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Darf ich an Touristen vermieten?

Rechtsanwältin Dr. Maria In der Maur-Koenne beantwortet eine Frage zum Mietrecht

Dr. Maria In der Maur-Koenne © Bild: NEWS

Für die Zeit meines Sommerurlaubs habe ich meine Wohnung auf einer Vermietungsplattform angeboten, um mit den Mieteinnahmen eine Urlaubswoche im Ausland zu finanzieren. Mein Nachbar hat die Anzeige gesehen und behauptet, ich dürfte das gar nicht und könnte mich sogar strafbar machen. Ist das wirklich so? Ich hätte nämlich schon einige Anfragen! Monika Reiter, Wien

Liebe Frau Reiter! Das Wichtigste zuerst: Natürlich kann von einer Strafbarkeit keine Rede sein. Wahrscheinlich hat Ihr Nachbar von der derzeit viel diskutierten Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs zur touristischen Kurzzeitvermietung von Wohnungen gehört. Da ich Ihrer Anfrage leider nicht entnehmen kann, ob Sie Eigentümerin oder Mieterin Ihrer Wohnung sind, kurz zu beiden Varianten: Wenn Sie Eigentümerin Ihrer Wohnung sind, sieht Ihr Wohnungseigentumsvertrag üblicherweise eine konkrete Widmung vor; im Regelfall zu „Wohnzwecken“.

Eine wiederholte kurzfristige Vermietung, angeboten über eine Vermietungsplattform und verbunden mit Nebenleistungen (Endreinigung und Wäsche), wäre demnach eine Änderung dieser Widmung, die nur mit Zustimmung aller Miteigentümer zulässig ist. Ohne die Zustimmung aller Miteigentümer können Sie auf Unterlassung dieser Form der kurzfristigen und wiederholten Vermie tung geklagt werden. Die Begründung lautet, dass durch diese Art der Nutzung ständig wechselnde fremde Personen im Haus anwesend sind. Wenn Sie aber nicht regelmäßig, sondern nur fallweise während Ihrer Urlaubsabwesenheiten Ihre Wohnung an Touristen vermieten, ist Ihr Vorhaben zulässig. Die Grenze ist dort zu ziehen, wo Sie öfter als bei fallweiser Urlaubsabwesenheit die Wohnung kurzfristig (bis zu 30 Tagen) an wechselnde Personen vermieten. Solange Sie sich an diese Grenzen halten, können Sie die Wohnung auch künftig sorgenfrei in Vermietungsplattformen anbieten, ohne die Miteigentümer fragen zu müssen.

Diese Einschätzung gilt auch dann, wenn Sie Mieterin Ihrer Wohnung sind, sofern Sie für die kurzfristige Vermietung kein unangemessen hohes Entgelt verlangen. Unangemessen hoch wäre das Entgelt dann, wenn Sie neben der anteiligen Verrechnung des Hauptmietzinses, der Betriebskosten und einem Entgelt für die Nebenleistungen einen Zuschlag von mehr als 50 Prozent verlangen würden. Bei einer nur fallweisen Kurzzeitvermietung während Ihrer Urlaubsabwesenheit müssen Sie keine immobilienrechtlichen Konsequenzen fürchten. Sie sollten aber bedenken, dass die Überlassung der eigenen Wohnung an Fremde immer auch ein Risiko ist. Sollte es zu Beschädigungen kommen, haben Sie keine Ansprüche gegen die Vermietungsplattform und müssen Ihre Forderungen gegenüber den Touristen direkt geltend machen.

Haben Sie eine Frage? Schreiben Sie mir bitte: siehabenrecht@news.at

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