetzt nicht einsteigt, ist selber schuld".

Lielacher war bis Anfang der 90er-Jahre als Wertpapierchef der damaligen "Ersten Österreichischen SparCasse" der umjubelte Börsestar in Wien schlechthin. Den Höhepunkt des Wiener Börsebooms 1991 nützte er zusammen mit Partnern zur Gründung einer eigenen Bank, der Vindobona Bank AG (VIP-Bank), wobei ihm die damalige Zentralsparkasse den Mantel ihrer Tochtergesellschaft "Innova" zur Verfügung stellte. Das Projekt scheiterte jedoch bald unter anderem wegen Geldwäsche-Vorwürfen und ging im Februar 1992 in der Bank Austria Investmentbank auf.

"Rapid-Aktie" ebenfalls glücklos
Glücklos war auch das Projekt der "Rapid-Aktie", die im Sommer 1991 über einen Börsegang der dafür gegründeten Rapid Finanz AG dem traditionellen Wiener Fußballklub SK Rapid zu Geld verhelfen sollte. Die von der VIP-Bank gemanagte Emission war bei einem Stückpreis von 1.100 S überzeichnet. Im Juli 1994 musste die Rapid Finanz AG jedoch nach einem Ausgleich liquidiert werden. Kurz vor der Kursaussetzung im April 1994 war die Rapid-Aktie an der Wiener Börse nur mehr mit 354 S taxiert. Nach Einstellung des Börsehandels wurden am Schwarzmarkt für das Papier gar nur mehr 50 S geboten. Heute werden für die Rapid-Aktie als "historisches Wertpapier" wieder attraktivere Summen geboten.

Das Ende der glanzvollen Ära Lielacher spielte sich vor Gericht ab. In einem langwierigen Rechtsstreit mit der "Ersten Österreichischen" wurde Lielacher im November 1995 vom Wiener Landesgericht wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt, ging jedoch in die Berufung, worauf der OGH im August 1997 das Urteil aufhob. Im November 1997 wurde Lielacher erneut am Wiener Landesgericht vom Verdacht der Untreue freigesprochen, im Dezember desselben Jahres kam es zur Streitbeilegung zwischen Lielacher und der nunmehrigen "Erste Bank".

Im Oktober des Vorjahres tauchte der Name Lielacher als einer der Wunschkandidaten von Ex-Verkehrsminister Michael Schmid (F) für die Neubesetzung des ÖBB-Aufsichtsrates auf. Im Dezember 2000 findet man Lielacher als Vorstandsvorsitzenden und Sprecher des börsenotierten Wiener Multimedia-Dienstleisters webfreetv.com.