Migrantenkinder meist schlechte Leser: Auch "Zweite Generation" hinkt hinterher

Starke Kluft zwischen Einheimischen und Migranten Schule kann Anderssprachigkeit kaum kompensieren

Zuwanderer-Kinder erreichen in Österreich deutlich schlechtere Lese-Leistungen als "einheimische" Schüler. Auch die Migranten der zweiten Generation, also jene, die schon hier geboren sind, können nicht viel besser lesen als jene der ersten Generation. Was schon die internationale Bildungsvergleichsstudie PISA 2003 gezeigt hat, bestätigt sich nun auch in der internationalen Lese-Studie PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study).

Für die vergleichende Migranten-Analyse bei PIRLS wurden nur Länder mit mehr als zehn Prozent Migrantenanteil unter den getesteten Schülern herangezogen. In Österreich sind 17 Prozent der rund 5.000 getesteten Schüler der vierten Klasse Volksschule Migranten (erste oder zweite Generation), was in etwa im Durchschnitt liegt.

In 14 der 21 so analysierten Länder ist die Leseleistung der Einheimischen signifikant besser als jene der Migranten erster Generation - wobei der Unterschied in England mit 71 Punkten am höchsten ist, gefolgt schon von Österreich mit 56 Punkten. Dagegen gibt es auch einige wenige Länder wie Singapur, Katar, Neuseeland und Hongkong, wo die Leseleistung der Migranten der ersten Generation signifikant besser ist als jene der Einheimischen.

Im Gegensatz zur PISA-Studie wurde bei PIRLS in den meisten Ländern keine signifikante Steigerung der Lese-Leistung zwischen Migranten der ersten und der zweiten Generation festgestellt. Das gilt auch für Österreich, wo aber bereits in der PISA-Studie keine Leistungsverbesserung zwischen den Migranten-Generationen beobachtet wurde. Für die nationalen PIRLS-Koordinatoren um den Bildungswissenschafter Günter Haider könnte dies als "Hinweis dafür gewertet werden, dass in vielen Ländern die erwarteten Integrations- und Sozialisationseffekte ausbleiben".

Untersucht wurde bei PIRLS auch der Einfluss der zu Hause gesprochenen Sprache auf die Lese-Leistungen. Erwartungsgemäß weisen Schüler, bei denen zu Hause nicht oft die Unterrichtssprache gesprochen wird, geringere Lese-Leistungen auf. Doch der Unterschied in der Lese-Leistung dieser Schüler zu jenen Kindern, die zu Hause immer in der Unterrichtssprache sprechen, ist in Österreich mit 31 Punkten Differenz in allen Vergleichsländern am größten, gefolgt von Deutschland mit 28 Punkten. Für die PIRLS-Koordinatoren bedeutet dies, dass es den Schulsystemen "in Österreich und Deutschland am wenigsten gelingt, die Anderssprachigkeit und die damit verbundenen Einbußen in der Lese-Leistung zu kompensieren". (APA/red)